Rückblick auf 2021:Sechs Menschen des Jahres im Freistaat

Lesezeit: 3 min

Vom Helden aus Würzburg bis zur Ordensschwester mit Kirchenasyl: ein Blick auf ganz besondere Persönlichkeiten des Jahres 2021 in Bayern.

Von SZ-Autoren

Vorsichtige

Rückblick auf 2021: Trifft sich seit zwei Jahren nur im Freien mit Verwandten und Freunden: Ärztin Carina Stadtmüller.

Trifft sich seit zwei Jahren nur im Freien mit Verwandten und Freunden: Ärztin Carina Stadtmüller.

(Foto: privat/oh)

Das Jahr hätte kaum schlechter beginnen können auf der Intensivstation 10/II des Klinikums Nürnberg. Schon im Januar waren alle Betten mit Covid-19-Patienten belegt, und die Fachärztin Carina Stadtmüller, 39, und ihre Kollegen mussten befürchten, sich anzustecken. Erst später kam der Impfschutz, zu spät für eine 53-jährige Kollegin, die an Covid starb. Am Jahresanfang, als man noch weniger über Corona wusste, seien viele "junge Leute wie du und ich" auf ihrer Station gewesen, mit monatelangen Krankheitsverläufen an der Lungenmaschine. Jetzt, in der vierten Pandemie-Welle, treffe sie oft auf ungeimpfte, uneinsichtige Menschen. Stadtmüller will nächstes Jahr wieder Weihnachten feiern - die Omikron-Variante könnte das verhindern, fürchtet sie. gru

Schutzbringerin

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(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Sie stehe zu dem, was sie getan habe und schließe nicht aus, es wieder zu tun, sagt Schwester Juliana, 38. Sie hatte zwei Nigerianerinnen in Oberzell im Franziskanerinnen-Kloster Kirchenasyl gewährt, die Schutz vor drohender Zwangsprostitution gesucht hatten. Dafür musste die Ordensschwester vor Gericht. Es folgte eine Verwarnung und sollte sie erneut straffällig werden, muss sie 600 Euro zahlen. Dagegen geht sie vor: "Schutzsuchende müssen zu ihrem Recht kommen", nur danach habe sie gehandelt. Kirchenasyl bleibe ein Thema, blicke man auf die belarussische Grenze oder das Mittelmeer. Nach "herausfordernden" Monaten sei etwas Ruhe eingekehrt, aber auch Unsicherheit. "Wann es weitergeht, ist völlig unklar." clli

Lebensretter

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(Foto: privat)

Chia Rabiei, 42, war einer der Ersten, die sich am 25. Juni dem Würzburger Messerangreifer in den Weg stellten; mit bloßen Händen und einer Tasche hinderte er ihn, weitere Menschen am Barbarossaplatz zu töten. Er sei sehr froh, dass ihm das gelungen sei, auch seine Eltern im Iran seien stolz auf ihn. "Aber der schwarze Freitag ist für immer in meinem Kopf." Im November wurde er mit der Bayerischen Rettungsmedaille ausgezeichnet. Auswirkungen auf sein Asylverfahren habe sein Handeln nicht gehabt. Nach schwierigen Monaten gehe es ihm jetzt gut, er habe einen Deutschkurs gemacht, arbeite in einem Restaurant. Seinen Aufenthalt muss er in sechs Monaten verlängern lassen. Er hofft, 2022 aus seiner Asylunterkunft in eine Wohnung zu ziehen. clli

Traditionsbewahrer

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(Foto: Matthias Köpf)

Es waren viele Menschen, die im Sommer in Schleching im Landkreis Traunstein zusammengeholfen haben, um den weit über den Chiemgau hinaus bekannten Berggasthof am Streichen als das Kulturerbe zu erhalten, das er ist. Eine Gruppe um Altbürgermeister Fritz Irlacher hat die Menschen erst aufgerüttelt und dann zusammengebracht, das Ehepaar Wilde hat sich mit viel Geld aus seiner Stiftung engagiert, die Stiftung Kulturerbe Bayern hat ihre Expertise und sogar noch etwas mehr Mittel beigesteuert. Anneliese Laute und Hans Strohmayer aber, die Geschwister des verstorbenen Streichenwirts, haben sich entschieden, ihr Erbe eben nicht meistbietend zu verscherbeln, sondern so zu erhalten, wie es ihrem Bruder und vielen anderen so am Herzen lag. kpf

Bildungsmacher

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(Foto: privat)

Es war eine Polit-Talkshow, die Alexander Wexler im Frühjahr auf den Plan rief. Während sich viele Kinder und Eltern fragten, wie sie jemals die Lücken aus den Schulschließungen wieder aufholen sollten, wurde dort mal wieder diskutiert. Wexler, Geschäftsführer eines Automobilzulieferers im Nürnberger Land, war frustriert: "Ich möchte nicht hören, wieso etwas nicht geht." Fünf Anrufe quer durch den Landkreis später stand die Idee: Ein Nachhilfenetzwerk sollte Schülern helfen, akademisch und auch emotional wieder in die Spur zu kommen. Wexler sammelte Geld und gab selber welches. Mit Erfolg: Mittlerweile sind die "Nachhilfeen" im gesamten Landkreis unterwegs. Auch die Finanzierung ist sicher: Sie läuft über das Kultusministerium. vfs

Wiederverwerter

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(Foto: privat)

Grün denken und Geld verdienen, das geht längst zusammen; dass die Idee aber gleich so einschlagen würde, hätte Maximilian Hundhammer (rechts) nicht gedacht. Eine Tonne Weinkorken wollte sein Rosenheimer Start-up Doghammer 2021 sammeln, um diese zu nachhaltigen Schuhen zu verarbeiten und zu verkaufen. Ein nach eigenen Angaben "sportliches Ziel". Doch weil in ganz Deutschland Menschen mitmachten, übertraf das Ergebnis die Erwartungen. 1,4 Tonnen schickten Hundhammer und Kompagnon Matthias Drexlmaier im November zum Partnerbetrieb nach Portugal, wo die Korken jetzt zu Stiefeln und Schlappen werden. Und weil das Ganze Anklang fand, soll es im neuen Jahr mit dem Sammeln und Upcyclen weitergehen. maxi

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