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Junge Serien aus Bayern:Spatzl, schau wie i schau

Serienhits wie "Monaco Franze" oder "Die schnelle Gerdi" sind zeitlos gut. Aber auch neuere Serien aus Bayern bieten großes Sehvergnügen.

Von Josef Grübl

Wenn die Zuschauer von heute nach ihren Serienlieblingen von gestern befragt werden, schwärmen viele vom Monaco Franze oder Sir Quickly, von der schnellen Gerdi oder Oma Häusler - zumindest wenn sie in Bayern fernsehsozialisiert wurden. Wenn die Zuschauer von morgen ihre Lieblinge von heute benennen sollen, könnten Namen wie Charlie Menzinger oder Alfons Zischl, Gedeon Winter oder Lou, Eve, Mel und Tati fallen. Diese Figuren stehen im Mittelpunkt neuer bayerischer Serien; ob sie eine ähnliche Strahlkraft entwickeln wie Monaco Franze, Irgendwie und sowieso, Die schnelle Gerdi oder Münchner Geschichten (zu denen die oben genannten Figuren gehören) wird sich noch zeigen.

Der Beischläfer

Immerhin nehmen sie es augenzwinkernd mit ihren Vorgängern auf: "Das ist so ein richtiger Monaco Frank", sagt eine aus Berlin zugezogene Richterin in Der Beischläfer - und meint damit den Titelhelden dieser sechsteiligen Amazon-Serie. Doch Charlie Menzinger (angenehm zurückhaltend gespielt vom Kabarettisten Markus Stoll alias Harry G) ist kein Stenz, auch wenn der Titel es vermuten lässt. Als Beischläfer bezeichnet man in Justizkreisen Schöffen am Gericht - und ein solcher ist Charlie auch, zwar nicht ganz freiwillig, dafür aber mit viel Gerechtigkeitssinn. Die von Murmel Clausen und Mike Viebrock geschriebene Serie setzt auf sympathische Charaktere, skurrile Rechtsfälle und viel Münchner Lokalkolorit. Mit den Serienklassikern von Helmut Dietl kann sie es zwar nicht aufnehmen (das dürfte aber keiner ernsthaft erwartet haben), dafür kommt diese neue Serie zu harmlos und glatt daher.

Hindafing

Sehr viel verdorbener zeigt sich da schon der Provinzpolitiker Alfons Zischl in der BR-Serie Hindafing, die man aktuell bei Netflix sehen kann: In der ersten Staffel ist der von Maximilian Brückner gespielte Zischl Bürgermeister des titelgebenden Dorfs, in der zweiten Staffel sitzt er als Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Mit politischem Gespür oder gar Talent hat das nichts zu tun: Dieser Volksvertreter entpuppt sich als korrupter und koksender Albtraum, was für sein Umfeld nicht schön, für die Zuschauer aber umso vergnüglicher ist.

Der Pass

Ein wunderbares Ekel verkörpert auch Nicholas Ofczarek in der Thriller-Serie Der Pass. Darin suchen eine Berchtesgadener Kommissarin (Julia Jentsch) und ein Inspektor aus Salzburg an der verschneiten Landesgrenze nach einem Mörder. "I bin da good cop", sagt Ofczarek alias Gedeon Winter, auch wenn sein Verhalten nicht darauf schließen lässt. Das macht viel Freude, die bayerisch-österreichische Koproduktion von Sky wurde gerade eben für vier Deutsche Fernsehpreise nominiert.

Servus Baby

Ebenfalls eine große Freude und trotzdem ganz anders ist die vierteilige BR-Serie Servus Baby: Lou, Eve, Mel und Tati sind vier Münchnerinnen um die 30, ihre Liebes- und Lebensabenteuer sind schräg und spaßig, es geht um Selbstoptimierung, Spermaraub und Stripsoccer. Die Serienerfinderin Natalie Spinell hat bereits vier neue Folgen abgedreht, diese sollen bald im BR zu sehen sein.

Die Wartezeit kann man auch sehr gut in der BR Mediathek verbringen: Dort sind derzeit die Serienklassiker Irgendwie und sowieso, Meister Eder und sein Pumuckl oder Fast wia im richtigen Leben abrufbar. Bayerischer geht's nicht.

Der Beischläfer, bei Amazon Prime Video, Hindafing, bei Netflix und als DVD, Der Pass, bei Sky und als DVD, Servus Baby, ab Ende August in der BR Mediathek.

© SZ vom 10.06.2020

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