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Stichwahl:Alles läuft auf Weber zu

OB-Kandidaten Eva Weber (CSU) und Dirk Wurm (SPD); beide werden in die Stichwahl gehen; Kommunalwahl 2020, Rathaus Augs

Die beiden OB-Kandidaten Eva Weber (CSU) und Dirk Wurm (SPD) stellen sich der Stichwahl in Augsburg am Sonntag.

(Foto: Imago)

In Augsburg geht die CSU-Kandidatin als Favoritin gegen SPD-Konkurrenten Dirk Wurm ins Rennen, der vor allem seine Verhandlungsposition verbessern will

Der CSU-Bezirksvorsitzende in Augsburg, Volker Ullrich, hat in dieser Woche schon erste Pflöcke eingerammt, was die Verhandlungen nach der Stichwahl am Sonntag anbelangt: Die CSU, schreibt er, sei die mit Abstand stärkste Kraft in der Stadt und leite daraus den Auftrag ab, die künftige Regierung zu gestalten. Eine Oberbürgermeisterin Eva Weber solle sich auf eine breite Mehrheit im Augsburger Stadtrat stützen können. Dass Eva Weber gegen Dirk Wurm gewinnt, ihren Kontrahenten von der SPD, daran zweifelt Ullrich überhaupt nicht.

Der Bundestagsabgeordnete steht damit nicht alleine da, in der Augsburger CSU verschwenden sie keinen Gedanken mehr daran, dass Weber verlieren könnte. Zu groß war der Unterschied nach der Auszählung am 15. März, mit 43,1 Prozent erhielt sie mehr als doppelt so viele Stimmen wie Wurm mit 18,8 Prozent. "Wir gehen mit deutlichem Vorsprung ins Rennen, weshalb ich mir ganz gute Chancen ausrechne", sagt Weber. Weshalb in der Stadt auch gar nicht mehr groß über den Ausgang der Stichwahl, sondern eher über Bündnisse nach der Wahl diskutiert wird. SPD-Kandidat Wurm gibt sich zwar kämpferisch: "57 Prozent der Stimmen sind noch zu vergeben. Ich versuche, sie zu holen." Aber er gibt auch offen zu, dass ihm ein gutes Ergebnis helfen würde, wenigstens gestärkt in die Verhandlungen über Mehrheitsbildungen gehen zu können.

Eigentlich aber sind beide OB-Kandidaten gar nicht mehr so richtig im Wahlkampfmodus, sie sind wegen Corona in ihren Ämtern gerade anders gefordert: Wurm ist als Ordnungsreferent zuständig, die Ausgangsbeschränkungen durchzusetzen und die Gesundheitsversorgung für die nächsten Wochen in Augsburg zu gewährleisten. Weber ist als Wirtschaftsreferentin täglich am Telefon, um Existenzängste von Händlern, Geschäftsleuten und überhaupt vielen Bürgern abzufedern. Wurm führt noch Wahlkampf, indem er täglich von 17 bis 18 Uhr eine Telefonsprechstunde abhält, viele Fragen drehen sich weniger um sein SPD-Programm als um Corona. Weber ist wie Wurm in sozialen Netzwerken präsent, am Dienstagabend hat sie sich 30 Minuten Zeit genommen, um in einem Livestream mit Ministerpräsident Markus Söder über die anstehende Stichwahl zu reden: Den Großteil der Sendung nahmen aber auch hier Fragen von Zuschauern zur Corona-Krise ein.

"Es ist den Menschen wohl gerade nicht so wichtig", sagt Wurm über die Wahl. Ein bisschen trommeln schadet aber trotzdem nicht, weshalb der SPD-Kandidat schon noch einmal betonen will, dass mit ihm "ein anderer Politikansatz" ins Rathaus einziehen würde: viel Bürgerbeteiligung sowie ein Plan für die Themen Bildung, Wohnen und Mobilität. Das sind die Themen, mit denen Wurm Weber schon vor dem ersten Wahlgang angegriffen hat. Er spricht sich für ein 365-Euro-Ticket aus, will bezahlbaren Wohnraum für die Mittelschicht schaffen und die maroden Augsburger Schulen auf Vordermann bringen. Den Radentscheid, für den in der Stadt gerade Unterschriften gesammelt werden, unterstützt die SPD.

Es sind Themen, die Weber bislang nicht besonders weh getan haben, sie werden es jetzt wohl angesichts des alles überlagernden Themas "Corona" auch nicht tun. Das Thema Bürgerbeteiligung hat die CSU-Kandidatin im Wahlkampf ebenfalls hochgehalten. Den Fahrradfahrern etwa kommt sie naturgemäß nicht so stark entgegen wie Wurm, beim Thema Klimaschutz ist sie allerdings äußerst umtriebig. Hier gibt es auch einige Gemeinsamkeiten mit den Augsburger Grünen. Die verbliebenen 57 Prozent der Stimmen zu holen, ist für Wurm also ein äußerst ambitioniertes Unterfangen, zumal die Grünen keine Wahlempfehlung ausgesprochen haben. Dass deren Spitzenkandidatin Martina Wild sich gut mit Weber versteht, ist in Augsburg kein Geheimnis.

Eva Weber, Tochter des früheren CSU-Staatssekretärs Alfons Zeller, wäre die erste Frau, die das Bürgermeisteramt in Augsburg bekleidet. Mit ihrem Team hat sie für die Stadtratswahl mit 32,3 Prozent das beste CSU-Großstadtergebnis in ganz Bayern erzielt; Wurms SPD dagegen hat nur noch neun Sitze im Stadtrat. Insofern hat Weber am Dienstagabend angekündigt, nach der Stichwahl Gespräche mit den Grünen als zweitstärkste Fraktion führen zu wollen, sie sehe da durchaus Schnittmengen. Das magere Ergebnis der SPD zeige deutlich, sagt sie, wie eine Koalition gefügt werden könne. Bislang regieren CSU und SPD in einem Bündnis mit den Grünen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass CSU und Grüne nach der Stichwahl unter Webers Führung ausloten, ob ein Zweierbündnis möglich wäre. Angesichts einer "breiten Mehrheit", die der Bezirksvorsitzende Ullrich in der Corona-Krise anstrebt, könnte es in Augsburg aber auch mit dem alten Dreierbündnis weitergehen.

© SZ vom 26.03.2020/vewo
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