Homeoffice:Risiken eines Wohnungspendlers

Coronavirus - Berlin

Im Homeoffice lauern so einige Gefahren, auf die niemand aufmerksam macht.

(Foto: dpa)

Zwischenbilanz nach zwei Wochen Corona-Klausur: Der Weg zur Arbeit ist zwar kürzer, aber deswegen nicht ungefährlich.

Kolumne von Sebastian Beck

Zweite Zwischenbilanz nach vier Wochen in der Corona-Klause: Noch nie war der Weg ins Büro so kurz, was deswegen noch lange nicht heißt, dass er ungefährlich ist. Von Penzberg zum schwarzen SZ-Turm in München-Steinhausen sind es 56 Kilometer mit diversen Staus und ab und zu auch Unfällen. Von der linken Bettkante bis zum Laptop beträgt die Entfernung genau 4,60 Meter Luftlinie. Leider gibt es auf dem Weg keine Verkehrsdurchsagen, obwohl sie Leben retten könnten: "Achtung Dicker, auf der langen Geraden herrscht Rutschgefahr durch zwei liegen gebliebene Socken." Oder: "In Höhe der Kreuzung Kühlschrank/Schreibtisch Gefahr durch eine verlorene Gabel auf dem Perserteppich." Nein, als Wohnungspendler ist man derzeit völlig auf sich gestellt.

Speisen müssen selbst zubereitet werden, was ebenfalls mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden ist. Der Monatsbefehl lautet: Jetzt ist endlich die Zeit gekommen, um sämtliche Vorräte aufzuessen. Sei sparsam und klage nicht, die Zukunft ist ungewiss! Im Regal warten also noch 350 Gramm Buchweizenmehl, ein Kilo Sechs-Korn-Mischung und 500 Gramm Soja-Granulat, alles Reste aus dem kurzen Intermezzo als Veganer. Sollte die Lage sich weiter zuspitzen, stünde als letzter Trunk noch eine Flasche Niersteiner Oberer Ölberg, Silvaner, Jahrgang 1964, bereit, außerdem eine Dose Kimchi, Ablaufdatum 06.04.2018.

Jetzt aber zum Positiven: Vom Bürotisch sind es nur sieben Meter Luftlinie zur Couchgarnitur. Wie sie daliegt, in der milden Frühlingssonne! Kissengeschmückt. Polsterweich. Ärzte sind sich einig, dass ein Mittagsschlaf das Immunsystem stärkt. Man muss bloß aufpassen, dass man nicht allzu verschnarcht wirkt, wenn ein ganz Wichtiger - schlimmstenfalls der Chefredakteur - anruft und mit Durchsagen stört. Deshalb sollte man sich den Spruch schon vorher überlegen: "Ja klar, habe ich auf dem Schirm!" - "Ja, da sind wir längst dran." - "Ich habe ein VPN-Problem." Irgend so was halt. Von nächster Woche an geht auch der Spruch: "Sorry, würden wir gerne machen, aber leider Kurzarbeit."

So neigt sich, um jetzt zum leicht süßlichen Schluss zu kommen, die vierte Woche dem Ende zu. Hoffentlich wird uns der Söder bald wieder rauslassen.

© SZ vom 18.04.2020/vewo
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