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Innere Sicherheit:Herrmann will mehr ausländische Polizisten einstellen

Internationale bayerische Polizei (v.l.): Fabio Simari, Mesrure Koldemir, Samir Ajdarpasic, Innenminister Joachim Herrmann, Aylin Erciyas und David Zekhariafamil.

(Foto: Katja Auer)
  • Innenminister Joachim Herrmann will mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln für die Polizei gewinnen.
  • Noch sind die Bewerberzahlen überschaubar, nahezu jeder Ausländer, der die Kriterien erfülle, werde auch genommen, sagt Herrmann.

Manchmal hilft es, wenn David Zekhariafamil Persisch spricht. Bei einer Schlägerei vielleicht, an der ein Iraner beteiligt ist. "Das wirkt deeskalierend", sagt er. Der 36-Jährige stammt selbst aus Iran, aus der Hauptstadt Teheran, aber schon als kleiner Junge wanderte er mit seinen Eltern nach Deutschland aus. Die Familie ist katholisch, für Christen wurde das Leben nach der Islamischen Revolution zunehmend schwierig.

Zekhariafamil wuchs in Berlin auf, dann in Dachau, längst hat er die deutsche Staatsangehörigkeit. Er studierte Politikwissenschaft, beschäftigte sich mit Extremismus. Den Frieden in Deutschland wisse er sehr zu schätzen, sagt er, und dass er selbst einen Beitrag leisten wollte. Ganz aktiv. Deswegen ist er doch kein Wissenschaftler geworden. Deswegen ist er zur Polizei gegangen.

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Innenminister Joachim Herrmann will mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln für die Polizei gewinnen. Sie hätten einen "direkteren Draht" zu Menschen mit Migrationshintergrund, sagte er am Montag in Nürnberg, das hätten die Erfahrungen gezeigt. "Ich erhoffe mir dadurch auch eine bessere polizeiliche Aufklärungsarbeit und Konfliktlösung."

Es sei wichtig, dass alle Bevölkerungsgruppen Vertrauen zur Polizei hätten. Schließlich würden oft Hinweise aus der Bevölkerung dazu führen, dass Verbrechen aufgeklärt würden. Also müssten die Bürger passende Ansprechpartner bei der Polizei finden.

1993 wurden zum ersten Mal zwei Ausländer eingestellt

Wie viele Beamte es gibt, die einen deutschen Pass, aber ausländische Eltern oder Großeltern haben, ist nicht erfasst. Wohl aber, dass 159 nicht-deutsche Polizeibeamte aus 19 Nationen in Bayern arbeiten. Für sie gibt es eine Ausnahmeregelung, die Herrmann gerne öfter anwenden würde. Eigentlich sind bestimmte Aufgaben im Staatsdienst, die Polizei zum Beispiel, deutschen Staatsangehörigen vorbehalten.

Allerdings sind Ausnahmen möglich und erwünscht. 1993 wurden zum ersten Mal zwei Ausländer eingestellt. Sind sie dann erst verbeamtet, gelten die gleichen Rechte und Pflichten wie für alle anderen. "Bei der Einstellung in den Staatsdienst sind allein Leistung, Eignung und Befähigung entscheidend", sagte Herrmann, das gelte für Deutsche wie für Migranten.

Fabio Simari hat sich während einer Berufsberatung an der Realschule für die Polizei entschieden. Mit 17 hat er den Einstellungstest gemacht, fünf Jahre später ist er immer noch hochzufrieden mit seiner Berufswahl. Simari ist Italiener, laut Pass zumindest, denn geboren ist er in Fürth und das hört man auch. "Meine Herkunft hat nie eine Rolle gespielt", sagt er und so hat er auch nie ernsthaft darüber nachgedacht, die deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen.

Er ist beim Unterstützungskommando Mittelfranken und auch oft etwa bei extremistischen Demonstrationen eingesetzt. Anfeindungen wegen seiner Herkunft hat er dabei noch nicht erlebt. "Wenn es Probleme gibt, dann liegt es nicht an meinem Hintergrund", sagt Fabio Simari.

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Noch sind die Bewerberzahlen überschaubar

17 Italiener sind unter den bayerischen Polizeibeamten, damit sind sie die zweitgrößte Gruppe, kurz vor Kroatien. Die meisten ausländischen Polizisten, 57, stammen aus der Türkei. Auch der Vater von Aylin Erciyas kommt daher, ihre Mutter aus Syrien, sie selbst ist Deutsche. Immer schon wollte sie zur Polizei, erzählt sie, vielleicht seit sie als Kind mal verloren gegangen ist und ein Polizist sich rührend gekümmert hat.

"Ich wollte auch helfen", sagt sie. Zwar hätten ihre Eltern eher an etwas Ungefährlicheres für ihre Tochter gedacht, bei einer Versicherung vielleicht, aber sie blieb auch nach einem Sprachenstudium bei ihrem Wunsch. Dass sie Türkisch kann, sei oft hilfreich, sagt sie. Noch dazu, dass sie als Frau Türkisch kann. Das wirke gerade auf ausländische Frauen beruhigend.

Mesrure Koldemir hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Als Kind türkischer Gastarbeiter wuchs sie in Hof auf und arbeitet als Ermittlungsbeamtin in Nürnberg. Manchmal hört sie Dinge, von denen ihr Gegenüber nicht ahnt, dass sie es versteht. "Das ist praktisch", sagt sie, zu manchen Menschen finde sie leichter Zugang als ihre nur deutschsprachigen Kollegen.

Innenminister Herrmann hätte gerne noch mehr Menschen mit Migrationshintergrund bei der Polizei, deswegen läuft gerade eine Werbekampagne um den Nachwuchs. Noch sind die Bewerberzahlen überschaubar, nahezu jeder Ausländer, der die Kriterien erfülle, werde auch genommen, sagt er. Im vergangenen Jahr wurden acht nicht-deutsche Polizisten eingestellt, in den Jahren davor noch weniger.

Ungleich mehr sind freilich jene mit deutschem Pass und Migrationshintergrund. An einem Ausbildungsstandort sei die Herkunft abgefragt worden und habe ergeben, dass die Polizeianwärter dort insgesamt mindestens 15 Sprachen beherrschten, sagte Herrmann. Sein Fazit: "Polizeibeamte mit ausländischen Wurzeln gehören fest zum Bild der bayerischen Polizei."

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