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Bildung - Chemnitz:Viele Kurse abgesagt: Zukunfts-Sorgen bei Volkshochschulen

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Chemnitz (dpa/sn) - Die Vertreter der Volkshochschulen (VHS) in Sachsen sorgen sich um die Zukunft der Bildungseinrichtungen. Der Sächsische Volkshochschulverband geht davon aus, dass das Herbst- und Winterprogramm weniger stark nachgefragt wird. Der Verband rechnet damit, dass Teilnehmende etwa wegen veränderter privater oder beruflicher Situationen, finanziellen Sorgen oder aus Vorsicht zurückhaltender mit der Buchung von Kursen sind.

"Wir gehen davon aus, dass 2020 als ein "verlorenes" aber auch weichenstellendes Jahr mit weitreichenden Konsequenzen für die Weiterbildungslandschaft in Sachsen in die Bildungsgeschichte eingehen wird", teilte Geschäftsführer Ulrich Klemm mit.

Seit Mitte März finden an den 16 Volkshochschulen in Sachsen wegen des neuartigen Coronavirus keine Veranstaltungen mehr statt, bei denen die Teilnehmer körperlich anwesend sein müssen.

Teilnehmergebühren, die für ausgefallene Kurse bereits gezahlt wurden, werden demnach rückerstattet. Mit dem Ausfall der Teilnehmerbeiträge falle jedoch auch eine der drei Finanzierungssäulen der VHS weg, erklärte Klemm. Übrig blieben Zuschüsse von Land und Kommunen. Er sorge sich. "Wenn wir drei Säulen haben und nur noch auf zwei stehen, das wird ganz schön wackelig", sagte er. Die VHS seien auf Unterstützung angewiesen.

Dennoch: Viele der abgesagten Angebote aus dem Sommersemester, das im Januar und Februar begann, sollen laut Verband nachgeholt werden. Entlassungen von Lehrenden habe es laut Verband coronabedingt bislang keine gegeben. Das liege daran, dass die etwa 4000 Dozenten der VHS überwiegend frei- und nebenberuflich auf Honorarbasis bezahlt werden. Fällt ein Kurs aus, bekommen die Yoga-, Sprach- und Töpferlehrer kein Honorar. Allerdings meldeten einige VHS Kurzarbeit für Verwaltungsmitarbeiter an, etwa die VHS Dresden.

Derweil werden die Bildungseinrichtungen in der Krise erfinderisch. Mehr als 200 Kurse seien in kürzester Zeit ins Internet verlegt worden, hieß es vom Volkshochschulverband. Etwa Yoga- und Sprachkurse seien online verfügbar, sagte Klemm. Die Kurse würden gut angenommen. Parallel würden Dozenten in kostenlosen Online-Schulungen auf die spezielle Didaktik bei digitalen Kursen vorbereitet.

Auch Vorträge zur politischen Bildung und kreative Angebote sollen laut Klemm künftig zuhause abrufbar sein, etwa Aquarellmalerei. Und so werden in der Krise vielleicht auch nachhaltig Weichen gestellt: Die Online-Angebote sollen künftig noch stärker ausgebaut werden, hieß es vom Volkshochschulverband.

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