Julius Echter von Mespelbrunn Echter vertrieb die Juden, mehr als 200 Frauen verbrannten als "Hexen"

In der Ausstellung könnte man sich nun, nach den Worten der Juso-Chefin, anhören, wie sehr sich die Mitarbeiter des Juliusspitals über ihr außergewöhnliches Krankenhaus mit integrierter Weinschenke freuen. Oder dem Präsidenten der Julius-Maximilians-Universität lauschen, wie dankbar man dem Fürstbischof noch immer sein müsse für sein visionäres Werk einer dem Wesen nach frühen Landesuniversität.

Man kann aber auch der evangelischen Regionalbischöfin Aufmerksamkeit schenken, die sehr freundlich verklausuliert andeutet, was für ein unerbittlicher Protestanten-Vertreiber und Protestanten-Enteigner dieser Bischof Echter war.

Julius Echter wurde im Spessartschloss Mespelbrunn geboren.

(Foto: Imago)

Oder auch Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, ein Ohr leihen. Auch Schuster würdigt das Wirken Echters. Die unverstellte Freude am Juliusspital wird nach seinen Worten aber nicht mehr ungetrübt sein.

Echter hat das Spital 1576 auf einem jüdischen Friedhof errichten lassen. Selbst wenn er sich möglicherweise die Rechtsauffassung zu eigen machen konnte, der Friedhof sei damals herrenlos gewesen. So verstieß er eben doch gegen den jüdischen Grundsatz, wonach die dauerhafte Totenruhe unantastbar ist.

Die Juden, die unter Echter fliehen mussten, haben gegen den Affront des Bischofs protestiert. Echter aber, ganz Machtpolitiker am Main, zog es vor, diese Proteste so lange unbeantwortet zu lassen, bis er unwiderrufliche Fakten geschaffen hatte. Das Schöppeln, Heilen und Hochzeiten im Juliusspital - es hat eine sehr unwürdige Vorgeschichte. Das alles sei "sehr schmerzhaft", sagt Schuster.

Ohne Echter, das wird niemand bestreiten können nach dem Besuch des Museums am Dom, sähe Mainfranken anders aus. Es wäre womöglich, wie große Teile Frankens, protestantisch geprägt, nicht tief katholisch.

Die Folterung der Barbara Schetzlein

Auch die Kulturlandschaft am Main mit den pittoresken Kirchtürmen hätte aller Wahrscheinlichkeit nach ein ganz anderes Gepräge ohne jene 350 Denkmäler aus der Echter-Zeit. Das alles kann man erfahren im Dommuseum, man kann auf einer digitalen Karte gezielt suchen nach Ortschaften in Mainfranken und wird mit ziemlicher Sicherheit auf Spuren Echters stoßen: Kirchen, Kapellen, Wallfahrtsorte, Rats- und Amtshäuser.

Und ja: Echter war auch ein Genie in Eigeninszenierung (und ist darin in 400 Jahren fränkischer Geschichte seit seinem Tod womöglich nur mit einem Finanzminister der Neuzeit zu vergleichen). Nur inszenierte er sich eben mit seinen Mitteln: Echter ließ überall per Wappen oder Inschrifttafel wissen, wem das katholische oder rekatholisierte Volk zu danken habe für die Wohltaten.

Dieser Eindruck vom Macher am Main wird verstärkt mit dieser Jubiläumsschau. Genauso aber bleibt das Schicksal der Barbara Schetzlein aus dem unterfränkischen Tiefenthal im Gedächtnis haften. 1611 wurde sie nach Anklage verhört, im Protokoll ist schmerzhaft genau festgehalten, welche Foltermethoden diese Frau zu erleiden hatte.

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Zunächst wurden ihre hinter dem Rücken zusammengebundenen Hände mit einem Seil in die Höhe gezogen, Schetzlein wurden dabei die Schultergelenke ausgekugelt. Anschließend wurden ihr Beinschrauben angelegt, sie wurde mit Branntwein übergossen und mit glühenden Eisen traktiert. Abschließend wurde ihr der Kopf mit einem Strick zusammengequetscht.

Was die Folterknechte hören wollten, bekamen sie also zu hören: Barbara Schetzlein gestand, drei Jahre zuvor sei der Teufel in ihre Kammer gekommen. Er habe bei ihr im Bett gelegen, sie sei einen Bund eingegangen mit ihm und habe Gott entsagt. Nach vier Antworten auf diese "peinliche Befragung" versuchte sich Schetzlein selbst umzubringen. Sie stürzte sich in eine der bereitstehenden Beinschrauben.

Anwesend bei diesem Prozess auf dem fränkischen Land war ein Hofrat aus Würzburg. Die Verantwortung für solche Hexen-Exzesse trug also kein anderer als der Bischof selbst, Julius Echter. Das bleibt auch dann so, wenn ihn die neuere Forschung inzwischen nicht mehr als den fanatischen Hexenbrenner zeigt, für den er schon gehalten wurde.

Manchmal zweifelte der Fürstbischof

Es gab auch Fälle, in denen der Bischof Zweifel an Zeugenaussagen und Indizien äußerte. So kritisierte er einmal die Aussagen einer verhafteten Frau, sie habe einem blinden Nachbarn mit Hexenkünsten eine Kuh und ein Schwein getötet, als zu pauschal und nicht hinreichend abgesichert und forderte den zuständigen Zentgrafen zu eigenen Nachforschungen auf.

Und trotzdem bleibt eine verstörende Zahl: In Echters Regierungszeit zwischen 1573 und 1617 dürften mindestens 200 angebliche Hexen verbrannt worden sein. Womöglich waren es sogar deutlich mehr.

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