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Partnerschaft:"Je mehr Arbeit, desto schwieriger wird's"

Ein Anruf bei Thorsten Benkel, Soziologe an der Uni Passau; er hat zu dem Männerüberschuss etwas zu sagen. Das Ungleichgewicht stellt er nicht infrage. Die Hauptursache sieht er in der starken wirtschaftlichen Ausrichtung Niederbayerns auf Industrie, Handwerk und Landwirtschaft, sprich auf Berufe, die eher von Männern ausgeübt werden. Außerdem blieben in Niederbayern viele Männer länger daheim im Elternhaus. Junge Frauen hingegen wanderten vermehrt ab, um zu arbeiten und zu studieren. Und: "Frauen wollen, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben, sich emanzipieren von ihrer Herkunft. Sie wollen auf eigenen Beinen stehen und nicht länger nur die wohlbehütete Tochter sein, die sie in ländlichen Regionen oft sind."

Für die Partnersuche sei dieses Ungleichgewicht durchaus problematisch. "Die realen Möglichkeiten für Männer, Sex zu haben, werden geringer. Weil aber besonders junge Männer vorgespielt bekommen, dass Sex Männlichkeit ausmacht, ist die Frustrationsquote dementsprechend hoch."

Auf dem Gäubodenvolksfest wirken die Männer eher heiter als frustriert, wofür vermutlich Goaßnmaßn, Rüscherl und andere alkoholische Getränke verantwortlich sind. Ein Männerüberschuss lässt sich auf Anhieb nicht feststellen. Abseits der Kamera spricht man also mit Michael, dem jungen Mann aus Otzing, ein offener, sympathischer Kerl - aber trotzdem frauenlos. Auf die Statistik angesprochen, wirkt er nicht sonderlich überrascht. In seinem Dorf sei die Auswahl an Frauen nicht groß, erzählt er. Und die wenigen, die da sind, hätten ein Problem, dass er so fleißig sei. Michael erzählt von einer unschönen Erfahrung: "Ich hab mit einer was gehabt und sie wollte furtgehen. Dann hat sie sich mords aufgeregt, weil ich noch mit dem Mähdrescher unterwegs war." So oder so ähnlich laufe das öfter. Nach der Aktion hat er die Sache beendet. Oder wie er es sagt: "I hob's dann weidaghaun."

Christina (l.) und ihre Freundin Nicole saßen auch auf der Single-Couch. Doch den Richtigen haben sie noch nicht gefunden.

(Foto: Privat)

Das mit der Arbeit ist ein Problem, das viele Männer hier teilen. Auch Moderator Rauschendorfer erzählt davon. Etliche Kandidaten, besonders die vielen Bauern, hätten in den Vorgesprächen darüber geklagt, dass die Frauen es nicht akzeptieren, wenn sie viel arbeiten oder einen Hof haben, den sie bewirtschaften müssen. "Ich hab hier ganz viele Männer kennengelernt, die nur Verständnis und Respekt bekommen wollen. Sie suchen gar nicht unbedingt nach einer Jungbäuerin, sondern nur nach Verständnis." Der 20-jährige Schreiner Maxi, der gerade von seinen Freunden mit Sprechchören auf die Couch genötigt wurde, sagt es so: "Es ist eh schon nicht einfach, eine Frau zu finden, aber je mehr Arbeit, desto schwieriger wird's."

Bleibt die Frage, wie die Frauen das mit dem Männerüberschuss sehen. Nehmen sie ihn überhaupt wahr? "Also ich hab bis jetzt noch keinen gefunden", sagt Melanie, 27, aus Pfaffenberg. "Die meisten trauen sich gar nicht, eine anzusprechen, wenn sie schön ist." Eva wiederum, die Jura-Hopfenkönigin 2018 aus Mittelstetten, sagt vor laufender Kamera das, was Männer wie Michael fürchten: "Am besten wäre es, wenn er viel Geld hätte und wenig Arbeit - damit wir viel saufen können." Ansonsten ist Evi ganz bescheiden: "Hauptsache der Charakter passt."

Über zu viele Männer jedenfalls klagen die Frauen auf der Single Couch nicht. Christina, 25, aus Pilsting, findet bloß nicht den richtigen. Sie sucht einen Mann mit Ausstrahlung, Modebewusstsein und Dreitagebart. "An Mo, der schee zamgricht is", sagt sie. "Er muass mi oschaun und i muass dahinschmelzen." Was das Problem ist? "Ich finde hier keine Männer, weil die extrem heimatverbunden sind. Die bleiben lange im Elternhaus und denken trotzdem, sie wären's." Dann verkündet sie noch, ihren Wohnsitz womöglich fest nach München zu verlegen.

Rauschendorfer weiß bislang nur von einigen Anfragen an seine Kandidaten, ein Pärchen hat sich offenbar noch nicht gefunden. Die Niederbayern aber haben sich als mutige Burschen präsentiert, die ihrem Glück auf die Sprünge helfen. In dieser Gegend Bayerns kann das vermutlich nicht schaden. Markus, 47, Werkzeugmacher aus Rain, hat für die Frauen ein Gedicht geschrieben: "I, da Markus, dat gern mei Herzblatt finden, um mei Single-Dasein zu überwinden", lautet daraus ein Vers. Dieser Jackpot ist noch zu haben.

© SZ vom 24.08.2019/syn
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