Polizeiautos NRW-Polizei beschwert sich über neue Streifenwagen

Hat angeblich zu wenig Platz: der Kofferraum des BMW 318d Touring als Streifenwagen in NRW.

(Foto: Rainer Häckl Photographie; BMW Group)
  • Seit einem halben Jahr fährt die Polizei Nordrhein-Westfalens den BMW 318d Touring als Streifenwagen.
  • Nun gibt es angeblich eine Mängelliste mit 25 Punkten. Deren Fazit: "Der BMW ist für den Streifendienst völlig ungeeignet."
  • In Bayern ist man mit dem Modell zufrieden.
Von Thomas Harloff

Vor einem halben Jahr klang Ralf Jäger sehr zufrieden, als er über seine jüngste Anschaffung sprach: "Die neuen BMW-Streifenwagen erfüllen die hohen technischen Anforderungen für den täglichen Dienst und bieten ein Höchstmaß an Sicherheit", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Anfang November. Anlass war die feierliche Übergabe von zwölf BMW 318d Touring als Streifenwagen für die ihm unterstellten Polizisten. Insgesamt sollen, über drei Jahre verteilt, mehr als 1800 Exemplare des bayerischen Mittelklasse-Kombis in NRW in Dienst gestellt werden. Die Leasingkosten für die neue Einsatzflotte: etwa 21 Millionen Euro für drei Jahre.

Bei einem derartigen Investitionsvolumen sollten die Autos für den Polizeidienst auch tauglich sein. Doch daran gibt es nun Zweifel. Wie die Rheinische Post berichtet, häufen sich die Beschwerden über die 3er BMWs, mit denen die nordrhein-westfälische Polizei künftig ihre betagte VW-Passat-Flotte ersetzt. Dem Blatt zufolge liegt eine 25 Einträge umfassende Mängelliste vor, die Jägers Ministerium bald vorgelegt werden soll. Deren Fazit: "Der BMW ist für den Streifendienst völlig ungeeignet."

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Eigenwillige Scheibenwischer

Hauptsächlich betrifft die Kritik das mangelnde Platzangebot. Der Kofferraum sei zu klein, um zwei Schutzhelme unterzubringen. Auch die schusssicheren Überziehwesten fänden darin keinen Platz, weshalb die Polizisten sie auf die Rücksitze legen müssten. Das aber würde zum Problem, sobald Festgenommene oder auszubildende Polizisten mitfahren.

Weitere Kritikpunkte: Die Beine der Beamten stoßen angeblich ständig gegen die seitlich an der Mittelkonsole angebrachte Halterung des Funkgerätes und den inneren Türgriff. Das Türfach für die Maschinenpistole sei zu klein, weshalb sie nicht schnell gezogen werden könne. Die Sonnenfolie an den Scheiben sei zu dunkel und das Scheibenwischerintervall entweder zu schnell oder zu langsam. Die Gurte seien nicht höhenverstellbar, die Rücklichter zu schwach und die Beleuchtung zu schnell erloschen, sobald die Polizisten aussteigen. Außerdem falle der Funk ständig aus, weil sich der Funkverteiler im Fußraum des Beifahrers befindet und sich dieser ständig daran stoße.

Die Behörde kennt die Mängelliste nicht

Beim Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) in Duisburg, das die Streifenwagen für ganz NRW beschafft, weiß man nichts von einer solchen Liste: "Bislang konnten wir auch nicht aufklären, woher diese Mängelliste kommt", sagt ein Sprecher. Viele Kritikpunkte seien für seine Behörde völlig neu. Beim LZPD sieht man auch keinen Grund, die Nachteile des BMW in Form einer solchen Liste abzufragen. "Das hätten wir sicherlich getan, wenn wir flächendeckend auf Mängel hingewiesen worden wären."

Dass es vereinzelt Kritik an Größe und Zuschnitt des BMW-Innenraums gibt, streitet der Sprecher nicht ab. Aber der 318d Touring würde alle Anforderungen erfüllen, die im sogenannten "Leistungsverzeichnis" verankert sind. Dieses werde seit mehreren Jahren von Mitarbeitern des LZPD und Streifenpolizisten fortgeschrieben und orientiere sich an den Voraussetzungen, die Streifenwagen der bayerischen Polizei erfüllen müssen. Dort sei die Kombiversion des 3ers seit vielen Jahren im Einsatz, ohne dass sich die Streifenbeamten über das Auto beschwerten. Als der Münchner Konzern nach der europaweiten Ausschreibung des NRW-Auftrages das günstigste Angebot gemacht habe, sei die Entscheidung für den 3er Touring leichtgefallen.