Bundestagswahl in Bayern:Grüne bleiben hinter den Erwartungen zurück

Bundestagswahl - Wahlparty Grüne Bayern

Claudia Roth hat in ihrem Wahlkreis sehr gut abgeschnitten.

(Foto: dpa)

Gut 14 Prozent erreicht die Partei nach Hochrechnungen bei der Bundestagswahl in Bayern: 4,2 Prozentpunkte mehr als 2017 - das bleibt doch deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück. Wie die Grünen am Wahlabend darauf reagieren.

Von Matthias Köpf

Für eine mögliche Jamaika-Koalition gibt es immerhin einen einzelnen Buh-Ruf, doch die Ampel erntet bei den Grünen in der Münchner Muffathalle überhaupt keine Reaktion. Die Stimmung auf der grünen Wahlparty ist zur Schließung der Wahllokale bestenfalls verhalten, und als dann Punkt 18 Uhr auf der großen Leinwand die ersten Prognosen aufscheinen, da wird bei den Grünen zwar erwartungsgemäß gejubelt, aber die Sonnenblumen und die papierenen Windräder auf den Tischen geraten da kaum ins Wackeln. Zu unklar erscheint der Wählerwille, und die Zuwächse für die eigene Partei halten sich auch in Grenzen. 13,9 Prozent heißt es dann nach den ersten Hochrechnungen für die Grünen in Bayern, 4,1 Punkte mehr bei der Bundestagswahl 2017. Das bleibt deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück. Zudem zeichnet sich schon mit der ersten Prognose ab, dass die Grünen in Bayern doch nur drittstärkste Partei werden. Als die Landesvorsitzende Eva Lettenbauer nach einer halben Stunde als erste bayerische Spitzengrüne das Wort ergreift, gibt auch sie bald zu, dass sich die Grünen von dieser Wahl viel mehr erhofft und erwartet hatten. Und doch habe man "deutlich hinzugewonnen" und "das beste Ergebnis in unserer 40-jährigen Geschichte" eingefahren. "Den klaren Auftrag, in der nächsten Regierung mitzumischen", leitet Lettenbauer aus den Zahlen ab. Landtags-Fraktionschef Ludwig Hartmann dagegen zeigt sich nach der Prognose vor allem "enttäuscht, weil wir nicht erreicht haben, was wir uns vorgenommen haben". Spitzenkandidatin Claudia Roth, die bei den Grünen unter anderem für die überschäumende Emotionalität zuständig ist, hält sich aber nicht lange mit öffentlicher Enttäuschung auf. Ja, man habe auf mehr gehofft und für mehr gekämpft, aber trotzdem: Ein "unfassbarer Wahlkampf" sei das gewesen, unter anderem in "Ober-, Mittel-, Unterfranken, ihr wisst schon, was ich meine". Und am Ende habe man auf diese Weise eben das allerbeste Ergebnis in der Geschichte der bayerischen Grünen erkämpft. Roth bringt ihre Parteifreunde an dem Abend doch noch zum Jubeln, und sei es mit ihrer eigenen, laut hinausgerufenen Begeisterung über den mutmaßlichen Wiedereinzug der Grünen in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und über die Schweizer, die sich am gleichen Tag in einer Volksabstimmung mit Mehrheit für die Ehe für alle ausgesprochen haben. In Deutschland hatten sich die Grünen vor vielen Monaten sogar für eine Weile Hoffnungen machen dürfen, stärkste Partei zu werden. Im Freistaat hingegen durften sie davon niemals auch nur insgeheim träumen. Doch immerhin Platz zwei hinter der CSU schien ihnen lange Zeit sicher zu sein; so wie bei der Landtagswahl vor drei Jahren, als die Grünen 17,6 Prozent geholt und die SDP mit deren 9,7 Prozent klar distanziert hatten. Roth hatte sich im Freistaat zu Beginn der heißen Wahlkampf-Phase schon in einer "schwarz-grünen Battle" gesehen.

Doch dann trat der sprichwörtliche Trend, der ja angeblich schon früher mal ein Genosse gewesen war, offenbar doch wieder in die SPD ein. Zwar sah die Umfrage im Auftrag des Fernsehsenders Sat1 die Grünen mit 18 Prozent auch im September noch um drei Prozentpunkte vor der SPD. Im Juli war dieser Abstand in den Umfragen aber noch deutlich größer gewesen. Im "Bayern-Trend" des BR waren die Grünen von Juli auf September jedoch hinter die SPD zurückgefallen. 16 Prozent hatten ihnen die Wahlforscher von Infratest-Dimap da noch zugebilligt - zwei Punkte hinter der SPD mit 18 Prozent.

All diese Umfragewerte und am Ende eben auch das Wahlergebnis lagen trotz aller Enttäuschung weit über dem Wahlergebnis der bayerischen Grünen von 2017. Damals hatte sie sich auch in Bayern schon für ein zweistelliges Wahlergebnis gefeiert, nur um im Verlauf des Wahlabends bayernweit doch noch 9,8 Prozent abzurutschen. 2017 hatte aber auch das als großer Erfolg gegolten, von dem die Grünen damals selbst so überrascht wurden, wie sie nun enttäuscht worden sind. Seither haben die Grünen im Freistaat auch die Zahl ihrer Mitglieder auf fast 20 000 steigern können. Mit ihrem Ergebnis an diesem Sonntag werden sie nun auch deutlich mehr Abgeordnete nach Berlin schicken können als die bisherigen elf. "Das tut dem Bundestag verdammt gut", sagt Claudia Roth und leitet aus den Hochrechnungen auch eine Größenordnung ab: "Es geht in Richtung Verdopplung."

© SZ vom 27.09.2021/mmo
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