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Mitten in Bayern:Ein exotischer Reisetipp für 2018? Niederbayern!

Nebelschwaden im Bayerischen Wald

Ein idyllisches Reiseziel vor der Haustür: Niederbayern.

(Foto: armin weigel/dpa)

Zum Jahresbeginn sind Urlaubstipps von Fachleuten gefragt - und deren Geheimtipps lauten: Ostkirgistan, Westneuguinea, Mosambik - und Niederbayern.

Kolumne von Johann Osel

Ja, die Globalisierung mal wieder. Die Welt wird immer kleiner und man weiß am Ende gar nicht mehr, wohin man noch verreisen soll. Dankenswerterweise hat sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung Gedanken gemacht, "wo man im Jahr 2018 hinfahren sollte". Geheimtipps: Usbekistan, Kalkutta, Georgien und Mosambik.

Oder wie wäre es mit absolut Außergewöhnlichem? Exotische, kaum erforschte Weltgegenden gebe es, wo man noch undurchdringlichen Urwald, eingeborene Völker, wilde Riten und fremde Sprachen antreffe - Westneuguinea, die Lakadiven im Randmeer des Indischen Ozeans, Ostkirgistan. Und Niederbayern. "Irgendwo hinter Deggendorf, Dingolfing und Regen, dort, wo der Wald sich in der Weite Osteuropas zu verlieren beginnt." Flüge, Impfen, Visa brauche es dazu nicht, höchstens einen Dolmetscher.

Vielleicht ist das nicht so spöttisch gemeint, wie mancher Niederbayer prompt denken mag. Unwahr ist es nicht: Der Nationalpark Bayerischer Wald kann durchaus als undurchdringlicher Urwald durchgehen, von seiner Anmut ganz zu schweigen. Zitiert sei der Heimatkundler Adalbert Müller; die Schönheit der Region lasse sich "gar wohl mit manchem berühmten Alpenthale messen", hielt er Mitte des 19. Jahrhunderts fest.

Und etwa auf den Lusen kommt auch ein bergfremdelnder Preuße irgendwie hinauf, zur Erholung kann er sich dann in Bad Füssing in die Rentnerwaschanlage legen. Und die Eingeborenen mit ihren Riten? Ja mei, was in der "niederbayerischen Heimat Niederbayern" (gemäß Fredl Fesl) so stattfindet, das mag einem Auswärtigen tatsächlich nicht weniger kurios vorkommen als Brauchtum auf Westneuguinea.

Wenigstens wird in Niederbayern dabei nur manche Sau verspeist, auf dem Pichelsteinerfest in Regen ferner noch Eintopf - nie Menschen. Alles in allem haben die Journalisten wohl doch etwas übertrieben.

Womöglich lösen sie aber einen touristischen Schub aus, bereits zuletzt gab es Rekorde bei den Gästeankünften. Niederbayern werde nach dem Artikel komplett überlaufen - "das Rimini Deutschlands", unkte in der BR-Sendung "Ringlstetter" Co-Moderatorin Caro Matzko. Moderator Hannes Ringlstetter, in Straubing aufgewachsen, beschwichtigte. Er verwies auf das Wetter: "Neun Monate finster, zwölf Monate kalt - der Bayerische Wald".

© SZ vom 15.01.2018
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