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Bildung in Bayern:So sollen die letzten beiden Jahre vor dem Abitur aussehen

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Statt für mehr Stoff soll die zusätzliche Zeit in den Leistungsfächern für neue Unterrichtsmethoden, Exkursionen oder Experimente genutzt werden.

(Foto: Uli Deck/dpa)
  • Lehrer-, Schüler-, Eltern- und Direktorenvertreter arbeiten seit 2017 gemeinsam mit dem Ministerium am neuen G 9 und präsentieren regelmäßig Neuigkeiten.
  • Am Donnerstag stellte Kultusminister Michael Piazolo (FW) das Konzept für die letzten beiden Jahre vor dem Abitur vor.
  • Schüler können künftig Fächer auswählen und individuelle Schwerpunkte setzen. Entscheidende Fragen zur Abiturprüfung sind aber nach wie vor ungeklärt.
  • Die ersten G-9-Schüler kommen 2024 in die zwölfte Klasse.

Auf Jahre des massiven Streits ums bayerische Gymnasium folgt seit 2017 der zelebrierte Kuschelkurs. Lehrer-, Schüler-, Eltern- und Direktorenvertreter arbeiten mit dem Ministerium gemeinsam am neuen G 9. In betonter Einigkeit präsentiert diese Arbeitsgruppe alle paar Monate Neuigkeiten.

Am Donnerstag stellte Kultusminister Michael Piazolo (FW) das Konzept für die letzten beiden Jahre vor dem Abitur vor. Schüler können künftig Fächer auswählen und individuelle Schwerpunkte setzen. Im G 8 war das nicht vorgesehen, was viele Lehrer und Eltern nostalgisch ans G 9 zurückdenken ließ und den Kampf für ein neues anheizte. Im Unterschied zu den im Sommer präsentierten "Eckpunkten", wirkten diesmal alle Vertreter der Schulfamilie und des Ministeriums zufrieden.

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Allerdings sind entscheidende Fragen zur Abiturprüfung nach wie vor ungeklärt: Offen ist, ob Mathe und Deutsch verpflichtende Prüfungsfächer für alle bleiben, und wie viele Leistungen aus der zwölften und 13. Klasse in die Gesamtwertung eingebracht werden. Damit befasse sich die Arbeitsgruppe als nächstes, sagte Piazolo. Wichtiger sei, dass nun die Arbeit am Lehrplan beginnen könne. Die ersten G-9-Schüler kommen 2024 in die zwölfte Klasse, aber üppig ist der zeitliche Puffer nicht.

Wie die beiden Jahre vor dem Abitur heißen sollen, steht laut Piazolo nicht fest. Als Arbeitstitel nannte er "Profil- und Leistungsstufe", die Oberstufe schließt die elfte Klasse mit ein. Klar ist dagegen, dass dieses Konzept es nun allen recht machen soll. Aus Sicht der Arbeitsgruppe ist das gelungen. Denn Schüler sollen künftig aus allen Fächern eines auswählen und vertieft belegen können. Kein Fach wird benachteiligt. In diesem Leistungsfach haben Schüler in beiden Jahren zwei Stunden zusätzlichen Unterricht: Statt drei Stunden Englisch oder Biologie sind es im Leistungsfach fünf. Geschichte, Religion oder Musik sind mit je zwei Stunden für alle vorgesehen, als Leistungsfach sind es vier Stunden.

Deutsch und Mathematik sind von dieser Regel ausgenommen, weil sie als entscheidend gelten für Erfolg im Abitur: Alle Schüler haben wie im G 8 vier Stunden Deutsch- und Matheunterricht pro Woche. Das gilt nach den Regeln der Kultusministerkonferenz bereits als "erhöhtes Niveau". Bayern bleibt also beim Sonderweg, das Niveau des bayerischen Abiturs sollte mindestens gehalten werden. Piazolo spricht nun sogar von einer Steigerung.

Schüler, die noch mehr Mathe oder Deutsch wollen, können in der zwölften Klasse einen Vertiefungskurs mit zwei zusätzlichen Stunden belegen. Das Wissenschaftspropädeutische Seminar bringt weitere zwei Stunden fürs Lieblingsfach. In der 13. Klasse gibt es keinen Vertiefungskurs, aber Differenzierungsstunden für schwächere Schüler. Diese doppelte Förderung war den Schülersprechern wichtig, ebenso wie die Stärkung der politischen Bildung. Mehr Politikunterricht fordern sie seit vielen Jahren. Entsprechend zufrieden zeigte sich Landesschülersprecher Joshua Grasmüller: Die Entkoppelung des Politikunterrichts vom Fach Geschichte samt Vertiefung nannte er "herausragend".

Zwar ist das Wort "Leistungskurs" im Ministerium tabu, denn dieses neue G 9 soll keine Erinnerungen an das alte Konstrukt wecken. Trotzdem kommen Schüler mit einer Kombination aus einem Leistungsfach und einem Vertiefungskurs in Mathe oder Deutsch der doppelten Schwerpunktsetzung des alten G 9 sehr nahe. Und dem Konzept, das die Gymnasiallehrer favorisieren. Philologenchef Michael Schwägerl betonte aber, dass die Zusatzstunden nicht mehr Stoff bedeuten, sondern Raum für Exkursionen und Experimente. Susanne Arndt, Vorsitzende der Landeselternvereinigung, nennt das Konzept einen "großen Wurf", weil Schüler zwar wählen können, diese Wahl aber an kleinen wie großen Schulen umsetzbar sein soll.

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Voraussetzung fürs Wunschkonzert bleibt allerdings die Mindestschülerzahl für einen Kurs. Wie hoch dieses Minimum ist, steht noch nicht fest. Zwar will die Staatsregierung 1450 Lehrerstellen ins G 9 investieren, die Berechnung des Stundenbudgets hängt aber an der Schülerzahl. Bei sehr kleinen Kursen müssten Schulleiter wohl an anderer Stelle sparen. Trotzdem zeigt sich auch Walter Baier, Chef der Direktorenvereinigung, zufrieden. Das Abitur verliere keine Errungenschaften des G 8, sondern "gewinne" neue dazu, sagte er.

Während die Arbeitsgruppe schwelgt, beklagt Matthias Fischbach (FDP), dass die Reformpläne nicht weit genug gingen. Er fordert zwei fünfstündige Leistungsfächer statt einem "Leistungsfach light". Für Gabriele Triebel (Grüne) holt Piazolo mit dem Konzept nur "Versäumnisse" aus der Unter- und Mittelstufe auf, statt ein "Gymnasium aus einem Guss" zu schaffen.

© SZ vom 22.11.2019/syn
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