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BGH-Urteil zu Mieterhöhung:Auch zum Nachteil von Vermietern

Wie bei Mieturteilen üblich, kam die Gegenseite zu einer völlig anderen Beurteilung. Die vom BGH gezogene Toleranzgrenze sei praxisgerecht, fanden übereinstimmend die Eigentümergemeinschaft Haus & Grund sowie der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Ursache für die unterschiedlichen Flächenangaben seien überwiegend die unterschiedlichen Berechnungsmethoden, hieß es. Deren Folgen sind geradezu dramatisch, wie sich aus einem Gutachten der Dekra Real Estate von Ende 2006 ergibt. In mehr als 80 Prozent der untersuchten Fälle hätten Wohn- und Büroflächen nicht den Angaben in den Mietverträgen entsprochen, hieß es.

Die Erkenntnis, dass trügerische Angaben ein Massenphänomen sind, beeindruckte sichtlich auch den Bundesgerichtshof. Ein Zweck der vor Jahren entwickelten "Zehn-Prozent-Bagatellgrenze" sei es, zahllose Prozesse um kleine Flächenabweichungen zu vermeiden, sagte Richter Wolfgang Ball in der mündlichen Verhandlung Mitte Juni.

Er wies jetzt darauf hin, dass sein Senat die Zehn-Prozent-Regel im Vorjahr zum Nachteil eines Vermieters angenommen habe. In jenem Fall war die tatsächliche Wohnfläche mit 131 Quadratmetern um zehn Quadratmeter größer als die im Vertrag angegebene. Wie jetzt die Mieterin, musste sich damals der Vermieter auf die falsche, aber vereinbarte Fläche verweisen lassen.