Probleme bei der Post:Maustote Briefkästen

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Probleme bei der Post: Schwer unterschätzt: Den Wert eines Briefkastens lernt man erst kennen, wenn er mal leer bleibt, wie zuletzt in Garmisch-Partenkirchen.

Schwer unterschätzt: Den Wert eines Briefkastens lernt man erst kennen, wenn er mal leer bleibt, wie zuletzt in Garmisch-Partenkirchen.

(Foto: Monika Skolimowska/dpa)

Im Briefkasten sammelt sich das zu Papier gewordene Schicksal eines Menschen. Trotzdem wird er chronisch unterschätzt - bis die Post gar nicht mehr kommt, wie zuletzt in Garmisch-Partenkirchen.

Glosse von Thomas Balbierer

Der Briefkasten ist ein von der Gesellschaft schwer unterschätzter Ort, der vom gemeinen Hausbewohner meist im Vorbeigehen Beachtung erfährt - und auch dann nur in mechanisch-kühlen Bewegungen: Klappe auf, Klappe zu, Brief rein, Brief raus. Ein Briefkasten kennt keine Romantik. Er fristet sein ästhetisch unbedeutendes Leben als klobiges Blechteil an einer Treppenhauswand oder ist in einem kalten Steinpfosten am Gartentor gefangen.

Dabei hat der Briefkasten doch all das, was ein bedeutendes Kulturobjekt ausmacht: In ihm sammelt sich das zu Papier gewordene Schicksal eines Menschen. Der Briefkasten ist, wenn nicht die Bühne, so doch der Requisitenraum einer Erzählung von Glück und Unglück, Hoffnung und Enttäuschung, Gewinn und Verlust. Sein Inhalt kann über Karrieren, Beziehungen und Kontostände entscheiden. Mit dem sogenannten Letterbox Syndrome hat der Briefkasten sogar ein eigenes Krankheitsbild, bei dem Betroffene aus lauter Angst vor schlechten Nachrichten das Fach gar nicht mehr leeren.

In Zeiten von E-Mail, Whatsapp und Videocall rutscht der analoge Posteingang immer mehr in die Bedeutungslosigkeit. Wie lang es wohl noch dauert, bis ihn das Los der Telefonzelle ereilt hat, die hier und da wie ein Untoter in der Welt steht?

In Garmisch fielen kürzlich Dutzende Postangestellte aus

Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen erhielten die Bewohner jüngst jedenfalls einen Vorgeschmack auf die dystopische Zukunft: Fast zwei Wochen lang blieben die Briefkästen in Teilen der Stadt und Gemeinden leer, wie das Garmischer Tagblatt berichtete. Und siehe da: Plötzlich richtete sich alle Aufmerksamkeit auf den verwaisten Postschlitz. Ein Betroffener berichtete gar von seinem leidvollen Warten "auf mehrere Rechnungen". Ein Horror!

Auf SZ-Nachfrage bestätigte eine Sprecherin der Post die Zustellungsprobleme. "Grund war ein erhöhter Krankenstand, den wir bedauerlicherweise nicht ganz kompensieren konnten." Dutzende Mitarbeiter sollen ausgefallen sein. Ob es sich um eine neuartige Variante des Letterbox Syndrome handelt, ist nicht bekannt. Corona war es wohl nicht. Zum Glück, so die Sprecherin, sei das Problem mittlerweile behoben - die Garmisch-Partenkirchener dürfen sich wieder über Bußgeldbescheide, Stromrechnungen und Telefonanbieter-Werbung freuen.

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