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Schule in Bayern:"Danke für die Heizungen, die nie warm werden"

Auf Instagram gratulierte ein Schüler des Kepler-Gymnasiums in Weiden mit zahlreichen Motiven aus seiner Schule zum 150-jährigen Bestehen. Er bekam dafür 800 Herzchen und Dutzende Kommentare.

Ein Schüler dokumentiert den angeblich maroden Zustand seines Weidener Gymnasiums auf Instagram. Doch wie schlimm ist es mit dem Investitionsstau an Bayerns Schulen wirklich? Eine Spurensuche.

Eine Salami-, eine Tomaten-, eine Gurkenscheibe. Das sind die Zutaten einer Debatte, die sich am Kepler-Gymnasium in Weiden abspielt. Denn die Kombination Salami, Tomate, Gurke ergibt zwar ein feines Pausenbrot, aber in Weiden kleben diese Zutaten scheibenweise an der Schuldecke. Und das seit zehn Jahren, behauptet ein Schüler, der seiner Schule neulich via Instagram zum 150. Geburtstag gratulierte. "Danke für die Heizungen, die nie warm werden", schrieb er: "danke für die Pflanzen, die aus der Decke wachsen", danke auch für Salami, Tomate und Gurke. Dazu gab es Fotos, die offensichtlich den Zustand des Gymnasiums belegen sollten. Dafür bekam der Schüler mehr als 800 Herzchen und Dutzende Kommentare: "so true", "so real", "kann es nicht besser ausdrücken".

Die vergifteten Glückwünsche haben offenbar einen Nerv getroffen, nicht nur in Weiden. Man hört das ja immer wieder: dass sehr viele Schulen sehr renovierungsbedürftig sind - und dass die Sanierungen sehr langsam vorangehen. Wie schlimm ist es wirklich? Nicht nur am Kepler-Gymnasium, sondern überhaupt in Bayern?

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Die Weidener Schulleiterin Sigrid Bloch sagt: "Wir können durchaus mithalten mit anderen Gymnasien in Bayern." Das klingt besorgniserregend, Bloch meint das aber ganz anders. "Dass wir neue Fenster brauchen, eine neue Heizungsanlage, auch neue Schulmöbel, dass wir in den Gängen bestimmte Sachen moderner gestalten können, das ist ganz klar." Doch was den Unterrichtsbetrieb betreffe, "geht es uns relativ gut." Sie habe sich schon ein wenig geärgert über den Instagram-Post, vor allem über das Foto mit dem Tageslichtprojektor, der verdächtig nach Neunzigerjahren aussieht. Das Gebäude möge teils marode sein, "aber hier ist nicht alles auf dem Stand von 1970": Man habe Beamer, digitale Tafeln. Überhaupt, sagt Bloch, die Pläne für eine Generalsanierung seien weit fortgeschritten. So große Bauprojekte "ziehen sich", das sei doch normal. Und es gebe noch andere Schulen in Weiden, an der Realschule etwa musste die Schwimmhalle erneuert werden, die Stadt könne nicht alle Sanierungsfälle gleichzeitig stemmen. Und jetzt sei ja "fest eingeplant, dass das Kepler saniert wird", sagt Bloch.

Also, alles halb so schlimm, auch anderswo? "Der Investitionsstau bei den bayerischen Schulen ist enorm", sagt Ursula Sowa, die für die Grünen im Landtag sitzt. Diese Schlussfolgerung zieht sie aus einer Antwort des Finanzministeriums. Sowa hatte gefragt, wie viele Anträge von Schulen bei einem Förderprogramm des Bundes nicht berücksichtigt würden. Die Summe dieser nicht genehmigten Anträge beläuft sich auf 666 Millionen Euro in einem Jahr. "Hier wartet also noch ein gewaltiger Sanierungsbedarf auf Gelder", sagt Sowa. Und dabei handele es sich nicht mal um alle Kommunen, sondern nur um finanzschwache.