Bayern Das Grundwasser ist auf extrem niedrigen Niveau

Die trockenen Sommer haben die Wasservorräte schrumpfen lassen.

(Foto: lukasbarth.com)
  • Im Landesamt für Umwelt sorgt man sich um den Stand des Grundwassers in Bayern.
  • Mehrere Trockenperioden haben den Stand stark sinken lassen.
  • Verregnete Sommer würden die Vorräte wieder auffüllen, am besten wäre tagelanger gleichmäßger Landregen.
Von Christian Sebald, Augsburg

Claus Kumutat ist keiner, der zu Alarmismus neigt. Dafür ist der Präsident des Landesamts für Umwelt (LfU) ein viel zu nüchterner Ingenieur. Was die Grundwasservorräte in Bayern anbelangt, macht Kumutat, der lange Zeit in führenden Funktionen in der Wasserwirtschaft des Freistaats tätig war, keinen Hehl aus seinen Sorgen. Denn nach diesem Dürresommer sind die Grundwasservorräte auf einem extrem niedrigen Niveau.

"Was wir jetzt bringend bräuchten, ist nicht nur ein nasser, verregneter Sommer im nächsten Jahr", sagt Kumutat. "Sondern wir bräuchten gleich mehrere nasse Jahre hintereinander." Am besten mit tagelangem, möglichst gleichmäßigem und nicht zu starken Landregen. "Denn den können unsere Böden am besten aufnehmen", sagt Kumutat. "Bei Wolkenbrüchen und Starkregen dagegen ist die Gefahr groß, dass die Niederschläge oberirdisch abfließen."

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Die Wasserwirtschaftler unterscheiden beim Grundwasser zwischen sogenannten Stockwerken. Damit meinen sie die verschiedenen Grundwasserschichten im Erdinneren, die durch wasserundurchlässiges Gestein von einander getrennt sind. Für die Trinkwasserversorgung entscheidend ist das sogenannte oberflächennahe Grundwasser. Es reicht bis ungefähr hundert Meter Tiefe.

Gut zwei Drittel des Trinkwassers in Bayern stammen aus dem oberflächennahen Grundwasser. Das Tiefengrundwasser in einer Tiefe von unterhalb hundert Metern hingegen soll möglichst nicht angetastet werden. "Es wird für nachfolgende Generationen vorgehalten", sagt Kumutat. Das Tiefengrundwasser erneuert sich so langsam, dass es meist viele Jahrhunderte alt ist.

Das Problem für die Grundwasservorräte ist, dass dieser Sommer eine von mehreren extremen Trockenperioden in Folge war. Weitere waren der Juni und Juli 2017, der Winter 2016/2017 sowie der Sommer und Herbst 2015. Zwar hatten sich die oberen Grundwasserstockwerke zu Jahresbeginn weitgehend erholt. "Nur um die fünf Prozent unserer Messstellen dort zeigten im Januar 2018 niedrige oder sehr niedrige Stände an", sagt Kumutat. "Inzwischen sind es aber 76 Prozent." Daran haben die Regenfälle der vergangenen Tage nichts geändert.

Beim Tiefengrundwasser ist die Lage noch einmal dramatischer. Schon in den vergangenen drei Jahren lag die Zahl der Messstellen mit niedrigen oder sehr niedrigen Ständen des Tiefengrundwassers bei 40 Prozent oder darüber. Derzeit liegt ihre Zahl sogar bei 81 Prozent. Natürlich ist die Trinkwasserversorgung in Bayern gesichert. Aber auch wenn die diesjährige Trockenperiode derzeit eine Pause macht, rechnet Kumutat nicht damit, dass sich die Grundwasservorräte insgesamt schon bald wieder deutlich auffüllen werden. "Dazu war es von Mai bis Ende August einfach viel zu trocken", sagt LfU-Chef Kumutat.

Was die Trockenheit anbelangt, hat laut Landesamt der Sommer 2018 in Teilen des Freistaats den Rekordsommer 2003 getoppt - vor allem in Ober- und Mittelfranken, aber auch in Teilen der Oberpfalz und des Allgäus. In Nordbayern regnete es von Anfang Mai bis Ende August 40 Prozent weniger als im langjährigen Mittel. In Südbayern waren es 29 Prozent. Zugleich gab es in Bayern ungefähr doppelt so viele Sommertage mit mehr als 25 Grad als im langjährigen Schnitt.

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