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Wildtiere:Der einsame Luchs im Biber-Paradies

Eurasischer Luchs in herbstlich gefärbtem Laubwald in Bayern/Deutschland

Luchse, hier ein Exemplar aus dem Bayerischen Wald, sind extrem scheu. In freier Wildbahn bekommt man sie praktisch nicht zu Gesicht.

(Foto: Ralf Kistowski/imago)

Im niederbayerischen Kollbachtal ist ein Luchs in eine Fotofalle getappt. Vermutlich sucht er ein Revier in der Gegend. Dass er bleibt, ist jedoch eher unwahrscheinlich.

Das Kollbachtal nahe dem niederbayerischen Arnstorf (Landkreis Rottal-Inn) gilt als eine der idyllischsten Regionen im Hügelland zwischen Isar und Inn. Das liegt an der Kollbach. Sie mäandert frei durch die naturbelassene Landschaft, das Flüsschen wurde nie begradigt und kanalisiert. An den Hängen an seinem rechten Ufer wächst bisweilen dunkler Wald. Am linken Ufer erstrecken sich Wiesen, die häufig überschwemmt werden.

Bislang ist das Kollbachtal denn auch als Biber-Paradies bekannt. Jetzt ist dort ein Luchs entdeckt worden. Das Tier tappte vor etwa drei Wochen in eine Fotofalle, die ein Jäger in seinem Revier aufgestellt hatte. Zwar wird in der Gegend schon seit längerem spekuliert, dass sich hier ein Luchs niedergelassen haben könnte. Aber das Bild aus der Fotofalle ist der erste Beweis, dass tatsächlich einer im südlichen Niederbayern umherstreift.

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Bis auf den Nachweis ist praktisch nichts bekannt über die Raubkatze. Und das, obwohl sich Luchse für gewöhnlich sehr gut identifizieren lassen. Denn jeder hat eine individuelle Fellzeichnung, an der man ihn bestimmen und wiedererkennen kann. Das Foto aus der Wildkamera ist jedoch so ungenau, dass selbst Experten wie Sybille Wölfl vom Luchsprojekt Bayern den Luchs nicht identifizieren können. Gleichwohl geht Wölfl davon aus, dass es sich um ein junges Männchen aus dem Bayerischen Wald handelt.

Der Bayerische Wald, insbesondere die Region um den dortigen Nationalpark herum, ist das einzige Gebiet in Bayern, in dem Luchse heimisch sind. Die Population dort besteht aus 30 bis 40 Raubkatzen, beim jüngsten Monitoring wurden dort 29 erwachsene Luchse und sieben Jungtiere gezählt.

Junge Luchse - gleich ob Männchen oder Weibchen - machen sich im Alter von zehn Monaten selbständig und suchen sich ein eigenes Revier. Junge Männchen wandern dabei viel weiter als junge Weibchen. "Sie sind sehr explorativ", wie Wölfl sagt. Das ist der Grund, warum die Expertin vermutet, dass es sich bei dem Luchs im Kollbachtal um ein Männchen handelt. Die Distanz zwischen der Nationalpark-Region und dem Kollbachtal beträgt 60 Kilometer Luftlinie. Für ein Luchsmännchen ist sie gut machbar. "So ein Männchen auf Reviersuche wandert schon mal bis zu 150 Kilometer weit", sagt Wölfl.

Gleichwohl musste der Luchs auf dem Weg ins südliche Niederbayern zwei große Hindernisse überwinden: Die Autobahn A 3 und die Donau. Beide dürften für die Raubkatze kein Problem gewesen sein. Luchse sind nicht wasserscheu und außerdem gute Schwimmer. Und die A 3 überspannt immer wieder Täler und ist an diesen Stellen durchlässig für Wildtiere. Aus Wölfls Sicht sind das Kollbachtal und das niederbayerische Hügelland insgesamt ein guter Lebensraum für Luchse. Und zwar nicht nur, weil in der Region ausreichend Rehe und andere Beutetiere leben. Sondern weil es dort immer wieder kleinere oder größere Wälder und damit stille Rückzugsräume gibt, in denen die Tiere ungestört sind. Luchse sind extrem scheu, man bekommt sie für gewöhnlich nicht zu Gesicht.

Allerdings hat das Kollbachtal einen großen Haken. In seiner Umgebung ist weit und breit keine Luchsin anzutreffen. "Und die Chancen, dass eine zuwandert, sind gleich null", sagt Wölfl. Aus ihrer Sicht bleiben dem jungen Luchs längerfristig zwei Optionen. Entweder er dreht um und kehrt zurück in den Bayerischen Wald. Oder er wandert weiter in Richtung Süden. "Das Vilstal etwa wäre so eine Leitlinie, die sich dafür gut eignen würde", sagt Wölfl. Derzeit freilich fühlt sich der junge Luchs sehr wohl im Kollbachtal.

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