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Heißer Sommer:Extrem ist das neue Normal

  • Der Sommer 2018 wird als einer der heißesten in Deutschland in die Annalen eingehen.
  • Auch im August hält der Deutsche Wetterdienst Temperaturen von mehr als 35 Grad für möglich.
  • Klimaforscher wissen: Ein Sommer wie dieser wird in Zukunft zunehmend zur Normalität, und nicht mehr die Ausnahme bleiben.

Zwischen Ernteausfällen und vielen Geschichten über Menschen, die unter der Hitze leiden, tut man sich derzeit schwer, gute Nachrichten zum Thema Wetter zu finden. Vielleicht taugt dafür ja die Mitteilung, dass Besucher des Freibads "Wölfle" in Karlsruhe am Mittwoch und Donnerstag ausnahmsweise bis zum Einbruch der Dunkelheit baden dürfen. An den genannten Tagen ist bis 22 Uhr geöffnet.

Doch die Großwetterlage liegt in Deutschland jenseits dessen, was viele Mitteleuropäer noch als Komfortzone empfinden. In Teilen des Landes erreichen die Thermometer tagsüber 38 Grad. Da will man sich gar nicht vorstellen, was die Menschen in Pakistan durchmachen: Dort wurden 54 Grad erreicht. Auch die Nächte in Mitteleuropa bieten kaum Abkühlung. Im rheinland-pfälzischen Ruppertsecken wurden in der Nacht zum 25. Juli als Tiefstwert 23,8 Grad gemessen. Die Schwelle zur "Tropennacht" war somit überschritten.

Wetter Deutschland läuft heiß
Hitzewelle

Deutschland läuft heiß

An diesem Dienstag hat das Thermometer Rekordwerte erreicht. Die Folgen: Kinder und Senioren brauchen Hilfe, Atomkraftwerke müssen ihre Leistung herunterfahren und Leergut wird knapp. Wie die Hitze den Alltag verändert.   Von Gianna Niewel

Mit beeindruckender Stabilität herrscht eine Hochdruckzone über Deutschland. Während noch vor einigen Tagen vorwiegend warme, kontinental-trockene Luft aus Osteuropa nach Deutschland gelangte, dominieren nun feuchte Luftmassen aus Südwesteuropa das Wetter. Mit etwa 40 Litern Regen pro Quadratmeter im Bundesmittel blieben die Niederschläge nur bei gut der Hälfte dessen, was man in einem deutschen Juli erwarten darf. Zudem waren die spärlichen Regengüsse sehr punktuell verteilt. Einzelne Gewitter erzeugten Sturzregen, während Ackerland und Wiesen großflächig zu braunem, mitunter brandgefährlichem Gestrüpp vertrockneten. In manchen Gegenden Deutschlands fielen im gesamten Monat nur fünf Liter Wasser pro Quadratmeter. Dafür gab es am Alpenrand 150 Liter pro Quadratmeter.

Die Sonnenscheindauer dürfte nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes im Juli den höchsten Wert seit 1951 erreichen. 305 Stunden lang brannte die Sonne auf die Republik herunter. Dabei gelten im Juli 212 Stunden als Durchschnitt. Die mittlere Temperatur lag mit 20,2 Grad mehr als drei Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. Der Juni lag bereits 2,4 Grad darüber. Und nimmt man als Vergleichszeitraum die aktuelleren Dekaden von 1981 bis 2010, so ergibt sich für den Juli immer noch ein Überschuss von 2,2 Grad.

Der Sommer 2018 wird trotzdem nicht den absoluten Hitzerekord in Deutschland brechen. Dieser Monat wird vermutlich als fünftwärmster Juli seit Beginn von Wetteraufzeichnungen am Ende des 19. Jahrhunderts in die Annalen eingehen. Den absoluten Rekord hält weiterhin der Juli 2006, gefolgt von 1994, 1983 und 2010.