Die großen Erbfälle: Geld - Macht - Hass "Du wirst das schon machen, Friede"

Springer habe, entkräftet vom Kampf gegen seine Krankheit, lediglich keine Zeit mehr gehabt, seine neuen Wünsche in die juristisch richtige Form zu bringen. Deshalb, so Servatius, habe er nun eine Erbenvereinbarung aufgesetzt, die den neuen Realitäten Rechnung trage: 70 Prozent für die Witwe, je zehn Prozent für die beiden Kinder Nicolaus und Barbara Choremi sowie je fünf Prozent für die Enkel Aggi und Ariane.

Ein möglicher Nachfolger: Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner erinnert in manchen Zügen an Axel Springer.

(Foto: ag.dpa)

Nur fünf statt 25 Prozent - der damals 19-jährige Aggi Springer akzeptierte trotzdem. Jahre später bewertete er seinen Fall neu, fühlte sich arglistig getäuscht und hatte alles von 2002 an angefochten. Die Sache ging vor Gericht und durch die Instanzen. Das Oberlandesgericht Hamburg hörte Zeugen, rollte vor drei Jahren den Erbfall noch einmal auf, im Gerichtssaal wurden die Ereignisse wieder lebendig.

Vor allem der Auftritt von Ernst Cramer hatte wohl für Überraschungen gesorgt. Der Publizist, ein enger Wegbegleiter des Verlegers Springer, bekundete nach Erzählungen Eingeweihter, die Interessen des Enkels seien wohl nicht optimal vertreten worden. Cramer gab an, das Erbentreffen an jenem 31. Oktober 1985 mit einem schlechten Gewissen verlassen zu haben.

Friede, die Friesin hat sie alle überwunden

Er war früher allem Anschein nach davon ausgegangen, dass Aggi bei der Erbenregelung anwaltliche Hilfe hatte - doch so war es nicht. Aggis Mutter Rosemarie war nicht mit eingeladen gewesen. Und der junge Aggi war direkt von seinem damaligen Internat in Zuoz in der Schweiz nach Berlin angereist.

Viele Ungereimtheiten waren vor drei Jahren vor Gericht zur Sprache gekommen. Zum Beispiel auch die Frage, warum Axel Cäsar Springer sehr wohl in jenen Tagen eine Geburtstagskarte an Max Schmeling schreiben konnte, andererseits aber angeblich so siech war, dass er kein neues Testament unterzeichnen konnte.

Wie auch immer: Aggi Springer, der selbst für den Konzern gearbeitet hatte, unterlag schließlich, nicht nur vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht zu Hamburg, auch in letzter Instanz vor dem Bundesgerichtshof im August vergangenen Jahres.

So bleibt es dabei: Friede Springer, geborene Riewerts, eine Friesin von der Insel Föhr, ein ehemaliges Kindermädchen der Familie und fünfte Ehefrau Springers, hat das Sagen. Im Sommer 1965 waren sich die beiden zum ersten Mal begegnet, sie hatten sich sofort verliebt und dann mehr als zehn Jahre lang zusammengelebt. Erst 1978 heiratete Springer Friede. Die neue Frau war die Stütze für den alternden Verleger, ertrug alle Stimmungsschwankungen und alle Krankheiten. Und sie verwaltet heute sein Erbe, führt den Verlag weiter.

Friede kontrolliert direkt und indirekt die Mehrheit der Aktien. Sie hat alle überwunden: Die Burdas, die am Konzern beteiligt werden sollten, Leo Kirch, der sich hinterrücks eingekauft hatte, die anderen Erben, auch den Erbenkrieg und die Deutsche Bank, die seit der Kirch-Pleite mit im Boot sitzt und nun ihre Aktien abgeben will. In einer Friede-Springer-Biographie mit autorisierten Zitaten heißt es: "Sie lebte Springers Leben. Ein eigenes hatte sie nicht mehr, Sie war genauso geworden, wie er sie hatte haben wollen."

Kurz vor seinem Tod soll Springer seiner Frau gesagt haben: "Du wirst das schon machen, Friede." Sie hat es geschafft, das Erbe von Axel Cäsar Springer lebt. Aber wie sie dieses Erbe eines Tages weitergeben will, das ist nicht bekannt.