CSU in SZ-Umfrage vorn Donnernde Selbstgewissheit

Doch gerade bei den Wählern, die bisher fest der CSU zuzurechnen waren, herrscht immer noch ein gehöriges Maß an Verstörung darüber, wie salopp die Partei und ihr Chef den Kurs in wichtigen Fragen geändert haben. In der Energiepolitik oder bei der Abschaffung der Wehrpflicht zum Beispiel.

Die SZ-Umfrage zeigt außerdem, dass bei zentralen Themen die Parteilinie und die Meinung der Menschen weit auseinander gehen. Bildung ist für die Befragten das zweitwichtigste Thema - nach dem Hochwasser. Es wird bald wieder die Nummer eins sein - und dann womöglich den Wahlkampf dominieren. Die Unzufriedenheit mit dem achtjährigen Gymnasium in Bayern ist gewaltig. Hier offenbart die CSU eine offene Flanke. Die Freien Wähler, die das G9 zurück haben wollen, werden sie für einen Angriff nutzen. Und auch das so hart erkämpfte Betreuungsgeld könnte für die Christsozialen noch zum Problem werden. 52 Prozent der Befragten lehnen es ab. Sogar 45 Prozent der CSU-Anhänger sind dagegen.

Verschärfend kommt hinzu, dass der Erosionsprozess der Volksparteien mit Verspätung auch die CSU erfasst. Auch sie verliert an gesellschaftlicher Bindekraft, das Bündnis zwischen CSU und Kirche beispielsweise, so es denn überhaupt noch existiert, bring kaum mehr Stimmen. Und vor allem bei den Jungen nimmt die Identifizierung mit Parteien immer weiter ab.

Die donnernde Selbstgewissheit, die die Partei aktuell immer wieder zur Schau stellt, speist sich deshalb mehr aus dem Bedürfnis nach Selbstschutz als aus wirklicher Überzeugung. Das zeigt die Dünnhäutigkeit Seehofers bei manchem Auftritt, aber zum Beispiel auch die Überheblichkeit und Selbstherrlichkeit, mit der zwei Augsburger CSU-Männer eine Rentnerin wegen eines kritischen Leserbriefes abmahnten - oder das Tönen von Parteiveteran Winfried Scharnagel, der die "Sicherung der Bastion Bayern" anmahnt.

Die Macht der CSU beruhte lange darauf, dass es ihr gelungen ist, politische und gesellschaftliche Anachronismen mit wirtschaftlicher Moderne zu verbinden - und dem Ganzen einen weiß-blauen Anstrich zu verpassen. Unter ihrer Ägide wurde Bayern vom einem bäuerlich-klerikal geprägten Bundesland zum dem, was es heute ist.

Doch Ungleichheit und Niedriglöhne, eine große und sich in vielen Landesteilen weiter vergrößernde Kluft zwischen Arm und Reich sind ein Teil der Wirklichkeit, auch im reichen Bayern.

Wer kennt Margarete Bause?

Deshalb ist die Partei des wirtschaftlichen Aufschwungs, die Partei, die lange das "immer mehr", das "immer weiter" predigte, angreifbar geworden. Es hat sich eine Wachstumsskepsis breit gemacht. Der Herz-Jesu-Sozialist Horst Seehofer hat das erkannt, er nimmt sich gerade im Wahlkampf den soziales Themen an. Dennoch trauen die Menschen immer noch eher der SPD zu, für soziale Gerechtigkeit sorgen zu können, als der CSU. Es wirkt fast, als hätte die Partei ihre Mission erfüllt, nur der starke Erbe, der das Geschaffene jetzt etwas sozialverträglicher in die Zukunft führt, der zeigt sich nicht.

Die bayerische Wachstumsskepis spiegelt sich auch in den guten Umfragewerten der Grünen. 2008 kamen die auf 9,4 Prozent, im Moment stehen sie bei 13 Prozent. Und das, obwohl die Spitzenkandidatin Margarete Bause nicht einmal jeder zweite in Bayern so gut kennt, dass er sich ein Urteil über ihre Arbeit erlauben würde. Die Grünen setzen auf Sachthemen - und haben Erfolg damit.

Für Christian Ude, der Ministerpräsident werden will, reicht das allerdings nicht. Genau deshalb scheint es für Seehofer und die CSU auch diesmal wieder zu reichen.

SZ Umfrage - So denkt Bayern

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