Museums-Eröffnung Ein Tag, an dem Bayern noch besoffener von sich selbst ist als sonst

Politische Prominenz bei der Eröffnung in Regensburg

(Foto: dpa)
  • Nach etlichen Verzögerungen und vier Jahren Bauzeit ist das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg nun eröffnet.
  • Einige Gäste müssen im Foyer stehen, zum Festakt haben mehr zugesagt als gedacht.
  • Ministerpräsident Söder prophezeite, das Museum werde "ein echter Publikumsrenner".
Von Andreas Glas und Hans Kratzer, Regensburg

Es ist Dienstag, 15.30 Uhr. Bevor es losgeht, ein letzter Check, sicher ist sicher. Also, Blick zum Himmel: kaum Wolken. Blick zur Donau: normaler Pegelstand. Starkregen, Sturzflut, hätte ja alles irgendwie gepasst in die Geschichte dieses Museums. Eigentlich hätte die Eröffnung im Juni 2018 stattfinden sollen. Aber dann warf ein Brand auf der Baustelle den Zeitplan über den Haufen. Schon im Juni 2013, vor Baubeginn, war das Auftaktfest einem Hochwasser zum Opfer gefallen. Und jetzt, Stand 15.30 Uhr? Sieht es tatsächlich danach aus, als würde alles glattgehen. Es gibt nur diese eine Sorge am Tag der Eröffnung: dass nicht alle Gäste aufs Museumsgelände passen.

"Eine Liebeserklärung an unsere Heimat", wird Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagen, als er später auf der Bühne steht. Und Museumsdirektor Richard Loibl wird kraftmeiern, dass dieses Haus "nicht nur in Deutschland seinesgleichen" sucht. Man wird solche Superbayern-Sätze öfter hören an diesem Tag, an dem der Freistaat noch etwas besoffener von sich selbst ist als sonst. Man sollte allerdings nachsichtig sein, jedenfalls ausnahmsweise. Die Bayern mussten wirklich sehr, sehr lange auf diesen Tag warten. Bereits in den Fünfzigerjahren hatte der Historiker Max Spindler die Debatte um ein bayerisches Landesmuseum eröffnet. Erst jetzt, sechs Jahrzehnte später, ist es so weit. Nach vier Jahren Bauzeit öffnet das Museum der Bayerischen Geschichte am Regensburger Donauufer.

15.45 Uhr. Noch eine Viertelstunde, bis die Eröffnungsfeier losgeht. Museumsdirektor Loibl steht draußen in der Sonne. Er sieht recht entspannt aus. "Es ist alles fertig geworden", sagt Loibl, bis auf Kleinigkeiten. Derweil drängeln immer mehr Gäste ins Museum. Knapp 1000 Quadratmeter misst der Saal im Erdgeschoss, in dem künftig Sonderausstellungen stattfinden werden. Knapp 1000 Quadratmeter für rund 2000 Eröffnungsgäste? Keine Chance. Manche Gäste müssen im Foyer stehen, wo Flachbildschirme die Eröffnungsreden nach draußen übertragen. Man hört, dass die Veranstalter mit deutlich mehr Absagen gerechnet hätten. Sie haben offenbar selbst nicht erwartet, dass das Bayern-Museum sofort eine derartige Anziehungskraft ausübt.

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Markus Söder hat das natürlich schon vorher gewusst. "Ein echter Publikumsrenner" werde das Museum werden, sagt der Ministerpräsident, nachdem er um 15.52 Uhr aus seiner Limousine gestiegen ist. Die Augen kneift er zusammen, die Sonne blendet, fast 30 Grad hat es. Auf dem Museumsvorplatz drängeln Minister, Abgeordnete, Kommunalpolitiker und andere Prominente. Etwa Paul Breitner, Django Asül, Gloria von Thurn und Taxis. Eingeladen sind auch die Bürger, die dem Haus der Bayerischen Geschichte insgesamt 300 Exponate gestiftet haben.

Um 16 Uhr ist es dann so weit. Die Regensburger Domspatzen haben sich auf der Bühne formiert. Hinten die Männerstimmen, davor diejenigen, die noch auf den Stimmbruch warten. Sie stimmen das erste Lied an, "Jauchzet dem Herrn alle Welt". Draußen weiß-blauer Himmel, drinnen die hellen Stimmen der Chorknaben. Ist das die Vorstufe zum Paradies, wie Horst Seehofer (CSU) Bayern immer genannt hat?

Ohne Seehofer hätten die Bayern ja immer noch kein Landesmuseum. Der frühere Ministerpräsident war es, der im Dezember 2008 in seiner Regierungserklärung quasi befahl, das Bayern-Museum endlich in Angriff zu nehmen. Er hätte das Museum gern selbst eröffnet, hat Seehofer neulich gesagt. Nur sind die Rollen jetzt anders als früher. Der Ministerpräsident heißt Söder und Seehofer ist Bundesinnenminister. Er wird demnächst eine Privatführung von Museumsdirektor Loibl kriegen. Das haben die beiden fest ausgemacht. Seehofer verpasst also den Moment, als Regensburgs katholischer Bischof Rudolf Voderholzer, der evangelische Regionalbischof Hans-Martin Weiss und der Rabbiner Josef Chaim Bloch das Museum segnen. Keine Eröffnung ohne Gottes Segen. Auch das ist Bayern.

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Nun ja, die Regensburger und ihr neues Museum. Das ist ein Kapitel für sich. Insgesamt 25 Städte haben sich damals ums Museum beworben. Alle hätten sich über den Zuschlag gefreut. Und die Regensburger, die Glücklichen? Haben vor allem gelästert, als sich nach und nach abzeichnete, wie das Äußere des Museums am Ende aussieht. "Betonklotz", so nennen die Regensburger das Gebäude besonders gern. Dabei besteht die Fassade gar nicht aus Beton. Sondern aus grauen Keramikplatten. Vor einem Jahr reihte sich sogar der Ministerpräsident in die Stimmen derjenigen ein, die das Museum für zu klotzig halten. "Wuchtig, etwas aufreibend", nannte Markus Söder den Bau.

Diese Skepsis scheint Söder inzwischen abgelegt zu haben. "Das Gebäude ist faszinierend", sagt er in seiner Eröffnungsrede, "moderne Architektur, historische Zeugnisse unserer Demokratiegeschichte und viel Multimedia verbinden Tradition und Zukunft". Das Museum sei unterhaltsam, hier gehe es aber auch "um die schwierigen Themen" und "um die Hoffnungsmomente". Als Beispiele nennt er die Jacke eines KZ-Überlebenden, die im Museum ausgestellt ist. Und den selbstgebastelten Heißluftballon, in dem eine Familie aus der DDR nach Bayern floh. Man werde das Museum beim Besuch von Staatsgästen "als festen Programmpunkt" einplanen, sagt Söder noch.

Dann steigt der Museumsdirektor auf die Bühne. "Wir bebildern nicht einfach bayerische Geschichte, wir schaffen und inszenieren Bilder", sagt Richard Loibl. Er spricht auch über das Misstrauen, das der Ausstellung schon vor der Eröffnung entgegenschlägt. Zu seicht, fürchten manche, zu unwissenschaftlich. Wenn die Menschen "um die Gewichtung der Themen streiten", sagt Loibl, "dann haben wir schon gewonnen. Weil wir unsere Geschichten in die Welt gebracht haben.

Und darum geht es schließlich." Nach den Reden dürfen die Gäste das Museum dann besichtigen. Die Ausstellung erzählt die Geschichte des modernen Bayern seit 1806. Rund 1000 Exponate auf 2500 Quadratmetern. Unter dem Titel "Was vorher geschah" ist im Erdgeschoss ein 360-Grad-Panoramafilm über die Zeit der Römer bis ins 19. Jahrhundert zu sehen. An diesem Mittwoch darf dann das breite Publikum ins neue Bayern-Museum. Der Eintritt ist bis zum 30. Juni frei.

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