Energieversorgung:Unternehmen will Erdgas fördern

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Unter der oberbayerischen Gemeinde Reichling werden schon seit den Achtzigerjahren größere Lagerstätten vermutet. Inzwischen könnte sich deren Ausbeutung wieder lohnen.

Von Matthias Köpf, Reichling

Sogar drei Bohrlöcher wären schon da. Der Ölmulti Mobil hat sie Anfang der 1980er-Jahre in die Tiefe getrieben, aber dann bald wieder verfüllt, nachdem die Öl- und Gaspreise eingebrochen waren. In Bayern fossile Energieträger zu fördern schien lange und gleich in mehrerlei Hinsicht der Vergangenheit anzugehören. Doch angesichts von Ukrainekrieg und Energiekrise wird ganz neu kalkuliert. Und so will das Berliner Unternehmen Genexco nun das 40 Jahre alte Mobil-Projekt in der Gemeinde Reichling im oberbayerischen Landkreis Landsberg wieder aufnehmen und dort Erdgas fördern. Das bayerische Wirtschaftsministerium hat ihm dafür jetzt die Explorationserlaubnis erteilt.

Diese Lizenz berechtigt noch nicht zum neuerlichen Bohren oder gar zum Fördern, dazu sind weitere Genehmigungen nötig. Aber sie sichert dem Unternehmen die Rechte an dem Fördergebiet. 300 bis 400 Millionen Kubikmeter Erdgas vermutet Genexco dort in rund drei Kilometern Tiefe. Trotz der großen Zahlen ist diese Menge im Vergleich zum jährlichen Verbrauch in Bayern verschwindend gering. Wirtschaftlich lohnen könnte sie sich mittlerweile trotzdem.

In Reichling will sich der Geologe und Genexco-Gründer Eckhard Oehms auf die Vorarbeit der Mobiler stützen, die schon seismische Messungen und die drei Bohrungen vorgenommen hätten und mit zweien davon auf Gas gestoßen seien. Die Löcher ließen sich demnach wohl teilweise neu nutzen - eines womöglich gleich für die Energiegewinnung per Geothermie, die beiden anderen erst nach Ausbeutung des Gasvorkommens in etwa zehn Jahren.

Man unterstütze die Suche nach heimischem Erdgas, auch wenn die restlichen Vorkommen im Alpenvorland wohl relativ begrenzt seien, heißt es von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW). Für ihn ist Erdgas "die entscheidende Technologie, um den Wandel von Kohle und Atom zu den Erneuerbaren zu überbrücken". Langfristig werde grüner Wasserstoff das Erdgas ablösen. Im südlichen Oberbayern gab es einst rund 60 Erdgasfelder, die aber längst als weitgehend ausgebeutet gelten. Kleinere Bohrprojekte in den vergangenen Jahren waren oft am Widerstand von Anwohnern gescheitert. In Holzkirchen im Kreis Miesbach soll sich bald der Gemeinderat mit einem Bohrvorhaben befassen.

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