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Covid-19 in Europa:Gesundheitsminister beraten in Rom - erste Fälle in Österreich und der Schweiz

  • Das neuartige Coronavirus breitet sich in Italien aus - auch Südtirol meldete einen ersten Fall. Erstmals sind auch in Kroatien, Österreich und der Schweiz Menschen infiziert.
  • In Spanien steht ein Hotel unter Quarantäne. Ein Mann, der aus der betroffenen italienischen Region Lombardei auf die Kanaren gereist war, wurde positiv getestet.
  • Die WHO nennt die Ausbreitung des Virus "sehr beunruhigend", eine Pandemie sei jedoch noch nicht erreicht.
  • Mehrere Firmen kassierten wegen der zu erwartenden Folgen durch das Coronavirus ihre Unternehmensziele, darunter die US-Fluglinie United Airlines und Mastercard.

Das neuartige Coronavirus breitet sich in Italien weiter aus. Nachdem am Montag die Zahl der bestätigten Fälle in dem Land auf über 220 geklettert war, meldete am Montagabend auch Südtirol den ersten Fall. Der 31-jährige Infizierte hatte sich nach einer Reise in die schwer betroffene Lombardei von sich aus aus bei den Behörden gemeldet, und war zunächst negativ getestet worden, wie das Land Südtirol auf Twitter mitteilte. Erst ein zweiter Test brachte demnach den postiven Befund.

Wie die Tageszeitung in Südtriol berichtete, werden derzeit die Kontaktpersonen des Mannes untersucht. Zudem sei die Probe bereits nach Rom transportiert worden, wo ein dritter Test stattfinden soll. Die Regierung in Südtirol richtete eine Telefonnummer (800751751) ein, unter der sich die Bürger von 8 bis 20 Uhr über die Lage informieren können. So soll garantiert werden, dass die Notrufnummer 112 nur für Notfälle wie hohes Fieber oder schwere Atembeschwerden genutzt wird.

Erste Virus-Fälle in Kroatien, Österreich und der Schweiz

Österreich meldete am Dienstagmittag die ersten Coronavirus-Fälle. Zwei Menschen im Bundesland Tirol seien infiziert, sagte eine Sprecherin der Landessanitätsbehörde. Auch ein zweiter Test sei positiv ausgefallen. Medienberichten zufolge handelt es sich um zwei 24-jährige Italiener aus der Lombardei, die in Innsbruck leben. Die Betroffenen hätten sich bei der Leitstelle selbst gemeldet, nachdem sie bei sich Krankheitssymptome festgestellt hätten.

Auch im Kanton Tessin in der Schweiz ist am Dienstag erstmals eine Infektion bestätigt worden. Das teilte das Bundesamt für Gesundheit mit. Am Montag hatte Innenminister Alain Berset gesagt, das Land sei gut vorbereitet. Maßnahmen wie Reisebeschränkungen wurden nicht ergriffen. Der Kanton Tessin ragt in die italienische Lombardei hinein, wo mehrere Fälle aufgetreten sind.

In Kroatien ist ein junger Mann positiv auf das Virus getestet worden. Er halte sich mit leichten Symptomen in einem Krankenhaus in Zagreb auf, teilte Ministerpräsident Andrej Plenković am Dienstag mit. Der junge Mann war vom 19. bis 21. Februar in Italien gewesen, sagte Gesundheitsminister Vili Beroš. Es werde nun festgestellt, mit wem er Kontakt hatte. Über den betroffenen Personenkreis werde Quarantäne verhängt.

Auch in Spanien gibt es einen weiteren Coronavirus-Fall. Ein Mann, der aus der Lombardei auf die Kanareninsel Teneriffa gereist war, wurde dort positiv getestet. Die Pressestelle der Stadt Adeje erklärte, das Hotel, in dem der Mann gewohnt habe, stehe unter Quarantäne. Spanischen Medien zufolge dürfen die etwa 1000 Touristen in dem Komplex die Anlage nicht verlassen.

Das Virus ist zudem auch auf dem spanischen Festland angekommen. In Barcelona wurde eine Frau nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Sie soll ihren Wohnsitz in Barcelona haben und kürzlich von einer Reise nach Norditalien zurückgekehrt sein, berichtete die Zeitung La Vanguardia. Es handelt sich um den vierten bestätigten Coronavirus-Fall in Spanien.

In Italien ist auch ein Flüchtlingsrettungsschiff unter zwei Wochen lange Quarantäne gestellt worden. Die 32-köpfige Besatzung der Ocean Viking dürfe als Vorsichtsmaßnahme nicht von Bord, sagte die Sprecherin der Hilfsorganisation SOS Mediterranee, Barbara Hohl. Das Schiff ist seit Sonntag isoliert und liegt vor dem Hafen in Pozzallo auf Sizilien. Die mehr als 270 geretteten Migranten seien an Land in Quarantäne gekommen, sagte Hohl. Warum die Crew nicht auch an Land isoliert wurde, sei ihnen unklar.

Spahn zu Gesundheitsminister-Treffen in Rom

Angesichts der raschen Ausbreitung des Virus will die italienische Regierung an diesem Dienstag mit den Nachbarländern und Deutschland die Lage beraten. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn reist dazu nach Rom. An dem Treffen am Nachmittag sollen neben dem Gastgeber zudem seine Kollegen aus Slowenien, Frankreich, der Schweiz und Österreich teilnehmen.

In Italien sind nach Behördenangaben bis zum frühen Montagabend mindestens sieben Infizierte gestorben - alle hatten demnach Vorerkrankungen. Die Zahl der bestätigten Infektionen liegt bei 229. Mehr als 25 Menschen seien auf der Intensivstation. Am Vorabend waren es noch rund 150 gemeldete Infizierte. Italien ist aktuell mit Abstand das Land mit den meisten erfassten Fällen in Europa.

In der besonders schwer betroffenen Lombardei wurden zehn Gemeinden in der Provinz Lodi zu Sperrzonen erklärt. Dort kontrollieren Sicherheitskräfte, wer rein und raus darf.

Gesundheitsminister Spahn sagte am Montag, ein Virus mache an Landesgrenzen nicht halt. Zur Frage, ob auch in Deutschland ganze Städte abgeriegelt werden könnten, meinte er, theoretisch sei Vieles denkbar. Notwendig sei so ein Schritt nicht. "Von der Absage von Großveranstaltungen (...) bis zum kompletten Abriegeln ganzer Städte gibt es ja auch noch viele Zwischenstufen."

Erwartet wird, dass die Minister bei ihrem Treffen in Rom Reaktionen auf die Ausbreitung des Virus beraten. Der italienische Zivilschutz und die Regierung in Rom hatten sich bereits gegen Grenzschließungen ausgesprochen. Dies sei rechtlich zwar machbar, bringe aber keinen praktischen Nutzen, so der Zivilschutz.

Sinkende Fallzahlen in China

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte am Montag in Genf, es sei ermutigend, dass die Fallzahlen in China zurückgingen. Von dort wurden rund 500 neue Fälle gemeldet, 71 Menschen starben dort an Covid-19. Die Zahlen aus Italien, dem Iran und Südkorea seien gleichwohl sehr beunruhigend, sagte Ghebreyesus. Nach WHO-Einschätzung handele es sich bislang nicht um eine Pandemie, sondern Epidemien in einzelnen Ländern.

Angesichts der Lage haben mehrere Unternehmen ihre Umsatzprognosen korrigiert, darunter das US-Flugunternehmen United Airlines und Mastercard. US-Präsident Trump bat am Montag den US-Kongress um insgesamt 2,5 Milliarden Dollar, um Maßnahmen zu finanzieren, die die USA vor einer weiteren Verbreitung des Virus schützen sollen.

© SZ.de/rtr/dpa/AP/mxm/aner
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