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Treffen des Partei-Vorstands:Auftritt der Gauweiler-Getreuen

Auftritt der Gauweiler-Getreuen: Ex-Bayernkurier Chefredakteur Wilfried Scharnagl will eigentlich nichts sagen und meint dann doch über Gauweiler: "Er hat auch Freunde, viel mehr, als man glaubt." Und schließlich kommt Gauweiler selbst und ist wie immer für Bonmots gut. "Wir sind alle fehlbare Sünder, ich sowieso", sagt er auf die Frage, ob er Fehler gemacht habe im Wahlkampf. Seine europakritischen Positionen seien immer klar gewesen, lange vor seiner Wahl zum Vize-Parteichef im vergangenen Jahr. "Wer die für falsch hält, darf mich nicht wählen." Sich zu ändern, das habe er nicht vor, sagt Gauweiler - "sofern ich nicht umgebracht werde".

Dafür, dass praktisch jeder vor der Sitzung Befragte beteuert, es gebe keinerlei Personaldiskussion, sondern es gehe nur um Inhalte, wird also ziemlich viel übers Personal und dessen Verhalten geredet. Das bekommt auch Markus Ferber zu spüren. Der CSU-Spitzenkandidat bei der Europawahl hat in den vergangenen Tagen mit massiver Kritik an Seehofer die Debatte erst richtig angeheizt. Nun läuft er eher kleinlaut in die Nymphenburger Straße ein. "Wenn's a bisserl schwül wird, hilft ein Gewitter, dann sieht man wieder klar." Viel mehr will er nicht sagen. Um so deutlich wird Staatskanzleichefin Haderthauer, die den Seehofer-Kritikern einschärft: "Insofern müssen wir jetzt langsam höllisch aufpassen, dass wir nicht mit dem Hintern einreißen, was wir mühsam aufgebaut haben."

Die Partei hält durch, was vorab als Parole ausgegeben wurde

Gelassen schlendert Seehofers Vorgänger als Parteichef, Erwin Huber, heran. Er hatte mit einem Interview im "Spiegel" die Kritikwelle an Seehofer ausgelöst. "Ich erwarte eine offene und ehrliche Diskussion." Die sei wichtig, damit die Bürger nicht das Gefühl hätten, die Partei gehe auch nach einer Niederlage einfach zur Tagesordnung über.

Dann nimmt drinnen im schmucklosen Parteibau die Aufarbeitung ihren Lauf. Erst tragen externe Experten ihre Wahlanalysen vor, dann redet der Vorstand unter sich. In der Sitzung wird es offenbar weit weniger persönlich als zuvor. Viele bemängeln zwar, dass der Kurs der Partei im Europawahlkampf ein zu großer Spagat aus Unterstützung für und Kritik an der EU gewesen sei. Aber die Partei hält durch, was vorab als Parole ausgegeben worden war: keine personellen Konsequenzen.

Und Seehofer wird zum Abschluss richtig milde: Huber und Ferber hätten sich am Samstag "in einer Art und Weise eingelassen, dass es für einen Politikprofi nur als Signal der Verständigung verstanden werden konnte". Das Signal wolle er aufnehmen: "Sie haben sich mit in dieses Boot der Geschlossenheit gesetzt."