Sanierung Regensburg bekommt seine Steinerne Brücke zurück

Mit einem neuen Belag aus Granitsteinen präsentiert sich die Steinerne Brücke. Ob er auch gut aussieht, darüber wird gestritten. Praktisch für Fußgänger, Radler oder Rollstuhlfahrer ist das Pflaster allemal.

(Foto: Johannes Simon)
  • Etwa 20 Millionen Euro hat die Sanierung der Steinernen Brücke in Regensburg gekostet.
  • Nun wird die älteste Brücke Deutschlands offiziell wieder eröffnet.
  • Durch das Bauwerk wurde Regensburg im Mittelalter eine sehr reiche und einflussreiche Stadt.
Von Andreas Glas

Man könnte mit der Vergangenheit beginnen. Nur wer die Geschichte kennt, kann dieses Bauwerk begreifen. Aber fühlen? Wer die Faszination der Brücke fühlen will, muss sich nur treiben lassen, im Hier und Jetzt. Die Steinerne Brücke ist wie ein Magnet. Früher oder später zieht sie jeden an, der sich in Regensburg treiben lässt. Die Brücke quert nicht bloß einen Fluss. Sie hat eine Anziehungskraft, die fast 900 Jahre überspannt.

Die Jahninsel ist ein guter Ort, um dieser Kraft nachzuspüren, vor allem an Sommerabenden. Sie liegt unter der Steinernen Brücke, zwischen den Armen der Donau, auf halber Strecke zwischen Altstadt und Stadtamhof. Der Fluss trennt die zwei Stadtteile, die Brücke verbindet sie. Auf der Insel sitzen Menschen unter Bäumen, stecken ihre Füße ins Wasser, grillen, ratschen, lachen. Und schauen sie rüber, zur Altstadtfront, sehen sie noch mehr Menschen, die auf den Steinen der Kaimauer in der Sonne sitzen. Der Kai ist lang, doch je näher die Brücke, desto enger drängen sich die Leute. Die Brücke reißt die Regensburger förmlich an sich.

Brauchtum und Geschichte Regensburg diskutiert über neues Museum und Brückenbelag
Oberpfalz

Regensburg diskutiert über neues Museum und Brückenbelag

Es sollte eine Party werden: Erstmals öffnet das Museum der Bayerischen Geschichte seine Türen und die Steinerne Brücke wird wieder eröffnet. Doch der Bodenbelag passt nicht allen.   Von Andreas Glas

Wenn vom Wahrzeichen der Stadt die Rede ist, dann ist das nicht immer eindeutig. Dom oder Steinerne Brücke? Peter Bächer, 63, hat einen Favoriten. Er würde die Brücke "an die Eins stellen". Sein Argument: Ist auf Postkarten "nur die Brücke abgebildet, weiß man sofort, dass das Regensburg ist. Den Dom braucht man da eigentlich gar nicht". Wer frech ist, könnte auch sagen: Einen Dom gibt es in mehreren Städten. Die Steinerne Brücke ist einzigartig. Sie ist die älteste, noch weitgehend erhaltene Brücke Deutschlands.

"Die Brücke zieht die Leute zu Recht an", sagt Bächer. Er ist Leiter des Tiefbauamts, begleitet seit fast acht Jahren die Sanierung der Steinernen Brücke. Nun wird sie wiedereröffnet, jedenfalls offiziell. Bis die letzten Arbeiten getan sind, kann es noch einige Monate dauern. Doch am Sonntag verschwinden die Bauzäune, die jahrelang immer wieder Abschnitte der Brücke versperrt hatten. Dann müssen die Regensburger nicht mehr auf einen Behelfssteg ausweichen, um den Fluss zu queren. Nach Jahren der Entbehrung dürfen sie ihre Brücke wieder überschreiten, von Anfang bis Ende.

Damals, 1146, waren es zwei Gockel und ein Hund, die die Brücke nach ihrer Fertigstellung als Erste überquerten. So geht eine Version dieser Legende: Der Dombaumeister wettete mit dem Brückenbaumeister, dass der Dom zuerst fertig wird. Als der Dom wuchs und wuchs, ging der Brückenbaumeister einen Pakt mit dem Teufel ein. Der Teufel versprach ihm Hilfe und forderte im Gegenzug die ersten drei Seelen, die über die neue Brücke marschieren. Der Plan ging auf, die Brücke wurde zuerst fertig, doch der Brückenbaumeister trickste den Teufel aus. Statt Menschen auf die Brücke zu schicken, jagte er Gockel und Hund drüber. Aus Rache wollte der Teufel die Brücke aus ihrem Fundament heben. Es gelang ihm nur in der Mitte - weshalb die Brücke dort einen Buckel macht und höher ist als an ihren Enden.