Haus der Bayerischen Geschichte Bayerische Erlebniswelt

Der Oktoberfest-Löwe ist das Wahrzeichen des Regensburger Museums. Seit 1950 stand er auf dem Dach des Löwenbräu-Festzeltes in München.

(Foto: Sebastian Beck)

Einst versprach Horst Seehofer den Bayern ein Museum. Elf Jahre später eröffnet das Haus in Regensburg und spielt viel mit Klischees der Geschichte. Deswegen steht der Löwenbräu-Löwe vom Oktoberfest im Foyer. Aber nicht nur deshalb wird es ein großer Erfolg werden.

Von Sebastian Beck

Vielleicht kommt die Frage ein bisschen spät, schließlich wird das Museum in Regensburg an diesem Dienstag eröffnet. Aber mal auf Bairisch formuliert: Hat's des wirklich braucht? Immerhin sind fast 100 Millionen Euro in bester Lage an der Donau verbaut worden, und die ehrwürdige Stadt ist damit um ein Wahrzeichen oder eine Bausünde reicher geworden - je nach Geschmack des Betrachters.

Bayern ist nicht gerade ein Staat, der durch den Mangel an musealen und sonstigen kulturellen Einrichtungen auffällt. Seit der Jahrtausendwende haben sich Bayerns Ministerpräsidenten gerne in Stein, Glas und Beton verewigt. Während der Amtszeit von Edmund Stoiber wurden unter anderem das Neue Museum in Nürnberg und die Pinakothek der Moderne in München eröffnet. Sein Nachnachfolger Horst Seehofer überraschte 2008 mit der Ankündigung, er wolle einen neuen Konzertsaal in München bauen - und ein Museum der Bayerischen Geschichte. Das Konzerthaus in München soll in sechs Jahren eröffnet werden, das Projekt in Regensburg ist bis auf die Bavariathek vollendet.

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Die Ausstellungsmacher zeigten sich insofern undankbar, als sie sogar Markus Söders Fastnachtsuniform aus Veitshöchheim für museumswürdig erklärten, ebenso Theo Waigels Staats-Füllfederhalter und eine Büste von Franz Josef Strauß. Von Horst Seehofer hingegen wird in Regensburg nicht einmal ein Hosenknopf ausgestellt, geschweige denn ein Trafo seiner mythischen Modelleisenbahn.

Das führt bereits zum Ausstellungskonzept, für das Richard Loibl, der Leiter des Hauses der Bayerischen Geschichte, verantwortlich zeichnet. Loibl wurde von der Staatsregierung mit dem Museum in Regensburg beschenkt, und er soll anfangs darüber so erfreut gewesen sein wie ein Ehemann, der zum Fünfzigsten von seiner Frau Manschettenknöpfe bekommt.

Schließlich tourt Loibl seit seinem Amtsantritt 2007 erfolgreich mit den Landesausstellungen durch den Freistaat. Alleine die König-Ludwig-Ausstellung 2011 auf Herrenchiemsee zog 575 000 Besucher an - mehr als beispielsweise Schloss Nymphenburg in einem ganzen Jahr. Solche Zahlen sprechen eigentlich für das Konzept wechselnder Ausstellungen und gegen ein neues Museum, dessen Bau und Betrieb immense Summen verschlingen, die andere Institutionen dringend brauchen könnten, um ihre trüben Vitrinen zu modernisieren. Doch rationale Erwägungen spielten bei Seehofers Museumsentscheidung keine Rolle: Ihm ging es vor allem um die große Geste, um ein Symbol der bayerischen Identität, auch wenn der Begriff inzwischen arg kontaminiert ist.

Loibl, das muss man ihm zugute halten, hat das Beste draus gemacht. Der 53-jährige Niederbayer ist ein begnadeter Anekdotenerzähler. Wahrscheinlich wäre ein Museum mit ihm als einzigem Exponat auch ein großer Erfolg. Jedenfalls kann Loibl über Oskar Maria Graf genauso unterhaltsam parlieren wie über die erste Kältemaschine von Linde oder die bayerischen Dialekte. Hätte Loibl nicht Geschichte studiert, sondern eine Karriere als Musiker eingeschlagen, dann wäre er eher einer wie Max Greger geworden und weniger ein Arnold Schönberg. Die Vertreter der - um im Bild zu bleiben - Zwölftonmusik beäugen die ihrer Meinung nach allzu populären Landesausstellungen mit Misstrauen.

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Tatsächlich weicht Loibl bisweilen keinem Klischee aus, was sich in einer gewissen Kini-Bier-Lastigkeit niederschlägt, die zumindest beim Publikum super ankommt. So war die Landesausstellung 2018 in Kloster Ettal dem "Mythos Bayern" gewidmet. Zwischen Wald, Jagd und Schloss Linderhof ging dem Geschichtenerzähler Loibl nur leider der Faden verloren. Man könnte auch sagen: Diese Landesausstellung war ein ziemliches Durcheinander. Trotzdem kamen 130 000 Besucher.

Im Regensburger Museum ist das zum Glück anders. Die Ausstellung trägt zwar einmal mehr die Handschrift von Loibl, der sich der Geschichte des modernen Bayern seit 1806 auf seine typische Weise nähert. Deshalb thront im Foyer des Museums der meterhohe Oktoberfest-Löwe vom Münchner Löwenbräuzelt, was zunächst eher Ungutes erahnen lässt.