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Fraktionschef Thomas Kreuzer:Die CSU hat keine Lust auf Königsmord

Vorstandssitzung der CSU-Landtagsfraktion

Thomas Kreuzer ist der Fraktionsvorsitzende der CSU.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Bayerns Ministerpräsident Söder kann sich auf den CSU-Fraktionschef voll verlassen. Bei den Abgeordneten sind Thomas Kreuzers ruppiger Stil und straffe Führung umstritten. Trotzdem darf er mit seiner Wiederwahl rechnen.

Von Johann Osel und Christian Sebald

Es war ein Knaller, punktgenau an jenem turbulenten Montag mit der K-Frage zwischen Armin Laschet und Markus Söder und dem Duell der Führungen von CDU und CSU. Als alles auf Söders Auftritt wartet, kommt die Pressemitteilung: "CSU-Fraktionschef Kreuzer fordert Mitgliederbefragung." Der Vorsitzende der "Herzkammer", wie sich die Fraktion selbst nennt, erklärte: Die K-Frage dürfe nicht "in engen Führungszirkeln entschieden" werden.

Eine neue Ebene in der Debatte, nah dran an der Eskalation. Ob Kreuzer von Söder in Marsch gesetzt wurde? Der hatte die Idee zuvor im Präsidium gehört. Ob es vorauseilender Gehorsam war? Oder ob er einfach für einen Kanzler Söder brennt (am Vortag hatte er hinter seine Unterstützung glatt ein Ausrufezeichen gesetzt)? Ist kaum zu klären. Fest steht: Söder kann sich auf den Fraktionschef voll verlassen.

Das wissen sie auch in der 84 Abgeordneten starken (nach Austritt des skandalumwobenen Alfred Sauter um einen Sitz geschrumpften) Fraktion. Am Mittwoch ist eine Neuwahl des Fraktionsvorstands angesetzt, inklusive Kreuzer. Dass der 61-jährige Allgäuer und frühere Staatskanzleichef wieder gewählt wird, gilt in Fraktionskreisen als ausgemacht. Mit Gedanken an eine "Abstrafung" möge zwar manch Kollege spielen, weil Kreuzers ruppiger Stil und straffe Führung umstritten seien, heißt es - das wäre aber in diesen Tagen, in denen Geschlossenheit der CSU bundespolitisch gefragt sei, undenkbar; auch in der Pandemie sei Streit ungut.

Selbst Kreuzers schärfste Kritiker haben "keine Lust, sich als Königsmörder zu versuchen, solange Söder die Hand über ihn hält", hört man. Es wäre ein Affront gegen den Ministerpräsidenten. Zu konservativ und altbacken, zu rabiat im Auftritt, Vollzugsorgan der Regierung - das sind Vorwürfe, die man über Kreuzer immer wieder hört. So hatte er auch in der Corona-Krise, in der viele Abgeordnete über den Druck von Handel, Gastronomie und Bürgern in ihren Stimmkreisen klagten, Disziplin sichergestellt.

CSU-Leute, die intern an Söders Maßnahmen zweifelten, votierten dann brav dafür. Der Abgeordnete und Ex-Minister Franz Pschierer warnt einem Medienbericht zufolge: Die Herzkammer müsse "aufpassen, dass es nicht zum Herzstillstand kommt." Sprich, mehr Leben - und mehr Eigeninitiative.

Lagebild am Vortag der Wahl: Kreuzer hat durchaus Gefolgsleute, Lob für Führungsstärke, politisches Gewicht und polternde Treffer gegen die Opposition ist leicht einzuholen. Andere meinen, "er gehört auf den Mond geschossen". Und viele wissen: Legt man sich mit Kreuzer an, brüskiert man Söder. Wer noch etwas werden will, unterlässt das lieber. Wahlausgang erwartbar. Ein kleiner Dämpfer sei drin, munkeln Kritiker. Andere betonen, die Formsache sei "kein großes Thema".

Steinerner Saal im Landtag, Dienstagnachmittag. Kreuzer in einer Fernsehschalte, es geht um den Kanzlerkandidaten. Kreuzers schwäbischer Bass echot in der leeren Halle: Die Stimmung bei den Bürgern sei pro Söder, eine "richtige Entscheidung" der K-Frage sei wichtiger als eine sehr schnelle. Nachgefragt zur Fraktionswahl - und zu Kritikern. In einer Krise wie der Pandemie, sagt er, brauche es "Zusammenhalt", auch wenn etwa bei der Außengastronomie mancher anders denke. Seit 1994 gehöre er der Fraktion an, sie habe immer und auch heute "ein gewichtiges Wort mitzureden". Der Termin zur Wahl falle auf die Halbzeit der Legislaturperiode. Er tritt damit Stimmen entgegen, die wähnen, er wolle sich im Trubel von Pandemie und K-Frage geräuschlos bestätigen lassen. Geräuschlos, das wäre aber wohl eh nicht Kreuzers Sache.

© SZ vom 14.04.2021/infu
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