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Blattmacher-Wettbewerb:"Habt Mut, online zu gehen"

Wer im Internet publiziert, steht vor vielen Chancen und Hürden. Die Online-Gewinner verraten, wie die Schülerzeitung im Netz ein Erfolg wird.

Für Schülerzeitungen ist das Internet ein toller Ort: Redakteure und Leser fühlen sich dort daheim, Kreativität, Meinungsaustausch und Darstellungsformen sind kaum Grenzen gesetzt. Beste Voraussetzungen also für eine spannende Zeitung - theoretisch. Wie es praktisch geht, wissen die Online-Gewinner des Blattmacher-Wettbewerbs.

Das Freinger Zwitscher-Blatt (Gymnasium Freyung) hat eine gemeinsame Plattform für schwierige Gesellschaftsthemen wie Homophobie und aktuelle Themen aus dem Schulalltag geschaffen. W.I.R. Media (Wirtschaftsschule im Röthelheimpark Erlangen) überzeugte die Jury mit "modernem Auftritt", Fußballticker und "knackigen Überschriften". Und die News Kids (Grund- und Mittelschule Strullendorf) demonstrierten Multimedialität: mit Videos, Podcasts und Quizzes.

Schülerzeitung Herausforderung Erwachsenwerden
Schülerzeitungswettbewerb

Herausforderung Erwachsenwerden

Der "Innfloh" untersucht ein komplexes Thema: "Wer bin ich? Die Belohnung für das Titelthema "Selbstfindung" ist der zweite Platz beim Schülerzeitungswettbewerb Blattmacher 2017/2018.   Von Natalija Djakovic und Caroline Jäger

Auf den ersten Blick wirken die Sieger sehr verschieden. Auf den zweiten eint sie Vieles. Sie wissen, dass das Internet sowohl ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten als auch der Tücken sein kann. Und sie wissen, worauf es ankommt, damit die Möglichkeiten überwiegen. Zum Beispiel bei der Grundlage jeder Online-Zeitung: der Technik. "Programmiert keine Seite selbst, das ist viel zu kompliziert", warnt Valentin Wagner vom Freinger Zwitscher-Blatt: "Entscheidet euch für einen einfach zu bedienenden Webhoster, der zuverlässig und schnell beim Upload von Bildern und Texten ist."

Ähnlich sieht das die Redaktion der News Kids. Tatsächlich gibt es eine Vielzahl günstiger Content-Management-Systeme (CMS), die sich bequem via App oder Browser verwalten lassen. Diese CMS funktionieren nach dem Baukastenprinzip. Sie bieten erste Strukturen und Designs, neue Beiträge können direkt eingepflegt werden. Dennoch braucht es ordentlich Hirnschmalz, um die Online-Zeitung leserfreundlich zu strukturieren und mit einer passenden Optik zu versehen. Die Kollegen von W.I.R.Media raten: "Überladet eure Seite nicht, entscheidet euch für ein klares und übersichtliches Design."

Eine weitere Hürde ist die Organisation. Weil Online-Zeitungen aktueller und in verschiedenen Formaten publizieren, wird das Zusammenspiel aller Beteiligten wichtiger. "Trefft euch regelmäßig", sagt die W.I.R.Media-Redaktion. Sie konferiert jede Woche eineinhalb Stunden lang. Das bringt auch eine klare Aufgabenverteilung und beugt Fehlern vor. "Ich würde empfehlen, den Artikel vor Onlinestellung immer von einem weiteren Redakteur gegenlesen zu lassen", sagt Elias Segl vom Freinger Zwitscher-Blatt. Kollegin Anna Grimbs ergänzt: "Neben Redakteuren braucht ihr jemanden für das Layout, für die Finanzen und einen Chefredakteur, der die Redaktion leitet und organisiert." Sinnvoll sei, jede Funktion doppelt zu besetzen.

Die News Kids haben gute Erfahrungen mit einem internen Redaktionsforum gemacht, "zum schnelleren Info- und Datenaustausch". Dabei könnten auch Dienste wie Dropbox oder Google Drive helfen. Besonders knifflig - aber spannend - ist die Umsetzung verschiedener Darstellungsformen. Wer Videos, Podcasts oder interaktive Grafiken zeigen will, muss zunächst verstehen, wie diese Formate technisch funktionieren und was beim Publikum ankommt. Danach lässt sich mit relativ wenig Aufwand große Wirkung erzielen, wie die News Kids verraten: Videos etwa könnten kostengünstig mit Smartphones aufgenommen werden.

Stative verhinderten Bildwackeln, Knopfmikros sorgten für bessere Tonqualität. Zum Schneiden reichten "die Bordmittel von Windows" oder andere Freeware. Bei Podcasts sollten zwei oder drei Personen abwechselnd sprechen, das wirke dynamischer.

Allen Hürden zum Trotz: Die Online-Schülerzeitung ist eine Chance für alle. Die Leser profitieren, weil sie schneller und vielfältiger informiert werden, auch zu Themen außerhalb des Schullebens. Und die Redakteure erreicht direkter, was ihre Leser interessiert. Gerade dank Videos oder Podcast könne man zudem "noch kreativer arbeiten", heißt es etwa von der Redaktion von W.I.R.Media. "Habt Mut, online zu gehen."

Schülerzeitung Veränderung durch eine DIN-A5-Seite

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