Waldbrände in Griechenland:Griechische Behörden vermuten Brandstiftung

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Der Küstenort Mati wurde von den Bränden besonders schwer getroffen. (Foto: REUTERS)
  • Die Brände in der Umgebung von Athen könnten einem griechischen Regierungspolitiker zufolge von Brandstiftern gelegt worden sein.
  • Die Zahl der Toten dort ist mittlerweile auf mindestens 83 gestiegen. Zahlreiche Menschen werden noch vermisst.
  • Die Feuer sind inzwischen weitgehend gelöscht, für die Bevölkerung besteht keine Gefahr mehr.

Die verheerenden Waldbrände haben Griechenland tagelang in Schach gehalten. Mittlerweile hat die Feuerwehr die Brände zwar weitgehend unter Kontrolle, doch der Schock bei den Betroffenen sitzt tief. Offiziell sind 83 Menschen durch die Flammen ums Leben gekommen, wie viele Tote sich noch in den Trümmern der zerstörten Häuser befinden, ist unklar. Angehörige haben DNA-Proben in den Leichenschauhäusern von Athen abgegeben, um Verwandte und Freunde überhaupt identifizieren zu können.

Während die Suche nach den Vermissten weitergeht, gibt es jetzt auch einen konkreten Verdacht, wie die Feuer ausbrechen konnten. Dem griechischen Minister für Öffentliche Ordnung, Nikos Toskas, zufolge gebe es Indizien dafür, dass es sich um Brandstiftung handele.

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Von Luisa Seeling

Aus Aufnahmen von Satelliten ergebe sich, dass westlich von Athen binnen kürzester Zeit mehrere Brände entlang einer Straße ausgebrochen waren. Östlich von Athen, wo die meisten Menschen umgekommen waren, habe sich der Brand wegen enorm starker Winde rasch ausgebreitet. "Es gibt auch hier nicht nur Indizien, sondern auch Anzeichen der Brandstiftung", sagte Toskas. Details wollte er aber nicht nennen, um die laufenden Ermittlungen nicht zu behindern. Festnahmen von Verdächtigen habe es bislang nicht gegeben, so der Minister weiter.

Die Bevölkerung fühlt sich von der Regierung im Stich gelassen

Auch Fehler der Feuerwehr und der Polizei schloss der Minister nicht aus. "Es wehten Winde der Stärke zehn bis elf. Sowas haben wir noch nie gehabt", so Toskas. Er habe dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras seinen Rücktritt angeboten. Tsipras habe ihm gesagt, dass jetzt "die Stunde des Kampfes sei", und seinen Rücktritt nicht angenommen.

Viele Betroffene haben sich allerdings schon zuvor enttäuscht von der Regierung gezeigt. Sie fühlen sich im Stich gelassen und werfen den Behörden vor, nicht gut auf die Katastrophe vorbereitet gewesen zu sein - und das, obwohl Waldbrände in Griechenland keine Seltenheit sind. Empörung verursachte eine Aussage von Verteidigungsminister Panos Kammenos. Er gab den Anwohnern eine Mitschuld an dem Ausmaß der Katastrophe. Einige von ihnen hätten illegal Häuser errichtet, die Fluchtrouten blockiert hätten, sagte er dem Sender BBC. Ein Video zeigt den Minister beim Besuch von Mati östlich von Athen, das von den Bränden besonders schwer getroffen wurde. Wütende Anwohner umringen Kammenos und werfen ihm vor, sie im Stich zu lassen.

Derweil wird das Ausmaß der Katastrophe immer deutlicher: Nach einer ersten Bilanz haben staatliche Ingenieure 2489 Häuser in der Gegend östlich von Athen überprüft. Davon sei fast die Hälfte unbewohnbar. Die Regierung kündige für die von der Katastrophe betroffenen Bewohner Hilfen an. Demnach sollen die Menschen eine einmalige Unterstützung von bis zu 6000 Euro, Steuererleichterungen und günstige Kredite für den Wiederaufbau bekommen. Auch ein Spendenkonto wurde eingerichtet.

Die Feuer waren Anfang der Woche in der Umgebung rund um Athen ausgebrochen. Tausende Menschen waren auf der Flucht, an den Küstenorten sprangen sie ins Meer, um den Flammen zu entkommen. Erst am Mittwoch konnte die Feuerwehr die Brände unter Kontrolle bringen. Ganze Siedlungen haben die Flammen in apokalyptische Landschaften verwandelt. Die Überlebenden stehen in den Trümmern ihrer Existenz, bis die Infrastruktur wiederhergestellt ist, kann es noch Wochen dauern.

© SZ.de/ap/dpa/eca/ankl - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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