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Geschenke zum Valentinstag:Liebe in Pandemie-Zeiten

Valentinstag

Liebe lässt sich nicht wegsperren. Große Gefühle gibt's auch im Lockdown.

(Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Valentinstag ist der Tag der großen Gefühle. Eine Auswahl an kreativen Geschenkideen, von der Filmromanze bis zum Gedicht.

Von SZ-Autoren

Spannendes Paarspiel

Auf der Suche nach einem spannenden Paarspiel für sich und seine Frau entwickelte der dänische Spiele-Designer Jacob Jaskov "Fog of Love" (Nebel der Liebe) - und landete weltweit einen Hit: Zwei Spieler schlüpfen in die Rolle von fiktiven Charakteren und gestalten eine Beziehung. Wie im echten Leben wechselt die Partnerschaft zwischen Romantik, Achterbahnfahrten, peinlichen Situationen und schwierigen Kompromissen. Ob Happy End oder auch Liebes-Aus - das haben die Spieler selbst in der Hand. Fazit: Zwei Menschen, die sich fix ineinander verlieben, können sich ebenso schnell wieder verlieren. Aber auch, wenn sich beide hervorragend kennen, können sie aneinander vorbei rennen (Pegasus Spiele). Barbara Hordych

Gier nach Lektüre

Liebe und Begehren ändern sich im Kern nicht, die Zeiten allerdings schon - und so muss immer wieder neu darüber erzählt werden. Vor 20 Jahren schrieb etwa die Münchner Autorin Keto von Waberer in ihren erotischen Geschichten "Die Mysterien eines Feinkostladens" von Frauen, die sich zu holen versuchen, was sie brauchen - wären diese Frauen darin heute noch selbstbewusster? Wer nachlesen will, wie hyperreflektiert Dreißigjährige der Gegenwart mit Gefühlen umgehen, sollte zu Leif Randts "Allegro Pastell" (Kiepenheuer & Witsch, 2020) greifen. Die Liebenden haben darin unglaublich viele Ansprüche an sich und das Leben - und spüren, kurz vor der Pandemie übrigens, bereits "vorauseilende Wehmut". Antje Weber

Mutmachen mit Musik

Der Valentinstag ist nicht nur der Tag der Liebespaare, die sich vegane Pralinen überreichen und dann vor dem Fernseher zu einer Folge Der Bergdoktor einkuscheln. Nein, es war stets ein Tag der heimlich Verliebten. Die können auf sich aufmerksam machen und stehen zum Beispiel mit einem Mixtape nicht als verliebte Trottel, sondern als Musikkenner da. Ganz oben auf die Spotify-Valentinstag-Liste gehört Nenas "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" in der Version, die Bayerns Soul-Granate Claudia Koreck für Der Bergdoktor eingesungen hat: "Liebe wird aus Mut gemacht, wir fahren auf Feuerrädern Richtung Zukunft durch die Nacht." Ein Wink nicht mit dem Zaunpfahl, sondern mit dem Flutlichtmast. Michael Zirnstein

Gesang der Gondoliere

Viril, kernig und frech, manchmal aber auch verführerisch erotisch und zärtlich: Holger Falk verströmt Liebeslust und -leid zur Begleitung weniger Instrumente, wie etwa Hackbrett, Geige, Traversflöte, Oboe, Gambe, Harfe, Barockgitarre oder Laute und der vielfältigen Geräusche der Lagunenstadt in Liedern venezianischer Gondoliere mit allen Facetten eines charismatischen Baritons. Das Album "Il gondoliere veneziano" (von WDR/Prospero) erinnert vielleicht an wunderbare Momente beim Besuch der Stadt zu zweit, kann aber auch Gutschein sein für eine künftige Reise. In jedem Fall aber ist es eine lustvolle Begegnung mit der Jahrhunderte alten, meist anonym überlieferten Musik der Gondoliere Venedigs. Klaus Kalchschmid

Moderne Paarbeziehung

Er sagt, ihre Ehe sei wie der Brexit: "Wir können zwei Jahre reden, bevor wir uns auf die Streitpunkte einigen." Daraufhin sie: "Beim Brexit geht es auch um eine Scheidung." Die Ausgangslage von State of the Union klingt nicht gerade romantisch. Die britische Serie erzählt aber in zehn, jeweils nur zehn Minuten langen Folgen viel mehr über moderne Paarbeziehungen als viele Hollywoodfilme. Das liegt an den Serienmachern Stephen Frears (Regie) und Nick Hornby (Buch), sowie an Rosamund Pike und Chris O'Dowd in den Hauptrollen: Die beiden sind hinreißend als Paar in der Krise, noch bevor sie zur Eheberatung gehen, fliegen im Pub bereits die Fetzen. Die Serie ist in der ARD-Mediathek abrufbar. Josef Grübl

Hintergründige Romanzen

Wenn es um Romantik und große Gefühle geht, landet man schnell bei Jane Austen. Die Britin liefert auch mehr als 200 Jahre nach ihrem Tod die perfekten Vorlagen für märchenhafte Hollywoodromanzen. Dass Austens Bücher aber gar nicht so romantisch sind, sondern viel über Standesdünkel und die Heiratsökonomie des frühen 19. Jahrhunderts erzählen, sieht man erst auf den zweiten Blick. So auch in Autumn de Wildes Verfilmung von "Emma" aus dem Jahr 2020 (auf DVD, Blu-ray oder Stream): Anya Taylor-Joy spielt die Titelheldin, eine junge Frau aus der britischen Upperclass, die nicht heiraten will und lieber andere verkuppelt: Eine prächtig ausgestattete, ironisch überhöhte Neuinterpretation des Klassikers. Josef Grübl

Balladen zum Dahinschmelzen

Das perfekte Jazz-Album zum Valentinstag bleibt wahrscheinlich für immer Ben Websters "Music For Loving". Kein anderes Tenorsaxofon konnte derart schmachten wie das des Mannes aus Kansas City, und auf dieser Aufnahme spielt er mit von "No Greater Love" bis "Blue Moon" auch das ideale Repertoire zum Dahinschmelzen. Ein echtes hiesiges Pendant dazu gibt es nicht. Aber auch Tom Reinbrecht kann Verliebte mit seinem Saxofonklang betören. Bei ihm geht es freilich mehr in Richtung Soul und Latin. Wundervoll funktioniert diese Kombination bei seinem Projekt Chop Gelado mit dem portugiesischen Sänger Paolo Alves. Auf dem Album "Places, Faces, Traces" sind einige unwiderstehliche Balladen dabei. Oliver Hochkeppel

Gefährliche Küsse

Die Liebe mit all ihren Brüchen, Gefahren und Abgründen fasziniert. Nachfühlbar ist das auf der CD "Im wunderschönen Monat Mai" (Winter&Winter, 2007). Barbara Sukowa singt darauf Lieder von Schumann und Schubert. Doch da Sukowa keine klassische Sängerin, sondern eine Charakterdarstellerin ist, geraten ihre Interpretation so wüst, dass einen die psychischen Grenzzustände der Liebe regelrecht umhauen. Etwa Schuberts "Gretchen am Spinnrade", in dem die Gefährlichkeit und Genüßlichkeit von Fausts Küssen für Gretchen spürbar werden. Oder Heines keck-vergängliches "Ein Jüngling liebt ein Mädchen", vertont von Schumann und von Sukowa mit ganz gegenwärtigem Leben versehen. Rita Argauer

Musikalische Grüße

Viele kennen ihn als den Zausel mit der Zunderstimme. Andreas Kümmert gewann die dritte Staffel von The Voice Of Germany und sollte 2015 für Deutschland beim Eurovision Song Contest antreten - wenn er, aus Selbstschutz, keinen Rückzieher gemacht hätte. Der charakterstarke Blues-Sänger bleibt sich auch in der Corona-Zeit treu, macht Musik, wo er kann, und überrascht mit innovativen Ideen. Auf Facebook notierte er im Hinblick auf den Valentinstag: "Ich singe für Sie eine ganz persönliche Widmung. Einfach eine Mail an: andreas.kuemmert@yahoo.com schicken. Über den Preis werden wir uns sicher einig." Auch auf einer mobilen Bühne im Live-Bus kann man den Unterfranken buchen: laudi@stagekult.de. Bernhard Blöchl

Gefühle in Versen

Sag's durchs Gedicht: Schon immer wurde die Liebe in Versen besungen. Wer den Geliebten, die Geliebte mit zeitgenössischen Zeilen aus München beeindrucken möchte, könnte Augusta Laars "99 Love Poems" (Gedok, 2012) wählen. Oder einen der Bände Albert Ostermaiers, die immer wieder um das Thema kreisen: "er liebt mich liebt mich / nicht ganz oder gar nicht / jetzt oder nie idiotie ich / zittre was ich zittern kann", heißt es zum Beispiel in "Über die Lippen" (Suhrkamp, 2019). Darin buchstabiert Ostermaier, inspiriert von Roland Barthes' "Fragmente einer Sprache der Liebe", ein Liebes-ABC durch. Unter L wie Liebeserklärung schreibt er: "ich reibe meine sprache / an dir bis deine haut glüht". Intensiv! Antje Weber

Affenliebe im besten Sinne

In Frankreich sind Abelard und Héloise bekannt wie Romeo und Julia. Sie lebten im Mittelalter - hoch dramatisch, sinnlich, politisch. Abelard ist ein bekannter Philosoph und Theologe, als er sich ins kluge, schöne Mündel des Chorherrn von Notre-Dame verliebt. Es folgen Kind, Kastration und zwei Kirchenkarrieren. Rousseau und Voltaire hat das ebenso inspiriert wie einen der gefeiertsten Maler, den München je hatte: Gabriel von Max. Schirmer/Mosel widmete ihm, der mit 16 Affen lebte und 2 von ihnen als "Abelard und Heloise" porträtierte, den Bildband "Von ekstaischen Frauen und Affen im Salon. Gemälde zwischen Wahn und Wissenschaft". Mit einem Text von Karin Althaus. Zum Verlieben! Susanne Hermanski

Ein Becher voller Liebe

Mia Florentine Weiss' "Love Hate Skulptur" vor dem Bayerischen Nationalmuseum.

(Foto: Stephan Rumpf)

Liebe und Hass - starke Gefühle, die oft nah beieinanderliegen. Diese emotionale Nähe wollte die in Würzburg geborene, in Berlin lebende Künstlerin Mia Florentine Weiss in ihrer Doppelskulptur Love-Hate, die derzeit vor dem Bayerischen Nationalmuseum steht, zum Ausdruck bringen. Nun hat Weiss bei KPM Berlin einen Love-Hate-To-Go-Becher herausgebracht, auf dem das Ambigramm in zartrosa auf weißes Porzellan gedruckt ist. Zum Valentinstag stehen die Zeichen unbedingt auf "Love". Doch Liebe sollte niemals nur To-Go sein, sondern langfristig das Zusammenleben der Menschen bestimmen. Gut, dass der To-Go-Becher nicht zum Wegwerfen ist, sondern aus Porzellan und damit sehr nachhaltig. Evelyn Vogel

© SZ vom 10.02.2021/vewo
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Menüs von Sterneköchen
:Alles Liebe - trotz Corona

Zum Valentinstag bieten viele Lokale Menüs aus der Box. Einige liefern fertige Menüs, bei anderen müssen Verliebte bei einem Live-Cooking-Event per Zoom selbst kochen.

Von Franz Kotteder

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