Unfall im Restaurant:Wie kam der vergiftete Schampus nach Weiden?

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Unfall im Restaurant: Die Polizei kam vor knapp zwei Wochen zu dem Lokal in der Innenstadt von Weiden, in dem Gäste aus einer Champagnerflasche tranken, in der Ecstasy war.

Die Polizei kam vor knapp zwei Wochen zu dem Lokal in der Innenstadt von Weiden, in dem Gäste aus einer Champagnerflasche tranken, in der Ecstasy war.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Freunde trinken mit Ecstasy versetzten Champagner, einer von ihnen stirbt. Ermittler vermuten, dass es sich um Schmuggelware handelte. Doch wie gelangte sie ausgerechnet in die Oberpfalz?

Von Deniz Aykanat, Weiden

Eine Gruppe Freunde und Bekannte bestellen in einem Restaurant eine große Flasche Champagner. Nach den ersten Schlucken brechen die Frauen und Männer im Alter zwischen 33 und 52 Jahren krampfend zusammen, sie werden in Krankenhäuser gebracht. Kurze Zeit später stirbt einer von ihnen, die anderen müssen teilweise tagelang im Krankenhaus behandelt werden. Nach einer toxikologischen Untersuchung des Flascheninhalts steht fest: Darin war nicht nur Champagner, sondern auch die Droge Ecstasy, extrem viel davon.

Der Fall, der sich in einem beliebten Restaurant mitten in der Weidener Altstadt abspielte, schockierte nicht nur die Stadtbewohner. Deutschlandweit berichteten die Medien plötzlich über Weiden - vielleicht, weil es so einen Fall in Deutschland bisher nicht gab, wie das Landeskriminalamt in München bestätigt. 2019 stellte die Polizei in der australischen Millionenmetropole Sydney literweise flüssiges Ecstasy in Champagnerflaschen sicher. Doch wie gelangt eine solche Schmugglerware in eine 42 000-Einwohner-Stadt in der Oberpfalz? Auf diese Frage fokussieren sich die Ermittlungen. Es gab bereits mehrere Durchsuchungen in Weiden. "Bei einem solchen Fund schaut man natürlich, ob da noch mehr ist", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer. Weitere Drogen konnten aber nicht sichergestellt werden.

Eine Festnahme habe es laut Schäfer gegeben. Es habe sich aber herausgestellt, dass kein hinreichender Tatverdacht bestehe. Der lokalen Presse zufolge soll es sich dabei um den Wirt des Restaurants gehandelt haben. Die Lebensgefährtin des Wirtes soll die verschlossene Flasche an den Tisch gebracht und geöffnet haben. Auch sie trank von dem vergifteten Champagner und musste ins Krankenhaus. Die Ermittler gehen davon aus, dass niemand im Restaurant die Droge in die Flasche gekippt hat.

Eine Flasche zu öffnen, verflüssigtes Ecstasy einzufüllen und die Flasche wieder so zu verschließen, dass es nicht auffällt, das ist laut Schäfer durchaus möglich. Um dazu weitere Erkenntnisse zu sammeln, werde auch der Hersteller des Champagners kontaktiert. Die Methode, die Droge zu verflüssigen, ist beim LKA bekannt. "Die Drogen werden aufgelöst in Flüssigkeiten geschmuggelt und anschließend wieder extrahiert, getrocknet und in Tablettenform gepresst", sagte ein Sprecher des LKA. Auf diese Weise sei das Entdeckungsrisiko relativ gering.

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