Bodensee:Die Not mit der Notdurft

Lesezeit: 1 min

Bodensee: Lindau ist für seine prachtvolle Kulisse am Bodensee bekannt. Der neue Bahnhof muss sich den guten Ruf erst noch erarbeiten.

Lindau ist für seine prachtvolle Kulisse am Bodensee bekannt. Der neue Bahnhof muss sich den guten Ruf erst noch erarbeiten.

(Foto: Felix Kästle/dpa)

Der Fernverkehrsbahnhof Lindau-Reutin erhält öffentliche Toiletten - eineinhalb Jahre nach seiner Eröffnung. Nicht das einzige Ärgernis für Zugfahrer.

Glosse von Florian Fuchs

Es gibt im Internet die tollsten Rankings, alles wird eingeordnet und bewertet, natürlich auch Toiletten. Die ekligsten Bahnhofstoiletten sind ebenfalls als Übersicht vertreten, und da sollte es doch eine gute Nachricht für Lindau sein, dass der neue Fernverkehrsbahnhof Reutin in solch einer Liste nicht auftaucht. Im März 2020 ist der Bahnhof eröffnet worden, der den Fernverkehr am Bodensee schneller abfertigt und den Kopfbahnhof auf der Insel Lindau entlastet. Über eine Aufnahme in die Liste der ekligsten Bahnhoftoiletten Deutschlands wären die Fahrgäste in Reutin in den vergangenen eineinhalb Jahren aber wohl dennoch nicht traurig gewesen. Das würde ja bedeuten, dass es wenigstens welche gäbe.

Doch es gibt gute Nachrichten aus dem Stadtrat, berichtet die Lindauer Zeitung: Voraussichtlich von Freitag an stehen Toilettenhäuschen zur Verfügung, für Reisende natürlich, nicht für unseriöse Rankings im Internet. Kann nicht schaden für den ersten neuen deutschen Fernverkehrsbahnhof, der außerhalb Berlins seit 15 Jahren gebaut wurde, da sind sich Kommentatoren der guten Nachricht einig.

Die Stadt also richtet es nun, auf die Deutsche Bahn braucht in solchen Fällen niemand hoffen. Sie verweist bei Problemen mit Toiletten an Bahnhöfen gerne darauf, dass Zugreisende ja auch das Örtchen im Zug verwenden können. Längere Wartezeiten an Bahnhöfen oder gar Verspätungen und Zugausfälle kommen im Infrastrukturkonzept der Bahn offenbar nicht vor.

Auch der Aufzug funktionierte nicht so recht

Dabei sind die fehlenden Toiletten am Bahnsteig nicht das einzige Ärgernis der Reisenden gewesen. Bis vor Kurzem gab es immer wieder Probleme mit einem Aufzug, der mitten in der Fahrt stecken blieb oder gar nicht erst funktionierte. Vielfache Berichte zeugen davon, dass dann nicht einmal der Notdienst kam, sondern die Feuerwehr eingreifen musste, um Eingesperrte zu befreien. Das Signet "Bayern barrierefrei - Gefördert durch den Freistaat Bayern" hat sich der Bahnhof also redlich verdient. Verkehrsminister Christian Bernreiter hatte es erst im März persönlich vor Ort verliehen.

Der Defekt am Aufzug ist inzwischen gefunden, schuld war offenbar ein Wackelkontakt. Bald können Reisende also in Lindau-Reutin eine Toilette benutzen und gleich anschließend Aufzug fahren - und natürlich in den Zug steigen.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusWirtshäuser
:Im Bauch von Bayern

Das Wirtshaus ist ein Biotop der bayerischen Volkskultur, doch es trocknet aus. Würdigung einer Institution, die Unterhaltern und Revolutionären eine Bühne bot - und noch nicht verloren ist.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB