Stau durch Pendler Landräte wollen "S-Bahn-ähnlichen" Takt für Ostbayern

Der Regensburger Hauptbahnhof ist jetzt schon ein wichtiger Knotenpunkt für die Region.

(Foto: Hans Blossey/imago)
  • Die wachsende Zahl der Pendler bringt den Straßenverkehr im Großraum Regensburg regelmäßig zum Erliegen.
  • Dagegen wollen fünf Landräte aus Ostbayern nun etwas unternehmen. Sie setzen auf schnellere und effizientere Bahnverbindungen.
  • Ein echtes S-Bahn-Netz wäre allerdings teuer und dieses neu zu bauen, würde lange dauern.
Von Andreas Glas, Regensburg

Wer mal in Nepal war, der weiß, dass es dort Abenteuerlust braucht, um sich in öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewegen. Vor "großen Verzögerungen wegen unzureichender Infrastruktur" warnt das Auswärtige Amt. Trotzdem war es passend, dass die fünf Landräte neulich in einem Nepal-Tempel vor die Presse traten, um einen S-Bahn-Takt für den Ballungsraum Regensburg zu fordern. Die Tempelanlage war Attraktion auf der Expo 2000 in Hannover, heute steht sie in Wiesent im Kreis Regensburg. Die Gemeinde Wiesent wiederum kennt man aus den Verkehrsnachrichten, denn rund um die A 3-Abfahrt Wörth-Wiesent ist sehr oft Stau. Die Tempelruhe ist der maximale Kontrast zum Autobahnstress - und genau das wollen die Landräte aus Regensburg, Schwandorf, Kelheim, Cham und Neumarkt in der Oberpfalz ja erreichen: den Verkehr im Großraum Regensburg zur Ruhe bringen, schneller und effizienter machen.

"Wir merken, dass die Straße eng wird. Deswegen brauchen wir einen noch besser getakteten Schienenverkehr", sagt Chams Landrat Franz Löffler (CSU). Er und seine Kollegen sprechen bewusst nicht von einer S-Bahn, sondern vom "S-Bahn-ähnlichen Betrieb". Ihnen schwebt vor, die bestehenden Bahngleise zu nutzen, um ihre Landkreise besser an Regensburg anzubinden. Sie fordern "mindestens einen durchgängigen 30-Minuten-Takt auf den fünf Schienenstrecken" nach Regensburg - von 6 bis 21 Uhr. Ein echtes S-Bahn-Netz wäre teuer und dieses neu zu bauen, würde lange dauern. Da der Verkehr in und um Regensburg rasant zunimmt, "brauchen wir Antworten, die in realistischer Zeit umsetzbar" und bezahlbar sind, sagt Löffler.

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Erst vergangene Woche hatte der Regensburger Stadtrat für den Neubau einer Straßenbahn im Stadtgebiet gestimmt. Fast 250 Millionen Euro soll das kosten, man rechnet mit bis zu 80 Prozent Zuschüssen von Bund und Land. Es ist das wohl ehrgeizigste Projekt seit Jahrzehnten in Regensburg. Und es ist bitter nötig: Die Stadt wächst und wächst. Mehr Leute, mehr Autos, mehr Staus. Das hat auch mit den vielen Berufspendlern zu tun, die täglich aus den Umlandkreisen nach Regensburg pendeln. Deswegen, sagt Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler), dürfe der Freistaat bei der Verkehrsförderung "nicht nur auf die Metropolen schauen, sondern auch auf Regionen wie Regensburg". Sie findet: Wenn der Freistaat sich mit einer Milliardensumme am Bau der zweiten Münchner S-Bahn-Stammstrecke beteilige, "müssen auch mal ein paar Millionen in die Region Regensburg gehen".

Das Forderungspapier ist nur drei Seiten lang, doch den Landräten scheint es ernst zu sein. Auch Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) hat das Papier unterschrieben. Heutzutage müsse der Anspruch sein, dass für Pendler "Entfernungen von 100 Kilometern zu bewältigen sind", sagt Chams Landrat Löffler. Neben denen, die nach Regensburg hineinfahren, gehe es auch um jene, deren Arbeitsweg aus dem Raum Regensburg hinaus ins Umland führt. Insgesamt leben mehr als 700 000 Menschen in Regensburg und den fünf Umlandkreisen.

Den Aufwand für das Bahnprojekt halten die Landräte für überschaubar. Auf einigen Strecken gibt es schon jetzt einen 30-Minuten-Takt - nur eben nicht überall und durchgehend von 6 bis 21 Uhr. Sicher wären mehr Züge nötig, sagt Chams Landrat Löffler. Zudem müssten an einigen Streckenabschnitten wohl längere Ausweichstellen gebaut werden. Natürlich könne man "nicht heute etwas fordern und morgen wird gebaut", sagt Löffler. Dennoch halten es die Landräte für realistisch, dass 2024 die ersten Züge im S-Bahn-Takt fahren. Er glaube, "dass das relativ schnell umsetzbar wäre", sagt etwa Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling (CSU).

Auch die Schwandorfer Pendler brauchen oft Geduld, wenn sie in der Früh über die A 93 nach Regensburg fahren. Der Pfaffensteiner Tunnel "ist unser Nadelöhr", sagt Landrat Ebeling. Und auf der A 3 in Richtung Straubing und Passau herrschte schon Dauerstau, bevor nun der sechsspurige Ausbau zwischen dem Kreuz Regensburg und Rosenhof begonnen hat. Mit Blick auf den geplanten S-Bahn-Takt sagt Ebeling: "Jeden, den wir dazu bewegen können, dass er umsteigt, der entlastet die Straßen und trägt zur Verbesserung der gesamten Verkehrssituation in und um Regensburg bei."

Nun liegt es am Freistaat und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), über die Idee der fünf Landräte zu entscheiden. Eine Stellungnahme gibt es noch nicht, aber Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) "ist da sehr offen", glaubt Kelheims Landrat Martin Neumeyer (CSU). Wie viel das Projekt kosten würde, wisse noch keiner, sagt Neumeyer, "das dauert noch ein bisschen." Und dann ist da ja noch die Idee, die geplante Regensburger Straßenbahn irgendwann aufs Umland auszudehnen. Dass Züge aus den umliegenden Landkreisen einfach auf Straßenbahnschienen im Stadtgebiet weiterfahren, "das wäre natürlich die Idealvorstellung", sagt Schwandorfs Landrat Ebeling.

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