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DAV-Hütten:Bergsteiger können künftig mehr Schlafplätze reservieren

Wanderer auf dem Weg zur Bad Kissinger Hütte

Bisher mussten Alpenvereinshütten wie die Bad Kissinger Hütte ein Viertel der Schlafplätze für Bergsteiger ohne Anmeldung vorhalten. Künftig müssen es nur noch zehn Prozent sein.

(Foto: dpa)
  • Bisher mussten Hüttenwirte ein Viertel aller Schlafplätze für spontane Übernachtungsgäste freihalten.
  • Der Deutsche Alpenverein hat diese Regel nun geändert: Künftig dürfen 90 Prozent der Plätze im Voraus vergeben werden.

Wanderer werden es in den Bergen künftig schwerer haben, ohne Anmeldung einen Schlafplatz auf einer Hütte des Deutschen Alpenvereins (DAV) zu bekommen. Der DAV hat beschlossen, die 25-Prozent-Regel zu ändern, derzufolge ein Viertel der Plätze für spontane Gäste freigehalten werden müssen. Künftig dürfen Hüttenwirte 90 Prozent zur Reservierung freigeben.

Die Entscheidung fiel laut Hanspeter Mair, Geschäftsbereichsleiter Hütten, Naturschutz, Raumordnung, einstimmig: "Das hat mich überrascht." Denn die Reservierungspolitik ist innerhalb des Vereins nicht unumstritten. Früher stiegen Bergsteiger ohne Anmeldung hoch zur Hütte und durften, sofern sie DAV-Mitglieder waren, immer dort oben übernachten - im schlimmsten Fall halt auf der Holzbank in der Gaststubn.

Doch inzwischen sind die Ansprüche gestiegen, Schutzhütten sind vielerorts in den bayerischen Alpen Bergpensionen geworden. Massenlager weichen bequemen Zweibett- oder Mehrbettzimmern, wo früher Strom gespart werden musste, hängen nun zwei Dutzend Smartphones an Mehrfachsteckdosen. Warmes, kostenloses Duschen hat die Katzenwäsche am Kaltwasserhahn abgelöst. Viele Alpenvereinshütten sind besonders an Wochenenden im Sommer weit im Voraus ausgebucht, auch von Gästen, die nicht Mitglieder im DAV sind, denn reservieren darf bei Alpenvereinshütten jeder für beliebig viele Personen.

Laut Mair kam der Vorschlag, die 25-Prozent-Regel zu kippen, bei nicht allen Sektionen gut an. Einige stellten infrage, ob das im Sinne der Bergsteiger sei. Der Beschluss bei der Hauptversammlung des DAV fiel dann aber ohne Gegenstimme. Mair selbst findet die Neuerung gut: Sie gebe Hüttenwirten mehr Planungssicherheit, vor allem was das Essen angeht, das eng kalkuliert wird. Denn Lebensmittel in die Berge zu bringen, ist häufig mit einem großen Aufwand verbunden - sie werden in der Regel ein- oder zweimal pro Woche per Jeep oder Gepäckseilbahn nach oben transportiert, mancherorts kommt sogar ein Helikopter zum Einsatz.

Noch zwei weitere Änderungen hat der Alpenverein in diesem und vergangenen Jahr auf den Weg gebracht, um die Auslastung seiner Hütten zu optimieren: Im Sommer ein Online-Buchungssystem, das Wirten und Bergsteigern in Echtzeit anzeigen soll, wie viele Plätze belegt sind. Bislang ist dort nur ein Bruchteil der DAV-Häuser vertreten, auf Dauer soll aber ein Großteil eingebunden werden. Und mit der 2015 eingeführten Stornogebühr zeigt sich der Alpenverein zufrieden. Hüttenwirte können seither fünf bis zehn Euro pro Person verlangen, die weniger als sechs Tage vor dem gebuchten Termin absagt.

Bergsteiger, die Wanderausflüge nicht gerne Tage oder Wochen im Voraus planen, dürften all diese Neuerungen nicht freuen. Der DAV argumentiert, dass die 25 Prozent freigehaltenen Schlafplätze in vielen Fällen ohnehin nicht mehr ausgeschöpft worden seien. Aber ob die neue Zehn-Prozent-Regel Bergsteiger ermuntert, auch mal auf Risiko ohne Reservierung auf eine Hütte zu steigen? Sicherlich nicht.