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Alpenverein:Streit um Kurtaxe bei Berghütten

Die Albert-Link-Hütte oberhalb des Spitzingsees gehört zur Sektion München des DAV.

(Foto: mauritius images)

Weil die Gemeinde Schliersee für Hüttenübernachtungen Kurtaxe verlangt, hat die DAV-Sektion München einen Protestaktion gestartet. Der Zorn der Bergwanderer soll nun das örtliche Rathaus treffen.

Von Matthias Köpf, Schliersee

Wenn in den Bergen ein Gewitter heraufzieht, dann sind die Wanderer froh über Berghütten wie die Schönfeldhütte und die Albert-Link-Hütte oberhalb des Spitzingsees im Landkreis Miesbach. Zumindest im übertragenen Sinn grollt und grummelt es dort droben allerdings schon bald drei Jahre. Die Alpenvereinssektion München ist nämlich ziemlich geladen, weil die Übernachtungsgäste auf ihren beiden Hütten seit 2017 die gleiche Kurtaxe zahlen müssen wie die Touristen im Tal. Dabei kümmere sich die Sektion doch schon um insgesamt 14 Kilometer Wanderwege, heißt es auf 20 Schildern, die sie nun an genau diesen Wegen aufgestellt hat. Blitz, Donner und den Zorn der Bergwanderer will sie am liebsten über dem Rathaus drunten in Schliersee niedergehen lassen, gerne in Form von E-Mails an rathaus@schliersee.de.

Diese Adresse empfiehlt die Sektion auf den neuen Schildern für Protestmails. "Gepflegte Bergwege Ja! - Doppelbelastung Nein!" steht außerdem auf den Schildern, und der höhengerecht geduzte Bergfreund wird in Fettdruck gefragt, ob er denn wisse, "dass die Sektion München jetzt auch noch Kurtaxe an die Gemeinde Schliersee für den Unterhalt der Infrastruktur im Tal bezahlen soll". Zwei Euro verlangt die Gemeinde pro Nacht für Erwachsene, Kinder zahlen je nach Alter die Hälfte oder gar nichts.

Bei zehn Euro Übernachtungspreis im Matratzenlager seien zwei Euro aber ein stolzer Anteil, rechnet Markus Block als Öffentlichkeitsarbeiter der DAV-Sektion vor. Bei jährlich rund 11 000 Übernachtungen auf beiden Hütten kämen etwa 20 000 Euro Kurtaxe zusammen - Geld, das die Sektion viel lieber in den Unterhalt der Bergwege stecken würde, statt es der Gemeinde weiterzureichen. Dabei gehe es nur um die Wege, denn für ihr "Haus Spitzingsee" führe die Sektion die Kurtaxe bereitwillig ab. Dieses Haus ist formell eine Selbstversorgerhütte, darf mit 91 Schlafplätzen als stattlicher Beherbergungsbetrieb gelten. Es liegt direkt am Spitzingsattel und damit nicht inmitten des Wegenetzes, das die Sektion betreut. Die ebenfalls vergleichsweise große Albert-Link-Hütte mit ihren 65 Schlafplätzen und die etwas kleinere Schönfeldhütte mit 36 Übernachtungsgelegenheiten allerdings seien rein von sektionsgepflegten Wegen umgeben.

An einem dieser Wege, nämlich an der äußerst frequentierten Route vom Taubenstein Richtung Rotwand, wären laut Block dringend Arbeiten für etwa 55 000 Euro nötig, doch diese Maßnahmen hat die Sektion im Streit mit der Gemeinde schon seit einer Weile zurückgestellt. Man habe zuletzt bewusst die Kommunalwahl im März abgewartet und sich mit dem eigenen Anliegen an den neuen Gemeinderat gewandt, sagt Block. Zurückgekommen sei aber nicht die erhoffte Einladung zu einer Ratssitzung, sondern nur ein unbefriedigender Brief des Kurdirektors. Die neuen Protestschilder darf der Bürgermeister jetzt als weitere Eskalationsstufe betrachten.

Bei Franz Schnitzenbaumer (CSU) sind noch nicht viele Protestmails angekommen, doch die Schilder sind ja ganz neu. Im Gegensatz zur Kurtaxen-Kontroverse. Die gibt es schon, seit der Gemeinderat vor ein paar Jahren beschlossen hat, die Kurtaxe nicht mehr nur im Tal und in den Hotels direkt am Spitzingsee zu verlangen, sondern einheitlich im gesamten Gemeindegebiet einschließlich der Hütten. Denn auch deren Gäste könnten die Infrastruktur der Gemeinde wie den kostenlosen Bus hinauf zum Spitzingsee nutzen, sagt Schnitzenbaumer. Dies habe man der Sektion schon in mehreren Gesprächen erläutert. Außerdem müsse ja nicht die Sektion die Kurtaxe zahlen, sondern die einzelnen Gäste, sagt der Bürgermeister und lässt auch das Argument der Gegenseite nicht gelten, dass diese Gäste überwiegend Sektions- oder zumindest DAV-Mitglieder seien, die mit ihren Beiträgen schon für die Wege aufkämen.

Für den Wegebau wiederum erhalte der Alpenverein - und nur der Alpenverein - hohe staatliche Zuschüsse. Wenn die Münchner Sektion, eine der größten überhaupt im DAV, nicht im Stande sei, mit den Beiträgen ihrer vielen Mitglieder und dem Geld vom Staat die Wege im Spitzinggebiet zu unterhalten, "dann sollen sie's halt uns geben, dann machen es wir", schimpft Schnitzenbaumer. Die Gemeinde pflege mit allen anderen Sektionen ein sehr gutes Einvernehmen und helfe fallweise gern mit Material und Bauhofleistungen. Nur in der Sektion München führten sich bestimmte Funktionäre auf "wie ein kleines Kind". Der nächste Blitz folgt bestimmt.

© SZ vom 12.08.2020/tah
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