Spritpreise:Bayern endlich nicht mehr Spitze

Lesezeit: 1 min

Spritpreise: Tanken war in Bayern zuletzt sogar für deutsche Verhältnisse besonders teuer.

Tanken war in Bayern zuletzt sogar für deutsche Verhältnisse besonders teuer.

(Foto: Christoph Reichwein/dpa)

Tanken ist im Freistaat nicht mehr teurer als im übrigen Deutschland. Trotzdem kann man nur hoffen, dass sich die Österreicher kein Beispiel an den Franzosen nehmen.

Glosse von Maximilian Gerl

Ja, natürlich gibt es schroffe Berge und guttural klingende Laute auch diesseits der Grenze. Aber nein, es war ganz sicher nicht nur der Tanktourismus, der neulich zum Ausflug nach Tirol trieb. Ab und zu will die Nase vom Duft des Exotischen umweht werden - und seien es schwindelig schwere Dämpfe wie an jener Tankstelle in Hall, die ganz zufällig auf dem Weg lag. Den Liter Super gab es dort für 1,729 Euro, so kann man es auch Tage später ungläubig auf dem Kassenbon nachlesen. Kein Schnäppchen und roch doch danach.

Billig ließ sich ja in Bayern lange kein Rüssel mehr an einer Tankstelle versenken. Im Gegenteil: Das war in Bayern zuletzt sogar für deutsche Verhältnisse besonders teuer. Ob in Hamburg oder Berlin, überall tankte es sich günstiger als im Freistaat. Teils kostete hier der Liter Diesel 13, 14, 15 Cent mehr. Wer musste da noch nach Beweisen für die von der Staatsregierung aufgestellte These suchen, dass Bayern systematisch vom Bund benachteiligt werde, wo es doch gut sichtbar an jeder Straße auf den Preistabellen stand?

Die gute Nachricht daher für patriotische Pkw-Lenker: Bayern wird beim Tanken nicht mehr länger benachteiligt. "Regionale Unterschiede geschmolzen", meldete der ADAC vergangene Woche. Demnach ist Bayern bei den Spritpreisen ins Mittelfeld zurückgefallen, mit durchschnittlich 1,935 Euro für den Liter Super und 2,135 Euro für den Liter Diesel. Ganz vorne liegen dafür Schleswig-Holstein und Bremen, mit je ein paar Cent Vorsprung. Oder kurz: Tanken ist jetzt einfach für alle ungefähr gleich unerschwinglich.

Bleibt also nur noch der alte Vergleich mit Österreich. Zwar könnten auch da die Spritpreise demnächst anziehen, einer neuen "CO2-Steuer" wegen. Aber der Status als Sehnsuchtsland bayerischer Sprittouristen ist zu lange gewachsen, als dass man den wegen so ein bisserl Mehr gleich verlieren würde. Außer vielleicht, man macht es so wie Frankreich. Dort ist in einigen Grenzgebieten wegen Raffinerie-Streiks und Benzinknappheit vorerst der Spritverkauf in Kanistern verboten, damit die Deutschen sich die Autos nicht noch mehr vollmachen. Man stelle sich in Bayern nur den Aufschrei vor, würden solche Limits künftig auch für die Tankstellen in Tirol gelten.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusFernwärme
:Wo Heizölrechnung und Gaspreis fast keine Rolle spielen

Die oberbayerische Gemeinde Reit im Winkl hat ein eigenes Fernwärmenetz, das sich in der Energiekrise auszahlt. Dabei gab es vor mehr als 20 Jahren große Widerstände gegen das Projekt. Besuch in einem Ort, der sein Glück erst allmählich versteht.

Lesen Sie mehr zum Thema