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Landshut in Corona-Zeiten:Bordell eröffnet Drive-through mit Stripperinnen

Striptease-Drive-through in Portland, Oregon, USA

In Portland, Oregon, gibt es bereits einen Strip-Drive-through.

(Foto: AP)

Der Betreiber will so "Ablenkung in schweren Zeiten" bieten. Doch auch hier geht nichts ohne Mindestabstand und Mundschutz für Cabriofahrer.

Sogar in den Freudenhäusern herrscht zurzeit Tristesse, die Corona-Krise hat auch die Lustbranche trockengelegt. "Und wir werden zu den Letzten gehören, die wieder öffnen dürfen", unkt Peter Baumgartner, der in Landshut ein Bordell namens "Lustra" betreibt. Weil er sich mit dem Nichtstun nicht länger abfinden will, wird Baumgartner am Wochenende im Hof seines Etablissements quasi als Novum in Europa einen "Strip-Drive-through" eröffnen.

Es ist ein weiteres jener Corona-Kreativprojekte, die in Landshut auf besonders fruchtbaren Boden fallen. Nach der Absage der Frühjahrsdult hatte der Gastronom Patrick Schmidt bereits vor Wochen ersatzweise einen Dult-Drive-in eingerichtet, bei dem man im Vorbeifahren Schmankerl wie Hendl und Steckerlfische mitnehmen konnte. Dieser Coup rief ein weltweites Medienecho hervor.

Beim "Strip-Drive-through" dürfen die Autofahrer am kommenden Freitag- und Samstagabend ebenfalls durch ein Zelt fahren. Der Durchfahrtsweg wird beiderseits von Podesten flankiert sein, auf denen Go-go-Girls im vorgeschriebenen Mindestabstand und im Rhythmus einer anregender Musik tanzen werden. "Das sind professionelle Tänzerinnen", stellt Baumgartner klar, also "keineswegs solche Damen, die sonst bei uns die Zimmer mieten". Als Star der von den städtischen Behörden abgesegneten Veranstaltung hat er das Erotikmodel Micaela Schäfer gebucht. Sie wird auch als DJ fungieren.

"Wir versuchen, uns gegenseitig zu unterstützen", sagt der ehemalige Eishockeyprofi Baumgartner, der beklagt, dass seine Branche leider oft nur mit Prostitution, Drogen und Kriminalität in Verbindung gebracht werde. "Dabei bieten wir doch auch Ablenkung in schweren Zeiten." Sein Betrieb ist wie alle Rotlichtbetriebe seit Monaten geschlossen. Das Erotikspektakel soll ein bisschen Geld in die sich leerenden Kassen spülen, aber auch der lähmenden Untätigkeit ein Ende setzen. "Wir sind alle froh, endlich wieder etwas machen zu können."

Mit einer Durchfahrtszeit von 15 bis 20 Minuten rechnet Baumgartner. Die Gäste müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Autos mit offenem Verdeck und Motorräder dürfen das Zelt nur passieren, wenn Fahrer und Beifahrer einen Mundschutz tragen. Ein Oldtimer-Club hat sein Erscheinen bereits angekündigt. Sollte das Projekt erfolgreich verlaufen, will Baumgartner vielleicht noch ein weiteres Wochenende dranhängen.

Vor acht Jahren geriet das "Lustra" bereits einmal mit einer spektakulären Aktion in die Schlagzeilen. Unter dem Motto "Puck powered by Puff" sicherte sich das Bordell als Sponsor des EV Landshut auf dem Trikot der Eishackler ein Logo mit rotem Schmollmund. Obwohl die Reaktionen in der Stadt geteilt waren, verkauften sich die Trikots hervorragend, wie sich Baumgartner erinnert.

© sz.de/imei
Salome Balthus

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