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Nach Plagiatsvorwürfen:Scheuer will Doktorarbeit prüfen lassen

CSU-Vorstandssitzung

Ministerpräsident Horst Seehofer (links) soll CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer bei der CSU-Vorstandssitzung in München sein Vertrauen ausgesprochen haben.

(Foto: dpa)

Der Rückendeckung des Ministerpräsidenten ist sich der CSU-Generalsekretär sicher, als er vor die Presse tritt. Allerdings verkündet Andreas Scheuer nur, dass er seine umstrittene Doktorarbeit an der Karls-Universität zur Prüfung vorschlagen will. Doch die Uni hat längst mit den Vorbereitungen begonnen.

Energischer Schritt, ein breites Lächeln in Richtung der wartenden Journalisten. Jede Geste von Andreas Scheuer soll an diesem Montagmittag signalisieren: Die leidige Debatte um seine Doktorarbeit will der neue CSU-Generalsekretär hinter sich lassen.

Der Rückendeckung des Vorstandes und des Ministerpräsidenten Horst Seehofer ist er sich jedenfalls sicher, als er um 13.30 Uhr im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München vor die Presse tritt. Beifall habe es gegeben und keine Nachfragen zu seiner Doktorarbeit, berichtet Scheuer von der Vorstandsitzung der CSU am Vormittag.

Am Morgen hatte er die Medien noch für die große Berichterstattung kritisiert. Auf die Frage, ob er sich ungerecht behandelt fühle, sagte er: "Wenn man nachliest und die Sachen mehr als acht Jahre alt sind, dann wundert man sich schon über manche Darstellungen auf Titelseiten in epischer Breite." Nun will Scheuer selbst mit den Journalisten sprechen und hat spontan zur Pressekonferenz geladen. Als Medienschelte will er seine Äußerungen vom Vormittag jetzt nicht mehr verstanden wissen.

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Gerade einmal zehn Minuten dauert der Auftritt von Scheuer. Zehn Minuten, in denen er zur "Faktenlage in eigener Sache " Stellung nehmen will. Allerdings ist wenig neu an dieser Faktenlage, lediglich, dass Scheuer seine Arbeit an der Karls-Universität in Prag zur Prüfung vorschlagen will.

Zuvor hatte der Ombudsmann für die deutsche Wissenschaft, Wolfgang Löwer, solch eine Prüfung gefordert. Scheuer soll zumindest an einer Stelle für die Arbeit abgeschrieben haben. Am Montagmittag meldet sich auch die Karls-Universität in Prag zu Wort: "Herr Scheuer muss darum nicht bitten, denn wir haben mit den Vorbereitungen bereits am Freitag begonnen", sagt der Leiter des Instituts für politologische Studien, Petr Jüptner. Hierzu würden Unterlagen wie damalige Gutachten zusammengestellt. Die Universität strebe "maximale Transparenz" an.

Scheuer hat 2004 in Prag zum Thema "Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns" promoviert. Es handelt sich jedoch lediglich um ein in Tschechien mögliches "kleines Doktorat", das ihn nur in Berlin und Bayern zum Tragen eines allgemeinen Doktortitels berechtigt. Nach einem kritischen Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem Vorwurf des Plagiats hatte Scheuer am vergangenen Freitag erklärt, ganz auf das Tragen des Doktortitels zu verzichten.

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In München referiert Scheuer nun, dass die Rechtslage zum Tragen des kleinen Doktortitels in Bayern und Berlin eindeutig geregelt sei. Und er lebe nun mal in Bayern, habe seinen Wahlkreis im Freistaat und als Bundestagsabgeordneter sei sein Büro in Berlin. Nachfragen sind allerdings nicht unbedingt erwünscht.

Auf die Frage, ob ihm nicht schon vor Amtsantritt bewusst war, dass sein kleiner Doktortitel problematisch werden könnte, sagt er nur: sich Gedanken darüber zu machen, was gewesen wäre, wenn, das bringe nun auch keinen weiter. Dann ist sein Auftritt vorbei. Der nächste Termin warte schon. Scheuer verlässt den Saal sehr zügig, 20 Minuten bevor Seehofer ans Mikro tritt.

"Totale Unterstützung"

In der Vorstandssitzung am Vormittag soll sich der CSU-Chef den Teilnehmerangaben zufolge demonstrativ hinter den erst seit Dezember amtierenden Generalsekretär gestellt haben. Er habe Scheuer "volle Solidarität" und "volles Vertrauen" ausgesprochen. Einen gemeinsamen Auftritt vor der Presse gibt es allerdings nicht.

Überhaupt will Seehofer zum Fall Scheuer nicht mehr viel sagen. Lieber spricht er über andere Themen der Vorstandssitzung. Etwa über die Energiewende und die Europawahl. Erst zum Schluss widmet er sich kurz der Causa Generalsekretär und versucht ebenfalls, das Thema kleinzureden.

Seehofer betont noch einmal selbst, dass der gesamte Vorstand hinter Scheuers Vorgehen stehe: dass dieser den Titel "aus Praktikabilitätsgründen" nicht mehr trage, sei richtig. Ebenso die Entscheidung, die Arbeit in Prag nochmal zur Prüfung vorzulegen. "Ich bin keine Ermittlungsbehörde. Das ist die Universität", sagt Seehofer und betont: "Mein Generalsekretär hat meine totale Unterstützung."

(Mit Agenturmaterial der dpa und der AFP)