Schneechaos am Alpenrand "Diese bayernweite Solidarität freut mich besonders"

In der Kreisstadt Traunstein, die auf knapp unter 600 Höhenmetern liegt, schippen Feuerwehrleute aus dem nördlich von München gelegenen Landkreis Freising Dächer einer kirchlichen Betreuungseinrichtung frei: Sie sind um 5 Uhr aufgestanden und fahren am Abend wieder nach Hause, erzählen sie. Selbst aus Eichstätt und aus Oberfranken sind ehrenamtliche Helfer angerückt, um anzupacken, sagt Michael Reithmeier, Pressesprecher des Landratsamts Traunstein: "Diese bayernweite Solidarität freut mich besonders."

In Reithmeiers Behörde ist das Lagezentrum eingerichtet, von hier werden alle Einsätze zentral koordiniert: Welche Straßen werden gesperrt? Welche zuerst geräumt? Wo müssen Lawinen gesprengt werden? Wo werden Freiwillige eingesetzt? Welchen Menschen muss ärztlich geholfen werden? All das müssen die Helfer entscheiden. Ein Kommunikationswagen ist vor der Behörde im Innenhof geparkt, innen löffeln müde Helfer Gulaschsuppe, ein Bundeswehr-Hauptmann schreitet vorbei, das Handy am Ohr. Die Stimmung ist gut, man ist froh, dass bislang kein Mensch im Landkreis zu Schaden kam.

In Traunsteins Innenstadt türmt sich der Schnee zum Teil meterhoch.

(Foto: Oliver Das Gupta)

Traunsteins Innenstadt selbst quillt regelrecht über von den Schneemassen. Auf vielen Gehwegen ist kein Durchkommen, Abbiegespuren sind nicht mehr existent, Parkplätze gibt es kaum, weil dort die Räumdienste den Schnee hingeschoben haben. Auf dem Stadtplatz türmt sich der Schnee mitunter vier, fünf Meter hoch. Das Zentrum gleicht stellenweise einer Abraumhalde. Vereinzelt klettern Kinder auf die neuen Gebirge. Immer wieder lugen Autospiegel unter Schneebergen hervor, gerade in Bahnhofsnähe. Wer hier vergangene Woche sein Auto abgestellt hat, um auf eine Reise zu gehen, sollte mit einem Klappspaten zurückkehren - oder den Urlaub deutlich verlängern.

Am Chiemsee denken sie bereits an die Schneeschmelze

Zehn Kilometer weiter, es geht bergab, Richtung Chiemsee. Chieming, auf 537 Höhenmeter gelegen, ein Dorf am Ostufer. Dort rollen graue Wellen gegen den Kiesstrand, nach ein paar Minuten im Freien brennt der Wind im Gesicht. Auch hier liegt viel Schnee, auch hier wurde geschippt und geräumt, die Turnhalle mit ihrem Flachdach ist sicherheitshalber gesperrt.

Aber doch ist es hier etwas anders. Es ist ein paar entscheidende Grad milder als in Traunstein und Maria Eck, der Schnee schmilzt deutlich an diesem Samstagnachmittag, auf dem Asphalt stehen Pfützen. Einige Einheimische denken schon an die kommenden Wochen. Daran, was im Ort passiert, wenn all der Schnee zu Wasser wird. "In einige Keller wird es das Wasser reindrücken", sagt ein pensionierter Lehrer. Einen positiven Effekt weiß er aber auch, und der hat mit dem im Dürresommer deutlich gesunkenen Wasserstand des Chiemsees zu tun: "Wenn der Schnee schmilzt, wird der Seepegel wieder kräftig steigen."

Härter und vor allem kälter waren die Winter aber früher schon, was sich ebenfalls auf den See auswirkte. Anfang der achtziger Jahre sei die Chieminger Buch häufiger zugefroren, erzählt der frühere Lehrer. Davon ist der Winter 2019 im Chiemgau noch weit entfernt.

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