Berchtesgaden Soll man Brände im Nationalpark einfach brennen lassen?

Bei Bränden in unzugänglichem Gelände, wie hier bei Bad Reichenhall, helfen Hubschrauber dabei, der Flammen schneller Herr zu werden.

(Foto: imago)
  • Im Nationalpark Berchtesgaden hat es einen Waldbrand gegeben, den die Feuerwehr unter Kontrolle gebracht hat.
  • Andere Nationalparks lassen Brände von selbst ausgehen, was eigentlich zum Konzept "Natur Natur sein lassen" der Nationalparks passt.
Von Christian Sebald, Berchtesgaden

Das war Maßarbeit im Nationalpark Berchtesgaden. Am Mittwochmorgen hat ein Berufsjäger im Bergwald oberhalb des Königssees mehrere kleine Schwelbrände entdeckt - offenbar ausgelöst durch einen Blitzschlag bei einem schweren Gewitter am Vorabend. Sofort rückten die Feuerwehren aus der Region mit starken Einsatzkräften an. Zwar war der Brandort selbst keine tausend Quadratmeter groß. Aber er lag denkbar ungünstig mitten in einem unzugänglichen Steilhang an der Kesselwand.

Also legten die Feuerwehren eine Wasserleitung von einer Forststraße hinunter zum Brandort. Aus der Luft unterstützten Helikopter mit Löschbehältern die Einsatzkräfte am Boden. In der Mittagszeit war der kleine Waldbrand unter Kontrolle. Die Feuerwehren löschten nur noch Glutnester ab. Am Nachmittag sollte ein Polizeihubschrauber mit einer Wärmebildkamera kontrollieren, ob das Feuer wirklich überall aus ist.

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Satellitenbilder und Untersuchungen vor Ort sollen darauf hindeuten, dass Feuer gelegt wurden.

So glimpflich der kleine Waldbrand an der Kesselwand abgegangen ist, so sehr rührt er an das Dilemma, in dem sowohl der Nationalpark Berchtesgaden als auch der im Bayerischen Wald immer mal wieder stecken. Offiziell herrscht in den beiden Großschutzgebieten der Nationalpark-Grundsatz: "Natur Natur sein lassen." Bei Schädlingen wie dem Borkenkäfer, der vor allem im Bayerischen Wald viele Hundert Hektar alten Fichtenwald dahingerafft hat, ist er nach langen und heftigen Streitereien akzeptiert. Zumal sich längst zeigt, wie vital und urwüchsig die jungen Wälder sind, die auf die alten Forste folgen. Ganz anders bei Waldbränden.

Zwar entzünden sich in den Nationalparks eher selten Waldbrände. Der letzte größere brach im August 2013 im Nationalpark Bayerischer Wald aus. Aber wenn es doch einmal passiert, ist sofort ein Großaufgebot an Feuerwehren zur Stelle und löscht, bis das Feuer aus ist. Dabei gehören Waldbrände wie der Borkenkäfer zur Natur. In anderen Nationalparks, etwa im amerikanischen Yosemite National Park, der dem Nationalpark Berchtesgaden partnerschaftlich verbunden ist, lässt die Parkverwaltung Waldbrände so lange brennen, bis sie von selbst ausgehen. Die einzige Voraussetzung: Von ihnen darf keine Gefahr für Menschen, Gebäude und andere Infrastruktur ausgehen. Wenn doch, greift auch in Yosemite sofort die Feuerwehr ein.

Auf den schwarzen Böden beginnt schon nach kurzer Zeit üppiges Wachstum

Der Grund, warum Nationalparks Waldbrände gewähren lassen, ist der gleiche wie für das Gewährenlassen des Borkenkäfers: Feuer setzt eine ganz besondere natürliche Dynamik in Gang. Auf den schwarzen Böden beginnt schon nach kurzer Zeit üppiges Wachstum. Und in den verkohlten Bäumen siedeln sich ganz besondere Brandkäfer an. In Bayern kann man das Naturschauspiel nach weitläufigen Bränden nur auf Truppenübungsplätzen beobachten.

Zum Beispiel in Grafenwöhr. Die Granaten und Geschosse, welche die US-Soldaten dort abfeuern, lösen auf dem Übungsgelände immer wieder Feuer aus. Bisweilen sind sie mehrere Hundert Hektar groß und brennen tagelang. Die Folge: In Grafenwöhr erhält sich eine einzigartige Steppenlandschaft, wie es sie sonst nirgendwo in Bayern gibt. Ihr Reichtum an Pflanzen und Tieren ist dem in Nationalparks ebenbürtig.

In den bayerischen Nationalparks ist es bislang unvorstellbar, einen Waldbrand gewähren zu lassen. "In unserem Nationalparkplan, der den Naturschutz hier regelt, kommen die Worte Brand und Feuer nicht vor", sagt der Chef der Abteilung Naturschutz in Berchtesgaden, Ulf Dworschak. "Wenn wir den Grundsatz Natur-Natur-sein-Lassen wirklich ernst nehmen wollen, sollten wir uns da für unseren neuen Plan etwas überlegen." Das dürfte nicht so einfach werden. Der Yosemite National Park ist fast fünf Mal so groß wie der in Berchtesgaden.

Da kann man einen Waldbrand schon mal brennen lassen. "Hier bei uns ist alles sehr viel kleinräumiger, wir haben so viele Wanderwege und Besucher, dass wir beim Natur-Natur-sein-Lassen Zugeständnisse machen müssen", sagt Dworschak denn auch. Und da ist noch ein Punkt. Ein Waldbrand löst Urängste aus. Schon allein deshalb würde ein Großteil der Bevölkerung - vor allem in der Region Berchtesgaden - wohl nicht akzeptieren, wenn die Nationalparkverwaltung einen Waldbrand brennen lassen würde, bis er von selbst ausgeht. Selbst wenn die Feuerwehr ihn noch so gut unter Kontrolle hätte.

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