Online-Petition Bayerische Schüler protestieren gegen Mathe-Abitur

Am vergangenen Dienstag haben die Abiturprüfungen in Bayern begonnen. Schon die zweite schriftliche Prüfung, das Mathe-Abi am Freitag, sorgt für Ärger.

(Foto: dpa)

Die Aufgaben seien unverhältnismäßig schwer gewesen. In einer Online-Petition fordern die Schüler nun, den Notenschlüssel anzupassen. Zehntausende Menschen haben schon unterschrieben.

Von Katja Auer

Bayerns Abiturienten protestieren gegen das ihrer Ansicht nach zu schwierige Mathematik-Abitur. Am Freitag standen die Prüfungen an, und seitdem ebbt die Empörung nicht mehr ab. Eine Online-Petition hatten bis Montagfrüh bereits gut 52 000 Menschen unterschrieben. Darin fordern die Schüler das Kultusministerium auf, den Notenschlüssel des Mathe-Abiturs zu senken und dem Schwierigkeitsgrad anzupassen. So einen Fall habe es schon gegeben, in Niedersachsen 2016. Die Klagen sind eindringlich, die Prüfung habe Aufgabenstellungen enthalten, "die vorher kaum einer gesehen hatte". Vor allem Geometrie und Stochastik seien zu schwer gewesen.

Nicht nur die Schüler melden sich zu Wort, auch Lehrer unterstützen das Anliegen. Etwa Bettina Cornean, die an einer Privatschule unterrichtet und ein eigenes Mathe-Nachhilfekonzept entwickelt hat. Mit diesem habe sie schon 150 Schüler durch das Mathe-Abitur gebracht, in diesem Jahr jedoch werde das wohl nicht funktionieren. "Es ist mir ein Rätsel, wie das Kultusministerium die Leistung der Schüler zur Glückssache machen kann", schreibt sie.

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Kritik kommt auch von Simone Fleischmann, der Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Ihrer Ansicht nach hätten die Abiturienten zu wenig Zeit bei der Bewältigung der Prüfungen gehabt. Diesen Eindruck teilten mehrere Lehrer, sagte sie. Es habe in einem Teil der Prüfung sehr viel, teils auch unnötigen Text gegeben. Fleischmann erklärte, dass es außerdem mehr Hürden in den Rechenaufgaben gegeben habe als in den Jahren zuvor. Selbst Mathelehrer hätten keine einzige Aufgabe im Kopf rechnen können, was bisher teilweise immer möglich gewesen sei. "Ich will diskutieren", sagte sie mit Blick auf die Debatte um den Schwierigkeitsgrad des Abiturs. "Aber nicht während der Prüfungen." Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, fordere sie eine Debatte über das Abitur-Niveau.

Auch die SPD im Landtag solidarisiert sich mit den Schülern. Die bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Simone Strohmayr, appellierte an das Kultusministerium, die Beschwerden der Schülerschaft ernst zu nehmen und die Aufgaben noch einmal gewissenhaft zu prüfen. "Wenn eine entsprechende Petition der Schülerinnen und Schüler innerhalb weniger Stunden Tausende Unterschriften sammelt, dann muss der Vorgang sehr ernst genommen werden", sagte Strohmayr.

Falls die Mathematik-Aufgaben tatsächlich deutlich schwerer gewesen seien als in den vergangenen Jahren, müsse das Ministerium Konsequenzen ziehen. Der Notenschlüssel müsse gesenkt und an den Schwierigkeitsgrad angepasst werden. Kultusminister Michael Piazolo (FW) kündigte am Sonntag eine Überprüfung der Aufgaben an. "Wir nehmen das natürlich ernst und werden das sorgfältig prüfen", sagte er. Am Montag sollten die Schulen nach ihrer Einschätzung zu den Aufgaben befragt werden, sagte ein Ministeriumssprecher. Dann würden die Hinweise von Experten überprüft. Vor dem Abitur habe es keine Anzeichen gegeben, dass die Prüfungen besonders schwer ausfallen sollten, sagte er.

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