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Partnerschaft:Niederbayer, männlich, sucht

Lebkuchenherz  ohne Schrift Wiesn
(Foto: Veronica Laber (Bearbeitung: SZ))
  • In Niederbayern gibt es statistisch den größten Männerüberschuss in Westdeutschland.
  • Im besonders paarungswilligen Alter zwischen 20 und 44 Jahren kommen demnach auf 110 Niederbayern nur 100 Frauen.
  • Das ist laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln die höchste Männerquote aller Regierungsbezirke in Westdeutschland.

Michael ist startklar. Der Scheitel sitzt, die Lederhose passt, das Lächeln sieht süß aus. Also Kamera ab! "Servus, i bin da Michael, bin 20 Jahre alt und komme aus einem kleinen Dorf: Otzing nennt sich des." Was er beruflich macht? Industriemechaniker und bald Student, Maschinenbau. "Ma muass schließlich a weng schaung, wo ma bleibt in seinem Leben." Und wie soll die Traumfrau aussehen? "Ich bin eigentlich offen für alles", sagt Michael. "Sie darf Kurven haben, aber darf mich nicht erdrücken." Was noch? Charakter und schöne Augen. Passt. Moderator Klaus Rauschendorfer schickt sicherheitshalber noch hinterher: "Liebe Mädels, ich kann nur sagen: Der ist ein Jackpot."

So unkompliziert läuft das mit der Partnersuche auf der berüchtigten "Single Couch" am Straubinger Gäubodenvolksfest. Ein bisschen lächeln, ein paar Sätze über Träume und Traumfrau - und schon ist das Filmchen im Kasten. In den sozialen Netzwerken werden die Clips später meist tausendfach geklickt. Es wird darüber geredet, gelacht und gespottet. Die große Hoffnung der Kandidaten aber ist, dass sie irgendwer sieht und sich meldet. "Die Allermeisten suchen wirklich nach Liebe", sagt der Moderator.

Mit "die Allermeisten" meint Rauschendorfer vor allem: Männer. Von den 170 Singles, die er heuer auf der Couch interviewt hat, waren mehr als zwei Drittel männlich. Und das ist vermutlich kein Zufall. Niederbayern, und ganz besonders Straubing, hat einen gehörigen Männerüberschuss, wie die Zahlen des Landesamtes für Statistik belegen. Im besonders paarungswilligen Alter zwischen 20 und 44 Jahren kommen demnach auf 110 Niederbayern nur 100 Frauen; laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln ist das die höchste Männerquote aller Regierungsbezirke in Westdeutschland. Allein in Straubing kommen auf 100 Frauen 119 Männer zwischen 20 und 44 Jahren. In München sind es 100 Frauen auf 98 Männer. Rein statistisch wird jeder elfte Niederbayer nicht fündig, während die Frauen sich vor Angeboten kaum retten können. Theoretisch jedenfalls.

Zu beweisen wäre allerdings, ob sich dieses Ungleichgewicht tatsächlich bemerkbar macht auf der Suche nach Zuneigung. Als Anlaufpunkt würde sich Markt Arnstorf anbieten, die Gemeinde mit der sagenhaften Männerquote von 62,8 Prozent. Bürgermeister Alfons Sittinger aber wiegelt am Telefon ab. Es gebe da dieses große Unternehmen, das zahlreiche Monteure in der Gemeinde melde - daher die extrem hohe Quote. Die Reise geht deshalb nach Kirchdorf in der Hallertau, laut Statistik die Gemeinde mit dem zweithöchsten Männerüberschuss in Niederbayern. Auf 100 Frauen entfallen hier statistisch 140 Männer - das müsste doch schon jemandem aufgefallen sein. Vorbei an Hopfenfeldern und einer stattlichen Schreinerei geht es also ins Ortszentrum, in dem zunächst nur eine Katze zu sehen ist. Im Dorfladen lachen dann zwei Frauen laut los, als man sie auf den angeblichen Kirchdorfer Männerüberschuss anspricht. "Also ich hab drei Töchter", sagt eine von ihnen. Die andere kriegt sich vor Lachen gar nicht mehr ein.

Amor und Moderator Klaus Rauschendorfer (r.) im Gespräch mit Michael aus Otzing.

(Foto: Youtube)

Also zum Bürgermeister Alois Prantl, der auf dem Bankerl vor dem 300 Jahre alten Holzhaus sitzt, das als Gemeindezentrum dient. Herr Prantl, wie ist es denn nun mit dem Männerüberschuss in Kirchdorf? "Ich bin überrascht von den Zahlen", sagt der Bürgermeister, "aber irgendwie habe ich schon so ein Gefühl gehabt, dass es viele Junggesellen im Ort gibt." Am Stammtisch sei darüber gesprochen worden. Aber eine Erklärung? Hat der Bürgermeister nicht wirklich. Auch er sagt stattdessen: "Ich habe drei Töchter."

Dann eben die jungen Dorfbewohner fragen. Im Freizeitraum der Katholischen Landjugend sitzen Vorsitzender Matthias Weiß und Kassiererin Kristina Kindsmüller. "Das Verhältnis ist ausgeglichen", sagt die sofort, um alle Spekulationen zu beenden. Matthias Weiß - selbst vergeben - sagt, er kenne einige Alleinstehende, aber die seien schon älter. Eine Frau zu finden, macht er sehr deutlich, sei für Kirchdorfer kein Problem. Der Fußballverein, ein Kreisligist, habe zwei Damenmannschaften, obwohl die Ortschaft keine 1000 Einwohner zählt. Und auf der "Halligalli-Party", die der Verein alljährlich organisiert, sei das Verhältnis "ausgeglichen". Der junge Mann schaut verständnislos angesichts der seltsamen Fragerei.