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Allgäu:Behörden wussten von Tierschutz-Verstößen

Hohe Kälbersterblichkeit in umstrittenem Milchviehbetrieb

In einem Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach sollen Milchkühe misshandelt worden sein. Die Ermittlungen laufen.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
  • Auf Anfrage der Landtags-SPD hat die Staatsregierung eingeräumt, dass die Behörden von Verstößen gegen die Tierwohl-Vorgaben in einem Großbetrieb gewusst haben.
  • Laut Umweltministerium wurden die Stallungen des Betriebs seit 2014 fast 60 Mal überprüft. In 38 Fällen wurden Verstöße gegen Vorgaben festgestellt.
  • Eine Sprecherin des Landratsamts Unterallgäu erklärte, dass das Veterinäramt keinen einzigen Verstoß des Betriebs hingenommen habe.

Im Tierschutzskandal um die Milchviehhaltung in Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu) hat die Staatsregierung eingeräumt, dass die Behörden von Verstößen gegen die Tierwohl-Vorgaben auf einem Großbetrieb gewusst haben. Das geht aus einer Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage der Landtags-SPD hervor. Der SPD-Abgeordnete Florian von Brunn übt massive Kritik. "Es ist vollkommen unbegreiflich, warum hier nicht früher hart durchgegriffen wurde", sagt er. "Über Jahre hinweg wurden bei Kontrollen immer wieder brutale Tierquälereien festgestellt. Aber schlimm genug, um sie sofort abzustellen, fand die zuständige Behörde sie offenbar nicht."

Laut Umweltministerium wurden die bayerischen Stallungen des Großbetriebs seit 2014 fast 60 Mal überprüft - und zwar nicht nur in Sachen Tierschutz, sondern auch in Sachen Tierseuchen- und Arzneimittelrecht. In 38 Fällen wurden Verstöße gegen Vorgaben festgestellt. Das eine Mal reichten die Liegeplätze für die vielen Tiere im Stall nicht aus, ein anderes Mal waren es die Fressplätze. Wieder ein anderes Mal wurden kranke Tiere nicht angemessen untersucht und behandelt.

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Die Veterinäre stellten aber auch fest, dass kranken Kühen kein Futter oder Wasser gegeben wurde. Letzteres nennt Brunn besonders empörend. Seine Fraktionskollegin Ruth Müller fordert Aufklärung über die Verstöße gegen das Arzneimittelrecht auf dem Betrieb. Angesichts der dürftigen Angaben des Umweltministeriums hierzu drängt sich für Müller der Verdacht auf, dass "möglicherweise Antibiotika-Missbrauch stattgefunden haben könnte". Die Staatsregierung müsse die Angaben hierzu schnell nachliefern.

Eine Sprecherin des Landratsamts Unterallgäu erklärte, dass das Veterinäramt keinen einzigen Verstoß des Betriebs gegen rechtliche Vorgaben hingenommen habe. Die Amtstierärzte hätten den Betriebsinhaber bei einem jeden aufgefordert, ihn abzustellen, und dafür detaillierte Auflagen erlassen. Der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather (FW) beschwert sich seit Jahren immer wieder bei der Staatsregierung, dass das Veterinäramt an seiner Kreisbehörde chronisch unterbesetzt und überlastet ist. Seine Forderung nach mehr Amtstierarzt-Planstellen sind bisher völlig ungehört geblieben.

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