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Nürnberg:Nasser Ahmed zum neuen SPD-Chef gewählt

Die SPD Nürnberg wählt Vorsitz neu

Der bisherige Parteivize Ahmed war als Favorit ins Rennen um den Vorsitz gegangen.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Der 32-jährige Politologe wurde mit deutlicher Mehrheit zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er wird dem linken Parteiflügel zugerechnet. In der Nürnberger CSU wird sein Aufstieg kritisch verfolgt.

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Mit deutlicher Mehrheit hat die Nürnberger SPD den 32 Jahre alten Politologen Nasser Ahmed zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Er setzte sich in einer Kampfkandidatur mit 126 zu 52 Stimmen gegen die Bundestagsabgeordnete Gabriela Heinrich durch. Der bisherige Parteichef Thorsten Brehm hatte nach der Niederlage bei der OB-Wahl nicht erneut um den Vorsitz kandidiert.

Der bisherige Parteivize Ahmed war als Favorit ins Rennen um den Vorsitz gegangen. Einen so klaren Vorsprung hatten ihm aber wohl die wenigsten Parteimitglieder zugetraut, immerhin war auch die 57 Jahre alte Gabriela Heinrich bislang stellvertretende Parteichefin in Nürnberg und bekleidet im Bundestag das Amt als stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Offenbar hatte Ahmed mit seiner Rede viele Delegierte des digital ausgetragenen Parteitags von sich überzeugen können.

Ahmed stellte sich vor als Kind eritreischer Einwanderer, die "als Nomaden aufgewachsen" und vor dem Bürgerkrieg aus dem Land in Ostafrika geflohen waren. Deutschland habe auf sie stets als "Sehnsuchtsort" gewirkt, in dem auch Kinder von Arbeitern oder Geflüchteten gute Aufstiegschancen hätten. Seine Eltern hätten den 1988 in Nürnberg geborenen Ahmed in der Gewissheit aufgezogen, dass es in ihrer neuen Heimat nicht darauf ankomme, wo man herkomme, sondern darauf, wie hart man arbeite. Ahmed nannte dies das "sozialdemokratische Aufstiegsversprechen". Die SPD habe gerade auch in Nürnberg dafür gekämpft. Dass er als erstes Mitglied seiner Familie habe studieren können, sei nicht zuletzt ein Ergebnis dieser Politik. Die SPD Nürnbergs sei "die größte und wichtigste Partei" der Stadt, sagte der promovierte Politikwissenschaftler vor den Delegierten.

Ahmed wird dem linken Parteiflügel zugerechnet. In seiner Rede forderte er die SPD auf, sich der Debatte "um deutliche Arbeitszeitverkürzung und bedingungsloses Grundeinkommen" zu stellen. In der Nürnberger CSU wird sein Aufstieg kritisch verfolgt, immerhin wird die Rathauskooperation von einer schwarz-roten Mehrheit getragen. Der bisherige SPD-Chef Brehm sagte, er befürworte die künftige Trennung von Spitzenämtern in Partei und Stadtratsfraktion. Als Parteivize wurden am Samstag die Parteihistorikerin Kerstin Gardill sowie Bernd Hampel gewählt, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Maxfeld.

© SZ.de/syn
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