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US-Wahl 2016:Trägt Facebook eine Verantwortung für die Lügen?

Trumps Erfolg wirft auch die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung der sozialen Netzwerke auf, insbesondere von Facebook. Sein Wahlkampf lebte oft von Halbwahrheiten und Lügen, verbreitet von ihm und seinen Fans. Facebooks Algorithmen bevorzugen Nachrichten, mit denen viele Leser interagieren. Diese werden für noch mehr Leser sichtbar gemacht. Dabei prüft das Unternehmen praktisch nicht, ob eine Meldung wahr ist oder nicht. Übrigens: Das Team, das angeblich die Demokraten-freundlichen Artikel bevorzugt hatte, wurde von Mark Zuckerberg entlassen und durch einen Algorithmus ersetzt.

Facebook erklärt sich nicht zuständig: Man sei ja kein klassisches Medium, sondern nur eine Plattform, der Inhalt komme von den Nutzern. Ihnen nicht zu geben, was sie wollten, sei Zensur.

Der US-Wahlkampf zeigt ein weiteres Problem auf, mit dem sich die Gesellschaft auseinandersetzen muss: erfundene Nachrichten. Neben politisch unterschiedlich positionierten Medien, die sich mit realen Ereignissen beschäftigen, gibt es mittlerweile eine Parallelwelt an Seiten, die Fake News in die Welt setzen und über soziale Netzwerke Millionen Menschen erreichen. In Europa sind es oft Gerüchte über Flüchtlinge, in den USA Schauermärchen über Barack Obama oder Clinton (oder darüber, dass Michelle Obama ein Mann sei).

Journalisten, die sich darauf spezialisiert haben, solche "Artikel" zu widerlegen, kommen nicht hinterher - oder erreichen nur die, die sich ohnehin nur in der Filterblase der vermeintlich Aufgeklärten bewegen. Google und Facebook haben gerade erst zaghaft begonnen, selbst Fakt-Checking-Mechanismen einzuführen.

Farhad Manjoo konstatierte vergangene Woche in der New York Times, dass wir uns wegen Facebook und Google bald nicht mehr darauf einigen könnten, was eigentlich die Realität sei. Wir konsumierten nur noch genau jene Informationen, die wir wollten, und verstärkten so unsere eigenen Vorurteile. Es gebe zwar alle korrekten Informationen im Netz, aber die Menge der falschen sei einfach zu groß, das zeige unter anderem die Hartnäckigkeit der 9/11-Verschwörungstheorien.

Von den Fake News dürfte Trump verstärkt profitiert haben, denn sie sind vor allem ein Kampfmittel der Rechten: In einer Analyse von Buzzfeed waren mehr als ein Drittel der Nachrichten auf stramm rechten Facebook-Seiten falsch, auf ihren linken Pendants waren es 19 Prozent. Je mehr falsche Geschichten, desto mehr Interaktionen, was wiederum die Verbreitung erhöht. Und in einem Raum, in dem Fakten nicht so wichtig sind, hat der Troll die besten Chancen. Und wird am Ende Präsident.

© SZ.de/mahu/dd

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