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Prozess in Schweinfurt:Zweieinhalb Jahre Haft für 406 zerkratzte Autos

Prozess um zerkratzte Autos

Mit Schraubenziehern und anderen spitzen Gegenständen hat sich ein 26-Jähriger immer wieder an Autos zu schaffen gemacht. (Symbolbild)

(Foto: dpa)
  • Ein Student ist in Schweinfurt wegen Sachbeschädigung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden.
  • Allein in einer Nacht demoliert der 26-Jährige nach Erkenntnis der Staatsanwaltschaft mehr als 300 Fahrzeuge.
  • Monatelang suchte die Polizei in Franken nach dem nun verurteilten Autokratzer.

Mehr als 400 zerkratzte Autos in Schweinfurt, Würzburg und einem Nachbarort gehen auf das Konto eines einzigen Mannes. Am Freitag verurteilt ihn das Landgericht Schweinfurt dafür zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. In einer Münchner Tiefgarage brennen mitten in der Nacht Autos. Rund um den Hamburger Flughafen beschädigen Unbekannte weit mehr als 200 Fahrzeuge. Bundesweit wird "des Deutschen liebstes Kind" immer wieder zum Ziel von Attacken.

"In der Stadt passiert das deutlich häufiger als im ländlichen Bereich", sagt Polizeisprecher Michael Zimmer vom Polizeipräsidium Unterfranken. Etwa jeder fünfte Fall werde im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums aufgeklärt. "Die Dunkelziffer ist aber immer noch relativ hoch." Ziehen Betrunkene nachts umher und treten Autospiegel ab, seien sie beispielsweise dank Kameras schnell ermittelt. Kniffliger werde es, wenn der Täter an vielen Orten zuschlage oder kein persönliches Motiv dahinterstehe, erläutert Zimmer.

Monatelang suchte die Polizei etwa nach dem am Freitag verurteilten Autokratzer. Allein in einer Nacht demoliert der 26-jährige Student nach Erkenntnis der Staatsanwaltschaft mehr als 300 Fahrzeuge. Schließlich hilft eine Anwohnerin der Sonderkommission "Lackkratzer". Als sie im April 2018 in der Nacht Kratzgeräusche hört und aus einem Fenster blickt, sieht sie einen Mann Motorhauben und Türen zerkratzen. Beamte können ihn unweit davon quasi auf frischer Tat festnehmen - er hat eine Schraube dabei.

Das Landgericht Schweinfurt sieht es nach 24 Verhandlungstagen und der Vernehmung von mehr als 400 Zeugen als erwiesen an, dass er insgesamt 406 Autos mit einem spitzen Gegenstand zerkratzte und dabei einen Schaden von rund 440 000 Euro anrichtete. Zu seinem Motiv wird zunächst nichts bekannt. Im Prozess verweigert der Mann die Aussage. Auch eine verminderte Schuldfähigkeit sieht der Richter nicht. Ein psychiatrischer Gutachter stellt keine Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Täters fest.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihm zunächst sogar vorgeworfen, 642 Autos zerkratzt und damit einen Schaden von knapp einer Million Euro verursacht zu haben. Gegen Ende des Prozesses ging sie von fünf Serien zwischen Februar und April 2018 und knapp 663 000 Euro Schaden aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Az. 5 Js 4541/18)

© SZ vom 04.04.2020/lfr
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