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Abgasaffäre:Warum BMW-Diesel sauberer sind

Der Dieselmotor des BMW M550d xDrive.

Erster Pkw-Dieselmotor mit dreifacher Turboaufladung: das Sechszylinder-Triebwerk des BMW M550d xDrive.

(Foto: BMW Group)
  • BMW-Modelle schnitten bei der Abgas-Prüfung des Kraftfahrt-Bundesamtes am besten ab.
  • Es ist bekannt, dass der Hersteller mehr Geld als andere in seine Antriebstechnologien investierte.
  • Besonders erfolgreich ist BMW offenbar dabei, die sogenannte Versottung zu vermeiden.

Der Name kommt nicht von ungefähr: Die Bayerischen Motorenwerke, kurz BMW, heißen so, weil sie anfangs Flugzeugmotoren bauten. Und auch als Autohersteller haben die Münchner den Motorenbau stets als ihre Kernkompetenz betrachtet. BMW-Fahrer wissen, dass ihr Auto nicht den schönsten Innenraum oder das größte Platzangebot hat. Doch der Motor ihres Autos, davon konnten sie ausgehen, zählt zur Spitze in seiner Leistungsklasse. Weil BMW im Zweifel mehr Geld in deren Entwicklung steckte als die Konkurrenz.

Die Reihensechszylinder-Benziner genießen wegen ihrer spontanen Gasannahme und ihrer Drehfreude einen guten Ruf. Mithilfe neuer Technologien hat BMW außerdem dazu beigetragen, dem Diesel die anfängliche Trägheit auszutreiben. Man denke an den 524td, eines der ersten Autos mit Turbodiesel. Oder den M550d mit dreifacher Turboaufladung. Es ist also nachvollziehbar, warum BMW-Modelle bei den Abgas-Nachprüfungen des Kraftfahrt-Bundesamtes besonders gut abschnitten.

"Wir versuchen, die Versottung zu vermeiden"

Ein großes Problem, das viele Autohersteller bei ihren Dieselmotoren haben, heißt "Versottung": Beim chemischen Prozess, bei dem Dieselabgase durch Harnstoff von Stickoxiden befreit werden, entsteht durch Kohlenwasserstoff, Kondenswasser und Ruß auf die Dauer ein Schleim. Er setzt den Motorleitungen und Komponenten der Abgasreinigung zu. Um das zu vermeiden, fährt die Motorelektronik die Abgasreinigung bei kalten Temperaturen herunter oder setzt sie sogar ganz aus. Dank dieser Lösung, "Thermofenster" genannt, bleiben zwar die Leitungen frei und werden die Bauteile geschützt, aber die Abgase werden eben auch nicht von Stickoxiden gereinigt.

Auch BMW kann nicht komplett auf das Thermofenster verzichten. "Aber wir versuchen mit dem, was technisch möglich ist, die Versottung zu vermeiden", sagt ein Motorenexperte. "So konnten wir das Thermofenster schrittweise nach unten fahren." Und gleichzeitig die Bauteile schützen. Denn so konnten die Ingenieure die Gefahr von Motoraussetzern, die von der Versottung ausgeht, weitgehend bannen.

Künftig könnte sich BMWs offensichtlicher Vorsprung noch vergrößern. Nämlich dann, wenn die strengeren Messverfahren für Normverbrauch und Abgaswerte kommen. "Es wird ja schon länger an der entsprechenden Gesetzgebung gearbeitet", sagt der BMW-Mann. "Wir haben uns so früh wie möglich darauf vorbereitet, um auch nach den neuen Prüfprozeduren gut abzuschneiden."

© SZ vom 23.04.2016/harl
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