Prozess um toten Luchs Wilderei kommt vor Gericht

Derzeit leben 29 adulte und sieben junge Luchse im Bayerischen Wald. Das sind, auch dank der Arbeit der Polizei, so viele wie noch nie.

(Foto: obs)
  • Im September beginnt in der Oberpfalz ein für Naturschützer wichtiger Prozess gegen einen mutmaßlichen Wilderer.
  • Ein 53-jähriger Mann aus Lohberg im Bayerischen Wald soll Jagd auf Luchse gemacht und mindestens ein Tier erschossen haben.
  • Der Bayerische Wald ist die einzige Region im Freistaat mit einer kleinen Luchs-Population - immer wieder haben Unbekannte Tiere auf grausame Weise getötet. Wer geschützte Tiere wildert, kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.
Von Christian Sebald

Es ist noch ein Vierteljahr hin, aber in der Naturschutzszene gilt der Prozess am 12. September vor dem Amtsgericht Cham schon jetzt als wichtiges Signal. Denn es geht um Wilderei extrem seltener und streng geschützter Tiere. "Nach meinem Wissen ist das der erste Prozess dieser Art seit langer Zeit", sagt der Chef des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), Norbert Schäffer. "Wilderei geschützter Tiere ist kein Kavaliersdelikt, auch wenn das an manchem Stammtisch noch so gesehen werden mag." Der LBV und andere Organisationen fahren seit Langem eine groß angelegte Kampagne für eine scharfe Verfolgung und harte Bestrafung von Wilderern, gleich ob sie Raubvögeln, Luchsen oder anderen geschützten Tieren nachstellen. Für sie ist der Prozess ein wichtiger Erfolg.

Angeschuldigt ist ein 53-jähriger Jäger aus Lohberg im Bayerischen Wald. Die Staatsanwaltschaft Regensburg wirft dem Mann vor, im Lamer Winkel mit einer Falle Luchsen nachgestellt zu haben. In der Zeit zwischen Juni 2014 und September 2016 soll er einen Luchs gefangen und erschossen haben. Luchse sind streng geschützte Tiere, wer einen Luchs wildert, kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Außerdem muss sich der 53-Jährige wegen des Besitzes verbotener Waffen verantworten. Bei der Durchsuchung seines Wohnhauses in Lohberg hatten Polizei und Staatsanwaltschaft einen Wurfstern und ein Nachtzielgerät gefunden, deren Besitz in Deutschland verboten ist und mit einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren belegt werden kann.

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Der Bayerische Wald ist die einzige Region im Freistaat mit einer kleinen Luchs-Population. Sie geht zurück auf Wiederansiedlungsprojekte seit den Siebzigerjahren. In den vergangenen Jahren kam die Population allerdings nicht recht voran. Der Grund war, dass immer wieder Tiere spurlos verschwanden, ohne dass es dafür eine natürliche Erklärung gab.

Einige spektakuläre Wildereien legten alsbald den Verdacht nahe, dass Kriminelle am Werk sind. So vergiftete 2012 ein Unbekannter die Luchsin Tessa. Der Kadaver der Raubkatze, die aus Forschungsgründen einen Sender trug, wurde nahe Rinchnach entdeckt. Ein Jahr später schoss ein Unbekannter nahe Bodenmais eine trächtige Luchsin ab. Der Täter deponierte den Kadaver an einem Wanderweg, so dass er schnell entdeckt wurde. Im Frühjahr 2015 kam es dann zu dem bislang krassesten Fall. Ein oder mehrere Täter töteten das Luchspaar Leon und Leonie und trennten den Kadavern die Vorderbeine samt Schulterblättern ab. Auch sie legten die Teile an einer Stelle ab, an der sie rasch gefunden werden mussten.

Schäffer und andere Naturschützer stuften die Tat als makabres Zeichen von kriminellen Luchs-Gegnern ein, dass sie die streng geschützten Tiere im Bayerwald nicht haben wollen. Luchse sind vor allem unter Jägern umstritten - viele glauben, dass die Raubtiere so viele Rehe jagen, dass ihnen kaum noch welche bleiben.

Der angeschuldigte Jäger stand lange Zeit auch unter dem Verdacht, für die Wilderei an Leon und Leonie verantwortlich zu sein. Allen aufwendigen Nachforschungen und forensischen Untersuchungen zum Trotz konnten die Ermittler ihm aber die Tat nicht nachweisen. Weitere Wildereien, derer sich der Mann vor Zeugen gebrüstet hatte, konnten Polizei und Staatsanwaltschaft ebenfalls nicht so erhärten, dass es für eine Anklage ausgereicht hätte. Für LBV-Chef Schäffer ist schon von zentraler Bedeutung, "dass so lange und so konsequent ermittelt worden ist". Das sei lange Zeit nicht selbstverständlich gewesen.

Der LBV und andere Organisationen forderten ursprünglich eine Spezialeinheit gegen Wilderer, wie es sie etwa in Nordrhein-Westfalen gibt. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lehnte dies stets ab, wies aber offenkundig Polizei und Staatsanwaltschaften an, mehr Nachdruck auf die Verfolgung von Naturschutz-Straftaten zu legen. Der neue Kurs zeigt auch unabhängig von dem Prozess Wirkung. Zuletzt streiften im Bayerischen Wald 29 adulte Luchse und sieben junge herum - so viele wie nie seit Beginn der Zählungen. Außerdem gibt es seit zweieinhalb Jahren keinen Hinweis mehr auf Wildereien an Luchsen. Auch dies führt LBV-Chef Schäffer darauf zurück, "dass Polizei und Staatsanwaltschaft inzwischen massiv Druck machen bei solchen Straftaten".

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