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Corona-Krise:Wie Bayern den Mangel an Schutzmasken künftig vermeiden will

Coronavirus - Firma fertigt Schutzmasken

Woher sollen all die Masken kommen?

(Foto: Jens Büttner/dpa)
  • Für die Zeit nach den Ausgangsbeschränkungen erwägt man im Freistaat eine Maskenpflicht. Praktisch die ganze Bevölkerung müsste laufend versorgt werden.
  • Noch bestreitet Bayern nach SZ-Informationen einen Großteil des Bedarfs über Bestellungen vor allem aus China.
  • Nun soll eine "Notfallwirtschaft" aufgebaut werden: Sowohl das "effektive Selbstnähen" als auch die Produktion von Schutzausrüstung und sogar Beatmungsgeräten durch bayerische Firmen sollen hochgefahren werden.

Die bayerische Staatsregierung will vorbereitet sein für die Zeit danach. Auch deshalb wird in der Staatskanzlei alles daran gesetzt, so viel Schutzmasken wie möglich aufzutreiben, heißt es aus Regierungskreisen. Die Vorkehrungen sollen unter anderem für den Zeitraum gedacht sein, wenn die rigiden Ausgangsbeschränkungen gelockert würden.

Derzeit gelten diese vorerst bis zum 19. April. Je mehr Bewegungsfreiheit die Menschen wieder erlangten, desto wichtiger werde der Schutz im Alltag, heißt es. Dann beginne die Phase, in der sogenanntes Smart Distancing entscheidend sei. Für diese Zeit wird auch in der Staatsregierung über eine Maskenpflicht diskutiert, beispielsweise am Arbeitsplatz oder in Supermärkten. "Sollte in Bayern eine Entscheidung nötig werden, bei gewissen Tätigkeiten eine Maske zu tragen, würde der Bedarf massiv steigen. Darauf bereiten wir uns sicherheitshalber vor", heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Dann müsste praktisch die ganze Bevölkerung - Bayern hat etwa 13 Millionen Einwohner - mit Schutzmasken versorgt werden. Den konkreten Plan, eine Maskenpflicht einzuführen, gebe es aber nicht, lässt die Staatskanzlei wissen. Doch woher sollen all die Masken für Bayern kommen?

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Noch kommen die Lieferungen aus China. Aber es ist unsicher, ob das so bleibt

Noch bestreitet der Freistaat nach SZ-Informationen einen Großteil des Bedarfs über Bestellungen bei Händlern vor allem aus China. Es besteht allerdings die Befürchtung, dass China in Zukunft vermehrt darauf achten werde, seinen eigenen Bedarf zu decken. Dazu kommt, dass nahezu die ganze Welt Schutzausrüstung bestellt und es deshalb zu erheblichen Lieferengpässen kommen kann.

Vor zwei Wochen etwa sollen in der Staatskanzlei die Sorgen groß gewesen sein, dass die Schutzausrüstung nur noch 14 Tage reicht, wenn versprochene Lieferungen nicht kämen. Sie kamen, und in der Regierung zeigt man sich zuversichtlich, dass sie auch weiterhin täglich eintreffen. Mit Sicherheit sagen aber kann das niemand. Deshalb hat Bayern das Ziel, eine "Notfallwirtschaft" aufzubauen, also selbst Schutzausrüstung oder sogar Beatmungsgeräte zu produzieren.

Dazu werden auch ungewöhnliche Wege beschritten. So verteilt Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) Vliesrollen in den Landkreisen und fordert zum Selbstnähen von Masken auf. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sollen Firmen oder etwa Pflegeeinrichtungen so sechs Millionen Masken selbst produzieren. Um eine bessere Qualität, sogenannte FFP2-Masken, herzustellen, braucht es aber eine Zertifizierung. Sowohl das "effektive Selbstnähen" als auch die Produktion durch bayerische Firmen sollen weiter hochgefahren werden.

Derzeit sei man in Abstimmung mit Firmen, die bereit seien, ihre Produktion auf Schutzkleidung umzustellen. Auch über die Herstellung von Beatmungsgeräten spreche man mit Unternehmen. Die technische Seite sei einfacher zu realisieren als die notwendige Zertifizierung. Bis die Produktion "Made in Bavaria" anläuft, dürften indes Wochen vergehen. Dann aber soll die Produktionsmenge nach oben offen sein. Ein Bundesamt für Schutzkleidung, das die Verteilung zentral steuert, sieht die Staatskanzlei skeptisch. Es brauche keine zusätzlichen Strukturen, die Zuständigkeit liege ohnehin bei den Ländern.

© SZ vom 01.04.2020/mmo

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