Dokumentiert wurde der Tag der Hochzeit schon immer, und sei es per Pinsel. Zum Beispiel die Hochzeit von Eugène de Beauharnais, Adoptivsohn Napoleons, mit Auguste Amalie, der Tochter des Königs Max I. Joseph, 1806 in München lässt sich auf einem Ölgemälde nachvollziehen. Strenge Mienen der Festgesellschaft in der Grünen Galerie der Residenz.

Es ging ja um nichts weniger als eine Gegenleistung für die territorialen Zugewinne und die Königswürde Bayerns. Alles war genau arrangiert, hervorgehoben sitzen Napoleon und Gemahlin, dahinter das bayerische Königspaar. Die Brautleute schreiten einander zugewandt auf die Eltern zu. Genau geplant wird auch heute - der Trend geht zur Hochzeitsreportage, das ist oft ein 20-Stunden-Einsatz für Fotografen. Bilder vom Ankleiden am Morgen bis zum Zubettgehen, dazwischen gestellte Rührszenen ebenso wie Schnappschüsse, Dutzende Aufnahmen der Torte. "Das geht nicht unbedingt los, wenn die Braut unter der Dusche steht. Aber beim Friseur bin ich schon dabei", sagt Ricarda Hager, eine Fürther Fotografin, die nur noch Hochzeiten betreut.

Reportage sei "der große Trend bei heutigen Hochzeiten", mit dem typischen Bild - "Paar neben Rosenbusch" - begnügten sich Heiratende stets seltener, es gehe um "emotionalere Momente, die später die Gänsehaut zurückbringen". Die traditionelle Hochzeitsgesellschaft auf Stufen wird oft gar nicht mehr gewünscht - oder von spezialisierten Fotografen mitunter abgelehnt. Weiteres Phänomen der Zeit: Tausende Smartphone-Fotos, ein Zuviel an Dokumentation. Die Fürther Fotografin betont den "Unterschied, ob die Fotos ein Profi macht oder Onkel Willi".

Bild: imago/CHROMORANGE 12. Oktober 2016, 13:082016-10-12 13:08:36 © SZ vom 08.10.16/bhi